Der informierte Bundesbürger hatte gestern zur Kenntnis genommen, daß der GDL per Einstweiliger Verfügung der Streik im Güter- und Fernverkehr verboten wurde.
Als Begründung führte man die zu erwartenden großen Schäden an, deren Ausmaß im zweistelligen Millionenbereich eingeordnet wurde. Die Medien berichteten im Vorfeld bereits über Industriezweige, die zwingend auf die Gütertransporte der Bahn angewiesen sind und binnen kurzem zum Erliegen gebracht werden könnten, würde der Streik tatsächlich durchgeführt.
Auf Grund dieser "Unverhältnismäßigkeit" untersagte nun gestern das Arbeitsgericht Nürnberg die geplanten Streiks. Was eine juristische Pikanterie ist. Denn man ist sich durchaus uneins, ob ein lokales Gericht eine Entscheidung treffen darf, die für das gesamte Bundesgebiet gilt.
Richtig ist, daß die Bahn auf Grund ihrer vielfältigen Niederlassungen im Prinzip bei etlichen Gerichten Klage führen darf. Deshalb auch die gleichzeitige Klage beim Arbeitsgericht in Chemnitz, wo Streiks nicht nur im Güter- und Fernverkehr, sondern auch im Regionalverkehr untersagt wurden.
Die GDL, die zunächst Streikverzicht bis Sonntag zugesagt hatte, schien überrascht. Man sei immer im Kontakt gewesen, hätte sich sogar einer Vermittlung durch Dritte geöffnet und warte noch immer auf jedwedes Angebot der Bahn. Stattdessen diese Klagen, die - siehe oben - im Prinzip an jedem Standort der Bahn bundesweit wiederholt und ins Uferlose getrieben werden könnten.
Offenbar ist die GDL nun nicht mehr bereit, den Arbeitskampf statt auf die herkömmliche Weise jeweils vor Gericht auszutragen. Sie kündigte für heute zwischen acht und zehn Uhr Streiks der S-Bahn in Berlin und Hamburg an. Wohl wissend, daß man sich damit nicht an die 24-stündige Ankündigungsfrist hält, die einstens zugesagt war. Und auch wissend, daß seitens der Bahn so rasch nicht würde reagiert und Ersatz durch verbeamtete Lokführer geschaffen werden könnte.
Angesichts dieses taktischen Vorgehens der Tarifgegner darf man sich schon einmal fragen, ob der Streik als Mittel im Tarifstreik noch taugt, wenn Gerichte ihr Veto erheben und monetäre Gründe gegeneinander aufwiegen können. Die Generalisierung dieses Vorgehens liefe darauf hinaus, die Nachteile des Geringerverdienenden gegen die des Höherverdienenden stets als minderwertig einzustufen.
Oder sehe ich da ´was verkehrt?
erphschwester - 9. Aug, 17:00
... hat der Deutsche, so erfahren wir heute. Nicht etwa, weil er mehr Geld hätte - iiiihhh bewahre! Aber er hat mehr Kundenkarten. Was auch immer das ist.
Kundenkarten, für die Doofen, sind diese Dinger, die uns in Läden ständig aufgeschwatzt werden, als seien sie die große Errungenschaft der Neuzeit. Wir sollen sparen mit ihnen, gelegentlich auch fette Rabatte machen und Gewinne gibt´s manchmal auch. Oder umgekehrt? Keine Ahnung!
Jedenfalls müssen wir, ehe wir so eine hochwertvolle Kundenkarte kriegen, jede Menge Daten von uns kundtun. Weil ... zu irgendwas muß dieser Quatsch ja gut sein.
Wenn wir dann einkaufen mit dieser Kundenkarte, lernt uns die Handelskette jedes Mal noch ein bißchen besser kennen. Das heißt dann Kundenprofil. Und wer bislang keins hatte, ein Profil, der hat es jetzt.
