Scheiß-Juden und hehre Werte

Es traf sich wohl nicht zufällig, daß am Wochenende nach alter Manier ein "Scheiß-Jude" (so vom Angreifer tituliert) niedergestochen wurde und Frau Herman, Eva ihrer Hochachtung für die Mutterrolle in der Nazigesellschaft Ausdruck verlieh. Nicht zu reden von den Jenensern, die vergeblich gegen den Aufmarsch der Nazis in ihrer Stadt protestierten.

Alles geschehen in Deutschland, innerhalb einer Woche, zweiundsechzig Jahre, nachdem der Albtraum ein Ende hatte.

In den Köpfen, so müssen wir konstatieren, ist der Albtraum noch lange nicht am Ende. Da wächst eine Generation heran, die es neuerdings wieder schick findet, allerhand Dinge zu denken und zu sagen, die zu denken und zu sagen wir uns abgewöhnt glaubten. Dinge, in denen Fremde minderwertig gefunden werden und Frauen auf ihre Gebärfähigkeit reduziert.

Es scheint, als hätten wir es bitter nötig, Selbstbewußtsein aus alten Quellen zu schöpfen, wo neue Quellen keins mehr hergeben. Der Deutsche ist so als neuzeitiges Konstrukt eben NIEMAND mehr, wenn man an seine Seite den Chinesen oder allerhand andere Nationen stellt, die allesamt eines gemeinsam haben: Sie sind besser, in irgendeinem Bereich.

Man darf sich fragen, ob der Wahnsinn, der durchaus System hat, es vermag, die Spreu vom Weizen zu trennen. Denn so ein Glatzkopf kann mir ebenso wenig Vorbild sein wie eine verblödete Herman oder einer, der nach alter Manier "Juden klatscht".
Und nicht erst seit dieser Woche frage ich mich, ob ein Herr Schäuble mitsamt seinen Kollegen nicht gut daran täte, mal wieder einen Blick auf den deutschen Normalbürger zu werfen, der offenbar so unzufrieden ist, daß er alle anerzogene Scheu verliert.

Aber, wer weiß, vielleicht hat Schäuble das ja vor, und zwar auf eine Art, die uns so überhaupt nicht Recht sein kann ...
AiHua - 10. Sep, 12:20

Da Schäuble ja gerne alle unter Generalverdacht stellen würde, richtet sich das wohl wirklich auch (oder vor allem?) auf den Normalbürger.
Aber von wegen neuer Generation. Das wage ich zu bezweifeln, viel eher glaube ich (oder meine es auch durch Umfragen erschlossen zu haben), dass diese Gedanken immer schon vor sich hin gärten, tatsächlich vor allem auch im Alter schwelen, so dass die Jugend hübsch solche Gedanken übernehmen kann und dann sich aber radikal äußern (Gewalt), so dass diese dann nur auffallen.
Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus und was es da sonst noch so gibt überlebten die ganze Zeit.
Hermanns hinterbliebenen Gedanken haben ja auch nicht nur junge Leute bejubelt...

erphschwester - 10. Sep, 20:06

ich suche und suche ...

... finde aber da gar nicht die spezifikation auf die junge generation. da ist bestenfalls erschrecken darüber, daß über sechzig jahre nicht gereicht haben, um die scheiße aus den köpfen zu kriegen.

ahja, ich seh´s nun doch: mit der heranwachsenden generation meinte ich ja gar nicht die jungen, sondern eine denk-generation. denken tut man, so gott will, in allen altersklassen. leider gottes eben nicht immer das richtige.
AiHua - 10. Sep, 21:56

Dachte mir schon sowas... wollte nur schreiben, dass ja die ganze Zeit diese Gedanken gedacht wurden und an feucht warmen Orten, wie Stammtischen geäußert wurden...
Und das mit dem Denken ist leider anscheinend wirklich sehr schwierig.
Titania Carthaga - 18. Sep, 00:08


lesof - 26. Okt, 23:34

so vergeblich war der marsch der jenenser gegen das "fest der völker" nicht.
unser instutsdirektor sammelte privat spenden für das volksfestliche antirechte event. daß er ein großteil seiner gelder aus dem flick-erbe bezieht mit dem pc-en zusatz,die gelder dienten zu erforschung der zwangsarbeiterausbeutung steht auf einem anderen blatt und daß familie flick daran beteiligt war, auch. was lassen wir gelten?
jenaer bürger haben die stadtautobahn in einer drei tage währenden transparent-festhalte-aktion behangen. letztlich war das fest der völker nicht zu verhindern, aber und das zählt: auf der demonstration waren sämtliche bevölkerungskreise en masse vertreten.vom studenten bis zur alten oma und vielen familien -uns eingeschlossen. das ist wenigstens ein anfang

erphschwester - 26. Okt, 23:39

es hätte mich ...

... auch enttäuscht, wenn es anders gewesen wäre. dann hätte ich die jenenser falsch in erinnerung gehabt.

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