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Geschichten aus dem Lande und der Welt

Montag, 9. November 2009

Abschalten

Bevor ich heute den Fernseher abschalte, weil diese Vereinigungsseligkeit nicht zu ertragen sein wird, denke ich noch einmal an diesen Tag vor zwanzig Jahren, an dem ich mich ein bisschen veralbert gefühlt habe.

Seit vier Tagen hatte ich die Ausreisebewilligung in der Tasche und tat noch immer jeden Abend, was ich schon seit Wochen an jedem Abend tat: Pakete packen. Den Gedanken an einen Möbelwagen hatte ich ad acta gelegt. Nur schnell zum Rest der Familie! Mann und Kind waren ein paar Tage vor diesem "Paneuropäischen Picknick" über die Grenze nach Österreich und von da nach Westdeutschland gegangen. Der Mann schrieb etwas später einen hochoffiziellen Brief in dem stand: "Komm zu uns!". So einen, den ich hatte vorlegen können bei den Stellen, die mir die Ausreise erlauben konnten. Viel verhaltener als allerhand Briefe vorher, in denen er schrieb, wie er an unserer Zukunft baute und uns (Sohn und mich) vermisste.
Es war nicht der Brief, der die Leute von der Behörde beeindruckte, sondern das minderjährige Kind, zu dem ich meine Ausreise beantragte. Der Mann schließlich war groß und hätte wiederkommen können. Diese kleine und unglaublich unwahrscheinlich Lücke im Ausreisegesetz, die sie zwang, mir die Ausreise zu genehmigen, war ärgerlich und das Kommende schließlich nicht voraus zu sehen.

Während andere sich vollkommen spontan und völlig von - ja, was? - überwältigt auf den Weg zum Kudamm machten, um dort ein Bier zu trinken, packte ich das vielleicht achtzigste Paket und sah zum soundsovielten Male Herrn Schabowski, wie er verwirrt sein Zettelchen hin und her wendete, um dann zu verkünden: " Diese Regelung gilt ... ja, offenbar ab sofort."

Ich ging erst am Dreiundzwanzigsten. Während sich Schlangen von Menschen an den Stellen wanden, an denen man sich für kurz oder länger abmeldete, hatte ich mir dreiundzwanzig und einen Stempel abgeholt, die mir sagten, dass ich gehen darf, für immer, und alles in Ordnung war. Ich hatte meine Miete gezahlt, den Strom und all das.

Ich habe nie Besuchergeld erhalten. Und mein erster Einkauf bei Aldi war nicht wirklich schön, weil das Geld reichen musste bis ...

Kurze Zeit später traf ich auf allerhand Leute, die glaubten mir erklären zu müssen, wie das Leben funktioniert. Dabei hatte ich schon eins gehabt. Leute, die meine Ausbildung, meine Eignung für diese Gesellschaft und allerhand andere Sachen in Zweifel zogen, die mich mitleidig oft auf meine politische Verfolgtheit ansprachen und nicht ahnten, wie eingesperrt sie selber waren. Manch einer von ihnen mag seither um einiges unzufriedener geworden sein (das könnte ein Trost sein, wenn ich dessen noch bedürfte), aber an ihre Freiheit glauben sie heute noch unverdrossen.

Während ich meinen neunten November 1989, wie so manchen Abend vorher, mit Paketepacken verbrachte, hörte ich neulich, war Angela Merkel, jung wie ich damals auch, in der Sauna. Sie hätte die Grenzöffnung beinahe verschwitzt, spöttelte man.
Ich denke, sie witterte eine Chance.

Freitag, 6. November 2009

Große Momente ... oder: Als Angie weinte

Stellen Sie sich vor, Sie sind eine kleine Pfarrerstochter aus der Provinz. Stellen Sie sich weiter vor, dass Sie nicht schön, nicht elegant und weithin unterschätzt sind. Stellen Sie sich vor, Sie sind klug und geschickt genug, den Anschein Ihrer eigenen Harmlosigkeit als Waffe zu nutzen. Sie wandern durch die Welt der großen Männer, die Sie als "Kindchen" und "Mädchen" belächeln, während Sie selbst mit allergrößtem Geschick einen dieser großen Männer nach dem anderen zu Fall bringen.

Stellen Sie sich vor, dass Sie es sich leisten können, einen Wahlkampf für Ihre zweite Amtszeit mit dem Slogan zu führen "Ich bin nicht zum Kanzler geboren."
Und jeder Ihrer internen und externen Feinde lächelt beifällig, während er es nicht ändern kann, dass Sie ein zweites Mal Kanzlerin werden.