Dicke-Taschen-Kundenkarten, so erfuhren wir jetzt auch, sind nur gut für den Händler. Der uns ein bißchen besser kennt, nun, nachdem wir eingekauft haben bei ihm. Der kann uns dann, die Adresse kennt er ja, ein bißchen bessere, genauere Werbung schicken, was am Ende viel billiger ist als diese Fernsehspots. Kost´ nur das Porto und keine Zichtausend pro Sendeminute.
Dicke-Taschen-Kundenkarten habe ich keine. Und jetzt weiß ich auch, warum. Irgendwie hatte ich schon immer ein dummes Gefühl bei all diesen Versprechungen. Denn ... zeig mir einer den, der einem heutzutage noch ´was schenkt.
erphschwester - 6. Aug, 19:07
Der Sonntag ist der freie Tag der Nation (sieht man einmal von solch bedauerlichen Berufsgruppen wie Feuerwehrmännern, Krankenschwestern, Lokführern und dergleichen ab). Der Tag, an dem alles ein bißchen langsamer abläuft, an dem die Straßen ein wenig ruhiger sind und die Plätze ein wenig verwaister als sonst.
Ein Tag, so recht geschaffen für´s Ehrenamt.
Ehrenamtlich tätig zu sein, werden wir ja neuerdings von allerlei Leuten so recht von Herzen ermuntert. Denn: Ehrenamt ist gut. Es befriedigt den Ehrenamtlichen, für die Allgemeinheit etwas Nützliches zu tun. Und es spart der Allgemeinheit Geld, weil man sich andernfalls von Amts wegen um die Dinge kümmern müßte, die der Ehrenamtliche ganz unentgeltlich tut.
Gerade rechtzeitig vorm Wochenende erfuhren wir jene Geschichte, die bereits vor längerer Zeit begann:
Da war ein (ehrenamtlicher) Wegewart irgendwo im Allgäu. Der kümmerte sich darum, daß die Wanderwege in Ordnung waren. Er befestigte Steine am Weg, sicherte Geländer über Bergbächen und all der Dinge mehr.
Was alles eine sehr schöne Sache ist, solange nichts passiert. Wenn aber etwas passiert, fragt man sogleich nach dem Schuldigen und findet ... jawohl, den Wegewart.
Geschehen war: Zwei junge, übermütige Männer (man munkelt, sie hätten dem in der Berghütte gereichten Schnäpschen mehr als üblich zu gesprochen) traten ihren Abstieg an und fanden einen von den weggewarteten Bachläufen. Über den führte ein hölzerner Handlauf, der (wie´s der Name schon sagt) zum Festhalten gedacht ist und in seiner Funktion sehr verkannt wurde. Sie setzten sich nämlich darauf, wohl alle beide gleichzeitig und hopperten lustig darauf rum. Weil der Handlauf zum Hoppern nicht gedacht war, gab der seinen Geist auf, die Männer stürzten ab, fielen in den Bergbach, der einige Meter tiefer lag. Und es tat ihnen nicht gut.
Die Bergung und ärztliche Behandlung der Männer war nicht umsonst, weshalb da nun die Frage nach der Schuld gestellt ward. Schuld, stellte sich heraus, war der Wegewart, der solcherlei Dummheit zwar nicht hatte voraussehen können, aber doch irgendwie verantwortlich war für die Sicherung der Wandernden.
Die Sache kostete ein Ordnungsgeld von 500 Euro, das die zuständige Gemeinde dem Ehrenamtler abnahm, damit er weiter seines Amtes waltet. (Und auch, weil´s ein rechter Schmarren war, solch Strafe zu verhängen, obschon die hoppernden Dummbeutel selbst schuld gewesen waren.)
Alles könnte gut sein, wäre da nicht eine kleine Besonderheit gewesen. Nämlich waren die Verunfallten keine gewöhnlichen dummen Hopperer, sondern Angehörige der britischen Armee. Und wenn sich´s um solche handelt, hat die Bundesregierung höchstselbst einzuschreiten. Was sie auch tat. Flugs kamen zu den 500 Euro noch knapp Zehntausend hinzu, und inzwischen hat man auch mit Schadenersatz, Schmerzensgeld und all dem Sermon zu rechnen.
