Samstag, 13. Juni 2009

Der Bräutigam, der sich nicht traut

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben. Und weil das so ist, lieben wir Geschichten von großen Reisen. Da muss zwangsläufig etwas passieren. Die Ruhigeren unter uns bescheiden sich dabei durchaus auch damit, anderen - filmisch oder literarisch - bei ihren Reisen zu sich selbst zuzusehen. Dass die, die solche Reisen nach Innen unternehmen, selbst nicht besonders tiefsinnig sein müssen, beweisen allerhand Beispiele aus der Literatur.

(Sehen Sie sich zum Beispiel den Hans im Glück oder Sindhbad an, die wir als Kinder ganz toll fanden. Naja, die Kinder von heute bevorzugen dann mehr so Sachen wie MATRIX oder noch modernere Geschichten, die unsereiner gar nicht mehr kennt. Aber das Prinzip ist immer das selbe.)

Boris Becker schickt sich nun an, seine Reise zu beenden, die einstens anfing bei einem großen Tennistournier, wo er - statt seine hochschwangere Frau zu besuchen - einen kleinen Abstecher in eine Wäschekammer tat.
Das Ergebnis ist bekannt und auch die lange Oddyssee, die hernach für ihn begann und die ganze Zeit über nichts anderes war als die Suche nach den Anfängen.

Da wechselte er eine karamelbraune Frau gegen die andere und es schien, als würde er auf seiner langen, langen Suche alles verlieren.
Wir wissen nicht, was er tatsächlich noch übrig hat von seinem einst erstaunlich großen (weil in sehr jungen Jahren selbst erarbeiteten) Besitz. Wir wissen auch nicht, wieviel er seither wieder dazu bekam. Wir können uns nur an Zeiten erinnern, da er - beginnend beim "Ich bin drin!" - keine Gelegenheit ausließ, uns via Mattscheibe zum Kauf irgendwelcher Produkte zu überreden. Wir wissen darüber hinaus auch nicht, ob (eher nicht) und ggf. was er seither gearbeitet hat.

Aber wir fühlten mit ihm, dem einstigen beinahe-noch-Kind-Star, der so hart in die Welt der Erwachsenen hinein gestoßen wurde und eigentlich bis heute nicht erwachsen sein will.
Denn was, bitteschön, soll man von diesen vielen Beziehungen, Unentschlossenheiten, Untätigkeiten, Umentscheidungen halten?

Aber all das ist nun vorbei. Boris hat sich, nach mancherlei Schwärmerei, heimlicher und öffentlicher Verlobung, viel versprechenden Treffen mit Babs usf. nun endlich zur Hochzeit entschlossen.
Natürlich mit einer karamelbraunen Schönen. Wie konnte es anders sein. Und nur dem ganz, ganz aufmerksamen Beobachter wird klar, dass er - noch immer - ein kleines bisschen Angst vor seiner eigenen Courage hat.
Warum sonst sollte er sich selbst so festnageln mit großen Verkündigungen in großen Fernsehshows, Exclusivverträgen mit Fernsehen und Printmedien und eben auch dieser wahnsinnsteuren Hochzeit selbst:
- 131 Diamanten auf einem einzigen Ring für die Angebetete
- Kaviar, Langusten, Trüffel, Champagner sowieso (auch in der Suppe)
und als Krönung eine begehbare Hochzeitstorte (Ich kenne jemandem, der "Iiihpfui!" schreien wird; "Wer soll die dann noch essen, wenn tausend Leute schon durch gegangen sind?")

Aber vielleicht deute ich all das nur falsch; vielleicht muss all das Brimborium drumherum sein, damit sich Boris diese Hochzeit überhaupt erst leisten kann.

Jedenfalls wünschen wir ihm alles Glück dieser Welt und im allergünstigsten Falle, dass er es schafft, sein Leben künftighin erwachsen und im Stillen und möglichst ohne unser aller Wissen zu verbringen. Denn, Pardon!, eigentlich isser ja ein ziemlich langweiliger Typ.

Freitag, 12. Juni 2009

Das Kind im Brunnen

"Jaja, jetzt, wo das Kind in den Brunnen gefallen ist ...", pflegte meine Mutter nicht selten zu sagen. Und meinte damit, dass man hernach leicht behaupten könne, eine Sache müsse nun und jetzt gleich in Ordnung gebracht werden, statt dass man vorher dafür gesorgt hätte, dass sie gar nicht erst passieren.