Stellen Sie sich vor, Sie werden eingeladen vom amerikanischen Repräsentantenhaus, dort zu sprechen. Als erste deutsche Regentin seit Jahrzehnten. Sie halten dort eine triumphale Rede, ernten Standing Ovation und erfahren beim Dessert des sich anschließenden Essens, dass einer Ihrer größten Deals geplatzt ist.
Ein Deal mit eben den Leuten, die Sie gerade eben so toll gefunden zu haben vorgaben.

In der Tat sitzt die Mehrzahl der Vorstandsmitglieder von GM, die den Opel-Verkauf kippten, im amerikanischen Repräsentantenhaus. Während sie Frau Merkel lauschten, applaudierten, aufstanden, wussten Sie bereits, dass sie am Ende abziehen würde wie ein geprügelter Hund. Ohne auch nur eine Chance, noch einmal über das Problem zu reden. Es war so ähnlich wie beim Kaiser ohne Kleider.
Während der sich noch stolz plusterte, dachten die Ersten schon: "Aber er hat doch gar nichts an!"

Donnerstag, 5. November 2009

Wir gegen Viren

So heisst der neue Spot gegen die NEUE Grippe. Dieser endet mit dem versöhnlichen Fazit, dass Hände waschen schützt.

Gleichwohl wurde ich heute dringend ermahnt, mich impfen zu lassen. Weil ich doch ein Haustierbesitzer bin. Und alles, was da kreucht und fleucht, kann an der neuen Grippe erkranken.. Die heisst ja nun nicht mehr Schweinegrippe, weil das uns irrtümlich dazu verleiten könnte, kein Schweinefleisch mehr zu essen. Das aber sollen wir dann schon, sonst wäre die fleischerzeugende Dings sauer.

Sauer ist erst einmal nur die Pharmaindustrie, die ihren Grippekrams nicht so an den Mann bringt, wie es die voran gegangene Panikmache eigentlich versprochen hatte.
Stattdessen meldeten sich zunehmend kritische Stimmen, zunehmend auch aus den Reihen der Mediziner, die beileibe alles taten, nur nicht die Impferei befürworten. Das machte das gemeine Impfopfer skeptisch und nun liegt das Zeugs auf Halde, das man so großzügig im Zehnerpaket bereit gestellt hatte.

Jetzt also die neue Attacke, die da meint, Katzen, Hunde und so fort könnten erkranken, und zwar ganz fürchterlich. Und im Hinterkopf soll dröhnen dieses opernmäßige "ich steeeerbe!", wenn man sich denn nicht impfen lässt. So werden Tierhalter ermahnt, sie sollen sich impfen lassen, weil das (warum eigentlich?) bei den Tieren nicht geht. Und Mann und Frau und Kind (gerne auch die Allerkleinsten) soll seinen bedrohten Körper schützen, selbstverständlich nicht nur vor der neuen, sondern auch vor der alten Grippe.

Nun sitze ich hier und frage mich, und zwar in allem Ernst, was mit meinen Guppis ist. Die schwimmen so fröhlich in ihrem Aquarium und sind vielleicht ganz gefährliche ERREGER und frage ich mich, was ist der Unterschied zwischen meinen Guppis und dem Fisch, der da draussen im Herd grad fröhlich vor sich hin schmurgelt, meiner kommenden Sättigung zum Trost. Warum darf ich den sogar essen und die Guppis solln mich krank machen?

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Gewissensfragen ...

... kann man nur Leuten stellen, die ein solches haben.

Sonntag, 25. Oktober 2009

Intime Momente

Es ist nicht wahr, dass Guido nicht mehr als "also" sagen kann. Ich sah ihn bei der Pressekonferenz, wo er sich als regelrechtes Plappermäulchen erwies und zum Beispiel solche weltbewegenden Sätze sagte wie:
" Um zwei Uhr zwölf waren wir mit den Koalitionsverhandlungen fertig. Um zwei Uhr fünfzehn haben wir HORST und GUIDO zueinander gesagt."

Das sind Erkenntnisse, die die Welt braucht. Und wir warten schon aufgeregt auf den Moment, wo Guido vor die Welt tritt und bekennt:
" Nach der dritten Flasche Wein fiel mir mein Schulenglisch wieder ein und wir konnten die Dolmetscher und die Frauen weg schicken. Seit drei Uhr in der Früh´ sagen wir BARACK und GUIDO zueinander." Wir dürfen gespannt sein, ob sich Barack, wenn Guido ihm dann zufrieden grinsend das Knie tätschelt, ähnlich peinlich berührt windet wie der Horst, dem die Veröffentlichung solch intimer Momente nicht ganz recht gewesen zu sein schien.