Dem Ehrenamtlichen ist jede Lust am Ehrenamt vergangen. Weil er die Verantwortung tragen soll für alles, was den Leuten so an Ungemach auf seinen gewarteten Wegen passiert. Das kann er sich schon jetzt nicht leisten. Mag warten, wer da warten will; seines Wartens sind die Wege nun nicht länger.
Und die Moral von der Geschicht´:
Das Ehrenamt ist voll Ehre nicht.
Es kostet viel und bringt ein´m wenig.
Und dankbar ist nicht mal der König.
... oder so ähnlich.
erphschwester - 5. Aug, 09:45
Alle Jahre wieder, vorzugsweise zur Urlaubszeit, wird uns Deutschen erzählt, daß wir zu viel davon haben, vom Urlaub. Und dann kriegen die Vertreter aus der Wirtschaft jedes Mal hübsche Ideen, was mit unserem Urlaub anzufangen ist.
In der Vergangenheit haben uns derartige Überlegungen, die sich gerne auch auf die vielen deutschen Feiertage bezogen, schon gestrichene Feiertage und eine allgemein längere Wochenarbeitszeit eingebracht. Weil, wenn es dem deutschen Arbeitnehmer zu gut geht, kann der Arbeitgeber nichts verdienen. Und das ist nicht gut!
In diesem Jahr, der Diskussion um fehlende Fachkräfte folgend, empfiehlt uns der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK), wir sollten einen Teil unseres Urlaubs für die Fortbildung nutzen. Auch wenn wir das täten, bliebe uns noch genug Zeit zur Erholung.
Na, ich weiß ja nicht, wie das den anderen geht. Aber mir ist in den vergangenen Jahren oft genug erzählt worden, was für mich genug ist. Und zur gleichen Zeit, in der ich immer weniger hatte (weil´s ja genug war), kriegten andere immer mehr. Vorzugsweise waren diese anderen immer genau die, die mich zur Mäßigung aufgerufen hatten.
Nun ist das mit der Bildung ja eine durchaus zwiespältige Sache, wie ich aus meiner eigenen Erwerbsbiographie weiß. Meine Arbeitgeber mochten es sehr, wenn ich mich fortbildete. Weil ich dann meine Arbeit irgendwie noch besser machen konnte. Aber wenn dann die Frage nach der Gehaltserhöhung kam, fanden sie immer ein kleines Haar in der Suppe, weil ich ja doch nicht richtig ... was auch immer. Wenn ich also einen Teil meines Urlaubs für Fortbildung verwenden würde, hätte ich nicht wirklich ich etwas davon, sondern nur mein Arbeitgeber, der zwar meine gestiegenen Kenntnisse gern nutzt, aber nicht so gern dafür bezahlt.
Da, finde ich, haben doch alle Beteiligten mehr davon, wenn ich mich in meinen -achso vielen - Urlaubstagen so ganz richtig erhole, statt total erschöpft vom Fortbilden zurück zu kommen.
Und beim nächsten Mal reden wir über all die vielen Länder, in denen es viel weniger Urlaub gibt als bei uns, in denen aber der deutsche Auswanderer zuweilen das Gefühl hat, die dortige Arbeitswelt bewege sich im Zeitlupentempo. Und, da wir einmal dabei sind, reden wir dann auch davon, daß anderswo auch Fachkräfte fehlen und die Arbeitgeber s e l b s t ihren Arbeitnehmern beibringen, was die so für den Job brauchen.
erphschwester - 3. Aug, 10:51
Neulich, meine wohlwollenden Leser erinnern sich vielleicht, sprach ich über die Steuern, hierzulande und anderswo. Und daß sich der Tag der individuellen finanziellen deutschen Freiheit in jedem Jahr ein wenig mehr nach hinten verschiebt. Sprich: Mittlerweile arbeitet der Normaldeutsche (so er denn arbeiten darf) mehr als die Hälfte des Jahres für Väterchen Staat.