Nun will ich ja nicht behaupten, dass Herr Middelhoff allein den Karstadt-Konzern in den Ruin geritten hat. Da waren, wie wir früher oder später erfahren werden, sicherlich noch einige andere, ebenso hochkarätige Herrschaften, mit im Spiel. Aber hernach so zu tun, als täte man was ... das ist doch echt blöd!
Nochzumal wir wissen, dass diesen Hochkarätern irgendwie immer nie so wirklich viel passiert. Sie stürzen Tausende und Zehntausende in allerhöchstes Unglück und kommen mit einem blauen Auge davon, über das sie sich dann stets noch schwer beleidigt geben. Weil ... sie sind ja die Leistungsträger in dieser Gesellschaft.

Dabei, machen wir uns doch nichts vor: Wenn ein Herr Middelhoff (oder wie auch immer die Herrschaften noch heissen mögen) mal einen Tag nicht auf Arbeit gegangen ist, hat Karstadt trotzdem aufgemacht. Bei eigentlich sehr vielen Chefs fällt es nicht auf, wenn sie nicht da sind, auch wenns mal ein bisschen länger dauert. Höchstens in der Buchhaltung, weil alles ein bisschen sparsamer vonstatten gegangen ist.

Herr Middelhoff also, um mal zum Eigentlichen zu kommen, war ganz rein zufällig und vollkommen unbeabsichtigt zusammen mit seiner Frau Eigentümer eines Immobilienfonds, der noch viel, viel zufälliger Wahnsinnsmieten von Karstadt einnahm.
Nicht, dass mans nicht gewusst hätte. Da wurde auch schon mal in der Hauptversammlung drüber gesprochen und Middelhoff verkündete, dass Karstadt stets und immer die erste Geige für ihn spiele.

Wers glaubt!
In Wahrheit wird jeder froh gewesen sein, dass der Herr Middelhoff im Middelpunkt stand und nicht er selber. Weil - siehe oben - da werden sich sicherlich noch andere gütlich getan haben. Über die man (noch) nicht spricht.

Nun jedenfalls interessiert sich die Staatsanwaltschaft, wegen Veruntreuung, für Middelhoff.

Und ich frage mich, was das fürn blödes Wort ist. Ich denke mal, der Herr Middelhoff ist sich selbst zu allen Zeiten ganz dolle treu geblieben.

Mittwoch, 10. Juni 2009

Nr.63

Sonntag, 7. Juni 2009

Nr.62

4060000111

(inspiriert von: http://www.nipissingu.ca/department/history/MUHLBERGER/labels/Yann%20Arthus-Bertrand.htm )

Samstag, 6. Juni 2009

Kindergeburtstag

4060000216

Freitag, 5. Juni 2009

Letzte Reise

Es gibt ja Geschichten, die gibts gar nicht. Und die meisten von denen, wollen wir eigentlich gar nicht wissen.
Da ich aber via höchst seriöse Nachrichten quasi gezwungen wurde, diese hier zur Kenntnis zu nehmen, tue ich das eben. Höchst befremdet, muss ich sagen.

Denn es widerstrebt mir zutiefst, mir vorstellen zu sollen, dass ein Idol meiner Kindheit, von dem ich erst einmal lernte, dass fernöstliche Weisheiten viel weiser sind als all die anderen und dass Gewalt nur eine Re-Aktion, nie aber eine Aktion sein darf ... also über solch ein Idol, finde ich, sollte man nie und nimmer Dinge erfahren dürfen, wie das nun der Fall ist.

Frau Porntrip (der Name klingt nur so; die Dame ist Gerichtsmedizinerin) erläuterte uns nun, dass Herr Caradine, David im Gegensatz zu vorangegangenen Meldungen, die von einen Selbstmord durch Erhängen ausgingen, sich mit gänzlich anderen Intentionen in Stricke verwirrte. Sie, also Frau Porntrip (der Name ist so schön und passend, dass ich ihn noch mal erwähnen musste) meint nun, Herr D., unser aller Kindheitsidol, habe eine höchst seltene, aber wohl offenichtlich nicht gänzlich unbekannte Praktik der Selbstbefriedigung ausgeübt, vermittels derer er sich schlussletztlich, vermutlich versehentlich, selbst erdrosselte. Es würde weder von Selbstmord, noch von Fremdeinwirkung ausgegangen.

Man stelle sich das vor!
Nicht nur, dass dieser Mensch, der selbst bei seinem Comeback noch immer die Aura der Weisheit um sich verstrahlte, am Ende zu blöd ist, bei seinen autoerotischen Spielchen die Stricke so zu verzurren, dass sie ihn eben nicht umbringen. Nein, wer will überhaupt so genau wissen, welche Art Sex ein 73jähriger mit sich selbst hat???