Jaja, was tut man nicht alles nachts um zwei. Ein jeder von uns kann ein Liedchen davon singen, dass man da schon mal schwach wird und Dinge tut, die man sonst nie täte.
Zum Beispiel eine Koalitionsvereinbarung unterschreiben

Sonntag, 20. September 2009

"Du lügst!"

Wer in dieser Sache tatsächlich lügt, ist noch nicht klar.

Klar allerdings ist, dass die Gleichen wie immer bluten müssen, um den Spaß zu bezahlen. Aber von vorn:
General Motors, die schon vor langer, langer Zeit das bevorstehende AUS von Opel erklärten, haben unserer Bundesregierung einen schönen Schrecken eingejagt. Die Autoindustrie, das Flaggschiff der deutschen Wirtschaft, eines weiteren Großunternehmens beraubt, kann nun bald nicht mehr herhalten für allerlei Maßnahmen, die nur verschleiern, dass vor Jahrzehnten die Weichen verkehrt gestellt wurden. Weshalb nun immer neue Weichen gestellt werden, um den Anschein zu erwecken, man habe noch irgend ein Ziel.

Da wird ein Käufer gesucht, dem man hübsche Staats- und EU-Hilfen anheim stellt, wenn er denn nur den ganzen Schmonsens aufrecht erhält. Es melden sich Bewerber; die einen sind einem recht, die anderen weniger.
Man entscheidet sich für die Firma Magna, die sich großmütig gibt, aber nicht großzügig genug, um auf einen dreistelligen Millionenbetrag im oberen Bereich zu verzichten.

Magna behauptet nun, nie ein Hehl daraus gemacht zu haben, dass man Mitarbeiter (in Deutschland im vierstelligen Bereich, europaweit fünfstellig) entlassen müsse. Dies habe die Bundesregierung, die - wir erinnern uns - ihrerseits großmütig die ihr vom Bürger anvertrauten Gelder im neunstelligen Bereich verteilt, zu allen Zeiten gewusst und sich trotzdem für Magna entschieden (was die Vermutung nahe legt, dass die Angebote der anderen entweder noch ungünstiger waren oder aber da wieder jemand jemanden seeehr gut kannte).
Nicht genug damit, erfahren jetzt zu allem Überfluß noch, dass - die Höhe ist strittig, aber der Fakt als solcher vollkommen unbestritten - Magna einen ebenfalls dreistelligen Millionenbetrag benötigt, um Opel Russland zu fördern, zu retten ... wer weiss das schon?
So betrachtet kommt der deutsche Steuerzahler dafür auf, dass die Russen weiter und zwar sehr viel billiger produzieren können und Opel Deutschland seine Mitarbeiter zu großen Teilen doch nicht halten kann. Für die Zukunft kann angenommen werden, dass durch ebendiese Förderung aus der Tasche des deutschen Steuerzahlers irgendwann festgestellt werden wird, dass die Deutschen im Gegensatz zu den Russen doch sehr viel uneffektiver, weil teurer produzieren und deswegen doch ihren Standort verlieren.

Den Rest kennt man, weil es schon oft so lief.
Da kommt einer, spielt sich als Retter auf, greift ab, was abzugreifen ist, und geht weiter, wenn anderswo mehr Profite erzielt werden können.

Was die Sache mit der Lüge angeht, meint übrigens Magna-Chef Wolf, die habe es nie gegeben. Die Bundesregierung habe zu allen Zeiten ganz genau gewusst, wie es laufen würde. Nie sei die Übernahme der kompletten deutschen Opel-Belegschaft im Gespräch gewesen. Immer schon habe man die Anzahl der notwendigen Entlassungen beim Namen genannt. Und was die Sache mit Russland anginge ... (da schwafelte er etwas von "Cash-Flow". Kein Mensch weiss, was das ist. Und das soll ja auch keiner wissen.)
"Magna lügt nicht", das möchte er in aller Deutlichkeit sagen.

Und eigentlich glaube ich ihm das sogar. Kein Konzern heute hat es noch nötig zu lügen, wenn die Regierungen doch den Geldsäcken so bereitwillig weiteres Geld (das ihnen nicht gehört) hinterher werfen.
Wir deutschen Wähler (denen das Geld gehört!) dürfen so kurz vor der Wahl gern mal drüber nachdenken, was wir mit der Erkenntnis anfangen, dass sich diese unsere Regierung auf unsere Kosten als Retter aufspielt, ohne wirklich einer zu sein. Diesmal wars nicht schwer, Politik bis zur nächsten Wahl zu machen.