Anderswo, z.B. in den USA, ist das nur ein Viertel bis ein Drittel des Jahres.
Gleichwohl gibt es immer und überall Leute, die mit den Bedingungen, die sie so vorfinden, ganz und gar nicht zufrieden sind. Als da wäre das Ehepaar Brown, irgendwo in den USA (wobei ich mir darüber im Klaren bin, daß der Standort sehr wohl den Unterschied zwischen einem Viertel oder einem Drittel ausmachen kann); das sieht überhaupt nicht ein, Steuern zu zahlen.
Die Browns sind der Meinung, sie kommen ganz gut ohne Allgemeinwesen klar und überdies, sagen sie, habe ihnen bislang noch niemand ein Gesetz zeigen können, dem zu Folge sie überhaupt Steuern zahlen müssen. Was einigermaßen seltsam anmutet, da die Browns deswegen bereits vor Gericht waren und zur Zahlung von 60.000 Dollar und/oder 5 Jahren Haft verurteilt wurden.
Die Browns sitzen aber nicht in Haft, sondern daheim auf ihrem ansehnlichen Grundstück, das sie notfalls auch mit Waffengewalt verteidigen wollen. Und jeder tut gut daran, sich aus dieser Gegend fern zu halten, weil Mr.Brown auf dem Dach seines Hauses steht und die Umgebung mit einem Richtmikrophon abhorcht. Wie es Mr.B. gelingt, die "Feinde" von seinen Freunden zu unterscheiden, hat man nicht berichtet, aber immerhin gibt es da genug Leute, die der gleichen Meinung sind wie die Browns - und sei es nur der Gerechtigkeit wegen. Die versorgen das Ehepaar B. mit Lebensmitteln und Waffen. An Strom, den sie den Browns schon abgestellt haben, ist auch kein Mangel, weil da Solarzellen größeren Ausmaßes auf dem Grundstück rumstehen.
Die ortsansässige Polizei teilt auf Anfrage mit, sie habe gehört von diesen Zuständen bei den Browns, sieht aber nicht so aus, als wolle sie etwas unternehmen. Was ja irgendwie löblich ist, weil so ein Kleinkrieg verhindert wird im - achso bewaffneten! - Kleinstadt-Amerika. Zudem weckt es den Anschein, als sei man sich manch größerer Probleme im Lande bewußt, die einen Eingreifverzicht rechtfertigen.
Wie auch immer! Jedenfalls stelle man sich das gleiche Szenario mal in Deutschland vor: Einer will keine Steuern zahlen und tut´s auch trotz vorliegendem Urteil nicht, verschanzt sich hingegen auf seinem Grundstück und wird von Anhängern (die auch schon die Hand am Abzug haben) versorgt. Neee, neee, so was geht hier nicht. D e r Kleinkrieg fände statt, aber ganz sicher.
Und überhaupt waren unsere einstigen Steuerverweigerer ja viel, viel zivil(isiert)er.
erphschwester - 2. Aug, 19:00
Ein, wie ich zugebe, ungewöhnlicher Titel, der sich im Grunde nur an diesen einen Leser in ... (schaun wir nach) ... Wien richtet.
Nun, ich weiß nicht, was diesen Leser zu mir treibt, da ich ja doch nie über Gürtellocher schrieb. Aber immerhin habe ich eine Vorstellung von einem derartigen Ding, weil mein Vater Werkzeugmacher war und mir diese - für eine Frau ungewöhnliche, aber sehr moderne - Leidenschaft für jegliches Werkzeug vermacht hat.