Also früher hätte es das nicht gegeben, dass so etwas in die/ den Nachrichten kommt. Gabs da niemanden, der die Würde dieses angejahrten, offenbar einsamen Menschen beschützen konnte?
Und ist da niemand, der uns alle vor solchen Nachrichten und solchen Vorstellungen beschützt?

Wissen Sie, was das mit dem Kind in mir macht!?

Montag, 1. Juni 2009

Nr.61

4060000110

Sonntag, 31. Mai 2009

Expertenrunde

Die Republik dümpelt so vor sich hin. Was erstaunlich ist, da wir uns ja irgendwie im Wahlkampf befinden. Oder dümpelt sie nicht und wir merkens nur nicht?
Wer kann es wissen, da ja auch die Experten lange Zeit schwiegen. Verhaltenheit breitete sich aus in den Kreisen derer, die in besseren Zeiten die reinsten Plappermäuler waren. Sie kommen erst langsam wieder in Form und lassen uns immer öfter in großer Ratlosigkeit zurück.
Nicht, dass das nicht früher schon der Fall gewesen wäre. Allerdings waren sie sich früher öfter einig über die Art und das Ausmaß der Maßnahmen, die zwingend durchzusetzen seien, um Schlimmeres zu vermeiden. Die Frage "Schlimmeres für wen?" stellte sich dabei nie. Während sie vorspiegelten, unser aller Wohl bei der Erteilung ihrer Ratschläge im Auge zu haben, mußte doch jedem mit mindestens durchschnittlichem Intellekt Begabten klar sein, dass es sich hierbei um das Wohl eines ganz bestimmten Klientels und keinesfalls der Mehrheit handelte.

Schwamm drüber!
Wer redet jetzt noch davon, dass die Vielzahl der vermeintlich gut gemeinten und schlecht getanen Ratschläge erst die Misere herbei führte? Denn natürlich wurde alles falsch verstanden, nur halb oder gar nicht umgesetzt. Und sowieso sind am Ende immer nur die anderen Schuld, nie, aber auch nie so ein Experte. Wie auch immer man zu solch einem Titel kommen mag.

Gerade eben sind sie, die Experten, aus ihrer Schockstarre erwacht und irren durch die Gegend wie die aufgeschreckten Hühner auf dem Bauernhof. Die einen gackern dies, die anderen das. Und unsereiner, der gut daran täte, dieses Geschrei überhaupt nicht zur Kenntnis zu nehmen, kommt nicht umhin, genau das zu tun. Denn es steht zu befürchten, dass irgendwer von diesen aberwitzigen, jämmerlichen Gestalten am Ende tatsächlich Gehör findet im Angesicht derer, die unser aller Wohl und Wehe in den Händen halten.

Wir hören also hin.
Das Thema Arbeitslosigkeit bewegt uns mehr denn je. Schlechte Zeiten, wie sie nun ganz ungeahnt über uns herein gebrochen sind, sind schlechte Zeiten hauptsächlich für jene, die noch von eigener Hände Arbeit leben oder aber dahinvegetieren.
Wir hörten Herrn Blum, der den Frauen das Kinderkriegen empfahl, während gleichzeitig eine europaweite Studie herausgefunden hat, dass in Deutschland die Arbeitslosigkeit am wenigsten geschlechtsspezifisch ist. Das soll anders werden.
Wir hören Herrn Franz, Wirtschaftsweiser, der die konjunkturelle Abwärtsbewegung für zum Stillstand gekommen hält. Auch wenn dies noch nicht auf den Arbeitsmarkt durchgeschlagen habe, sei doch mit weitaus weniger Arbeitslosen zu rechnen als ursprünglich befürchtet.
Und wir hören den Herrn Hundt, der wiederum den "Job-Absturz" befürchtet, wenn nicht die Bundesregierung welche auch immer, aber immerhin irgendwelche Weichen stellt. Herr Hundt weiss natürlich welche. Es wird zum Schaden der Unternehmer nicht sein, denn die vertritt er schließlich.

Und dass wir Widersprüche sehen, wo keine sind, liegt nur an unseren begrenzten Fähigkeiten, zwischen den Zeilen zu lesen.
Wer weiss schon, wie genau so ein Job-Absturz aussieht?
Wer hätte sich in diesen vergangenen expertenlosen Monaten schon genau überlegt oder zu sagen getraut, wie viele Arbeitslose man befürchtet?
Oder wer weiss, wie viele Frauen arbeiten wollen und sich arbeitslos melden würden, wenn sie denn wüssten, wohin mit ihren Kindern?

Fragen über Fragen!
Zum Glück gibts ja die Experten.

Motto:

Meine Bilder kann man kaufen. Meine Texte und meine Meinung nicht. D-J

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fürchte: ja. (Gilt ja allgemein auch für die Dummheit....
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