Montag, 14. September 2009

Arbeit muss sich wieder lohnen ...

las ich heute. Und dachte, dass die Kerls ja recht haben, auch wenn es sich hierbei um keine neue Botschaft handelt.

Und dann las ich, wers geschrieben hat: die FDP. Also die FDP, die sich als arbeitgeberfreundliche Partei seit Jahren dahingehend ausspricht, dass Arbeit billiger werden müsste und die Lohnnebenkosten abgeschafft gehören.

Und seither frage ich mich: Arbeit muss sich wieder lohnen - aber für wen?

Dienstag, 8. September 2009

Frauen

Dass die Schweiz nicht unbedingt das aufregenste Land auf unserem Planeten ist, hörten wir bereits gerüchteweise. Dass nun aber in der sonst als so tolerant geltenden Schweiz ein klassischerweise schizophren geführter Streit öffentlich aufgelegt wird, ist ... nun, ääh ... sehr lehrreich.

Da nämlich gibt es eine Frau St., die so manches ist, unter anderem Konzernchefin und eben eine Frau. Eine Frau, die fand, man solle doch, wenn man es denn wollte, was ich bei ihr unterstelle, sich mit 39 mit dem Kinderkriegen etwas beeilen.

Und nun nimmt ihr die schweizerische Presse alles Mögliche übel:
- dass sie ihr Vorhaben nicht mit der Nation diskutiert hat
- dass sie den Kindsvater nicht vorgestellt hat
- dass sie der Nation Bilder vom Kind vorenthält
- dass sie Mutterschaftsurlaub macht und also
- dass sie ihre Belegschaft im Stich lässt
- dass sie nicht lange genug Mutterschaftsurlaub macht und also
- dass sie in ein paar Wochen ihr Kind im Stich lässt
- dass sie die Nation nicht daran teilhaben lässt, wie sie ihr künftiges Leben zu regeln gedenkt,

schlussletztlich wahrscheinlich, dass sie eine Frau ist, die sich wagt, beruflichen Erfolg mit einem Privatleben zu verbinden, welches sie obendrein erfolgreich von der Öffentlichkeit abschottet.

Man würde sich doch so gerne eine Meinung bilden.

Frau St. in der kleinen, unscheinbaren Schweiz ist somit ein treffliches Lehrstück darüber, dass Frauen in den Chefetagen nicht nur rar sind, sondern nach wie vor irgendwie immer alles verkehrt machen.

Montag, 7. September 2009

Stell dir vor

Spätestens seit uns Frau Noxxlynxx gestern erklärte, dass es völlig, aber ganz vollkommen egal ist, ob und was wir wählen, weil die Leute nie, aber auch nie irgend ein Versprechen einhalten oder irgend einen Skrupel vor was auch immer haben, sobald man sie gewählt hat ...
also spätestens seitdem ist einem die Lust am Wählen gründlich vergangen.

Mir schwirrt seitdem dieser Sponti-Spruch durch den Kopf, abgewandelt zwar, aber prinzipiell läuft es aufs Gleiche raus: "Stell dir vor, es ist Wahl und keiner geht hin."
Es könnte, denkt man, Spaß machen, denen zu zeigen, dass man ihnen nicht mehr glaubt. Keinem von ihnen und reineweg gar nichts.
Also nicht, dass diese Idee neu wäre. Und in Wahrheit ists nicht einmal eine Idee. Zu viele schon tun es, weil sie nicht doof und obendrein ratlos sind.

Und all die anderen, die sich einbilden, ihr vermeintlich taktisches Wählen würde irgendwo hin führen, wo sies gern hätten, beginnen spätestens jetzt zu begreifen, dass jegliche Taktik jederzeit ad absurdum geführt werden kann, wenn da irgendwer einem Posten nachstrebt. Und irgendwie tun sie das ja alle. Am Ende kann (das ist zwar neu, aber nicht unmöglich) tatsächlich der, mit den schwächsten Ergebnissen ein Landesvater werden. Am Ende kann jeder alles werden. Auch ein Molotov-Cocktail-Schmeißer Aussenminister und Vizekanzler.

Aber das wussten wir ja schon. Und habens damals sogar noch gewollt. Als hätten wirs nicht gewusst.


Nicht hingehen also, denken Mann und Frau in diesem und jenem schwachen Moment. Ihnen zeigen, dass sie nichts taugen in unseren Augen. Sie mit Schweigen strafen und Nichtachtung. Ihnen zeigen, dass ... ach, was auch immer!