Bei einem Gürtellocher, so nehme ich mit meinen bescheidenen Kenntnissen an, handelt es sich um eine Art Lochzange. Ich l i e b e Lochzangen und habe es maßlos bedauert, diese aus dem einstigen Fundus meines Vaters nicht übernommen zu haben. Ein, wie ich meine, handwerklich nicht sonderlich geschickter, Neffe kriegte die Dinger (denn der wahre Profi hat davon eine ganze Kollektion) und wird sie, wie ich glaube, seither nicht mehr angerührt, bestenfalls irgeneinen Kumpel damit beglückt haben.
Damals, anno neunzehnhundertpaarundachtzig, wo jeder angesichts der Neutronenbombe glaubte, er würde es noch schaffen, in irgendein tiefes Loch kriechen zu können und hernach in eine nicht mehr technisierte Welt zurück kommen, damals übten wir uns in allerlei Handwerk. Und schließlich sind Gürtel, Löcher in Leder und anderen nichttextilen Materialien eine sehr nützliche Sache, wenn man seine Klamotten wieder von Hand machen muß.
Allerdings nehme ich an, dieser Mensch aus Wien, der so nachhaltig nach dem Gürtellocher sucht (und es vielleicht mal mit der Lochzange versuchen sollte?), hat eine andere Intention für seine Suche.
Ich wünsche viel Erfolg und bedanke mich für die geschenkte Erinnerung.
erphschwester - 1. Aug, 14:07
Nachdem ich bei verschiedenen Bloggerkollegen von der netten Aktion gelesen hatte, den Herrn Schäuble via Übersendung eines Grundgesetzes (das man sinnträchtigerweise aus seinem eigenen Haus, nämlich dem Bundestag, kostenfrei beziehen kann) über ebendessen Inhalt nochmals zu informieren (ein paar Sachen scheint er da vergessen zu haben), ereilte mich ein seltsames Erlebnis:
Mein Besuch auf der Seite des Bundestages nämlich funktionierte nicht. Was nicht wirklich verwunderlich sein müßte. Schließlich kennt man den Effekt ja, daß Webseiten blockiert sind, sobald sie allzu häufig aufgesucht werden.
Aber nein! Da sagte mir keiner, daß diese Seite nicht erreichbar ist. Vielmehr hat es mir, in Wiederholung, mein Internet-Programm zum Absturz gebracht, was immerhin die Anfrage auslöste, ob man einen Fehlerbericht an den Hersteller senden solle.
Also ich erkenne darin einen Akt der Sabotage. Und ich bin mir nicht so sicher, ob da der Herr S. nicht seine Finger im Spiel hat. Denn der will ja schon die ganze Zeit Hand an meinen Computer legen und mich ausspionieren. Vielleicht reicht es neuerdings schon für einen grundlegenden Tatverdacht, wenn man sich für die Aktivitäten seiner Regierung interessiert? Oder aber: Es gibt sie gar nicht mehr, diese Regierung, an die wir alle glauben und auf die wir alle so gern schimpfen. Vielleicht haben die Damen und Herren in Berlin und Bonn ihre Standorte längst in die Wirtschaft verlegt und wir dummes Wählervolk glauben noch immer, "da oben" sei jemand?
Jedenfalls werde ich diese Sache gaaanz genau im Auge behalten ...
erphschwester - 31. Jul, 11:50
Heute werden wir auf der Webseite der Tagesschau zum Grad unserer Empörung befragt. Was eine Frage so recht nach Herzen des Deutschen ist. Denn der Deutsche, so als Menschenschlag, empört sich gern, über alles Mögliche, sogar wenn er keine Ahnung hat. Sicher ist sicher, sagt er sich, und lieber einmal zu viel empört als einmal zu wenig.
Gemessen wird jetzt also unsere Empörung in Bezug auf die gestiegenen und steigenden Preise für Milchprodukte. Die Drohung geht von Steigerungen um 50% bis 5 Cent, was entweder auf einen Hörfehler oder aber eine gewisse Unentschlossenheit der Milchproduzenten schließen läßt.
Tatsächlich gibt der Deutsche, so erfahren wir da auch, nurmehr 12% seines Haushaltseinkommens für Lebensmittel aus (nach dem Krieg waren es 50%). Was ja eigentlich ziemlich wenig ist, bedenkt man, daß wir von den Dingen reden, die uns das Leben erst ermöglichen. Bedenkt man weiter, daß viele unter uns sogar viel mehr kaufen, als sie tatsächlich brauchen (nicht anders ist das Übergewicht des Deutschen zu erklären), ist es sogar seeehr wenig. Gar nicht zu reden von all den Lebensmitteln, die allein der Endverbraucher mit einiger Sorglosigkeit wegwirft (von Butter- und anderen Bergen, die wohl bald der Vergangenheit angehören, gar nicht zu reden), weil sie nicht schmecken, jenseits der Haltbarkeit sind, einer Diät im Wege stehen ... und, ja, weil sie so schön billig waren und es nicht darauf ankommt.
Meine Empörung also hält sich in Grenzen. Das habe ich denen von der Tagesschau auch gesagt, welche mich daraufhin wissen ließen, daß immerhin 47% der Befragten ebenso unempört sind wie ich.
Ich gehe nicht davon aus, daß es sich bei den 47% ausschließlich um Bauern handelt, die noch wissen, wie die Milch in unsere Kartons ´reinkommt (Die im übrigen auch wissen, daß Kühe nicht lila sind, jede Menge Pflege und Futter und vor der Zeit beendete Nächte brauchen.), und mit denen ich um keinen Preis tauschen möchte. Weil so ein Bauer sich schwer tut mit Wochenende, Urlaub oder auch Brautschau. (Aber das ist wieder eine andere Geschichte.)
Und weil meine Empörung nur begrenzt ist, finde ich, man sollte mich nächstens zu anderen Dingen befragen, über die man so empört sein kann. Für die Miete, zum Beispiel, gebe ich drei Mal soviel aus wie für Lebensmittel. Gar nicht zu reden von einer Rentenversicherung, von der ich nichts mehr zu erwarten habe. Und ... und ... und ...
Aber vielleicht ist es ja besser, wenn sich die Menschen über die kleinen Dinge empören; dann bleibt für die großen Sachen nicht mehr allzu viel Empörung übrig.
erphschwester - 31. Jul, 09:54
Im Politbarometer erfahren wir regelmäßig, was sich im politischen Denken der deutschen Wählerschaft getan hat.
Und da konnten wir diesmal eine erstaunliche Feststellung treffen: Unsere Politiker sind nahezu alle im Ansehen gestiegen. Im Monat Juli, man beachte, wo die meisten der Politiker, wie unsereiner ja auch, im Urlaub sind. Sogar der Herr Steinmeier, der gerade in diesen Tagen mit seinem Solidarpakt und der damit verbundenen Abgabe etwas ins Gerede gekommen war (aber das war vielleicht erst n a c h der Umfrage).
Einzig Schäuble, Ulla Schmidt und Stoiber haben an Sympathie verloren. Aus naheliegenden Gründen. (Vielleicht hätten sie auch einfach Urlaub machen sollen?)
Jedenfalls stellt sich nun, einmal mehr, die Frage, ob die Politiker nicht gut daran täten, sich mit ihren Meinungsäußerungen (vielleicht reicht das schon?), aber vielleicht auch mit ihrem Aktionismus etwas zurück zu halten?
Wer weiß? Vielleicht würden wir angesichts der Ergebnisse Ihres Tuns oder eben auch Nicht-Tuns insgesamt viel zufriedener sein? Abgesehen davon gibt es ja immer noch Leute, die der Meinung sind, die beste Regierung sei die, die nicht regiert. D i e dürften sich angesichts dieser Ergebnisse aber sehr bestätigt fühlen.
erphschwester - 28. Jul, 12:26