Und man sollte es, verdammt noch eins, tun! Nicht so als Einzelner, sondern wir alle. Schnauze halten kann auch eine Mitteilung sein.

Das wäre die einzig wahrhafte und richtige Methode, irgend etwas zu sagen. Wären da nicht die Herrschaften, die - siehe oben - Pöstchen wollen oder auch richtig fette Posten, die in die Politik gehen, um hernach eine Chance in der Wirtschaft zu haben, die nie, aber auch keinen Moment lang, eine Vision hatten von irgendwas, das sie erreichen wollen, sofern es nicht um sie selbst geht.
DIE natürlich gehen hin. Und wählen sich selbst. Könnt ja die eine Stimme sein, die andernfalls gefehlt hat .

Und dann hätten wir folgendes Wahlergebnis:
CDU: 44%
SPD: 43%
Linke: 6%
FDP: 5.9%
NPD: 0.6%

Nur einen kleinen Moment lang hält sich da noch der Gedanke, dass nicht einmal sie selbst hin gehen. Und keiner mehr wählt, wirklich keiner. Und die große Ratlosigkeit einkehrt. Weil keiner mehr hin gegangen ist.

Bis auf den hier. Der hätte dann - ohne große Mühe - 100% der Stimmen, nämlich seine eigene. Und wäre Bundeskanzler, fast mühelos. Und alle hätten, was sie verdienen.

herrapfelfuerfrauerp-2-

Weil sie nicht hin gegangen sind.

Donnerstag, 3. September 2009

Kraftlos

Menschen lieben Rituale. Sie sind oft ganz einfach und erfüllen uns doch mit Zufriedenheit, wenn nicht gar Glück. Warum auch immer. Vielleicht bedeuten Rituale, dass Menschen sich verstehen, was immerhin etwas ist in einer Zeit, da jeder so unheimlich individuell ist, dass er am Ende ziemlich allein da steht. Rituale also schaffen Verbindungen zwischen Menschen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben.
Gestern zum Beispiel hatte ich bei meinem Getränkehändler die Idee, meinen Einkauf, selber einzupacken, was dieser sehr übel vermerkte. Sollte das womöglich heissen, dass ich ihn nicht mehr leiden kann? Jedenfalls traute er sich heute erst nach Rückfrage, meine Flaschen in den Einkaufsbeutel zu verstauen.

Mein Zeitungshändler und ich sind weniger animos. Es beginnt stets damit, dass ich, während der Kunde vor mir fertig bedient wird, die Schlagzeilen der großen Zeitungen lese und dann in die kleine Bude werfe. Da mein Zeitungshändler die Sachen nicht nur verkauft, sondern auch selbst liest, manchmal vom Radio im Hintergrund untermalt, berichtet er mir darauf hin das Neueste.
Heute zum Beispiel ist Althaus zurück getreten. Den er, so als Mensch, doch eigentlich ganz nett fand. Ich wende ein, dass dieser Blödmann Kreationist ist, wovon mein Zeitungshändler keine Ahnung hat. Ich erkläre und teile mit, dass Kreationisten ein Rückschritt in der Menschheitsgeschichte und obendrein saublöd sind, von Nettigkeit keine Spur. (Neue Faschisten, schießt es mir durch den Kopf, aber das sage ich nicht.)
Sein Wahlkampf, also der vom Althaus, sei saft- und kraftlos gewesen, sage ich. Aber so sei er doch in der ganzen Republik, meint der Zeitungshändler. Ich stimme ihm zu und weiss auch den Grund: Warum sich anstrengen? Entweder der Wähler ist blöde und wählt irgendwie mittig, wobei es egal ist, was denn nun genau. Mitterechts, Mittelinks, liberal - scheißegal. Oder aber der Wähler driftet an die Kanten, rechts - links ... wenns Protest ist, dann isses auch egal. Und immerhin sind die Linken nicht ganz so sinnentleert wie die anderen, die nur immerzu die alten Parolen wiederkäuen. Selbst die konservativen Moderatoren der Landtagswahlen kriegten bei der Rote-Socken-Diskussion vom Herrn Niebel das große Gähnen.

Am Ende verständigten wir uns darauf, dass die Linken trotzdem bundesweit nicht über die zehn Prozent kommen, nicht mal aus Protest, und alles wieder bei der großen Koalition enden wird.

Es sei denn, allerhand langjährige Nichtwähler gingen plötzlich hin.
Es sei denn ...

Motto:

Meine Bilder kann man kaufen. Meine Texte und meine Meinung nicht. D-J

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NoXxLynXx - 22. Nov, 21:17
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