erphschwester - 3. Jan, 16:31
Das neue Jahr begann, wie das alte endete.
Also bei jedem.
Was ja auch irgendwie nicht verwunderlich ist. So recht aus unserer Haut können wir schliesslich nicht heraus.
Die einen geben sich gern chic und erzählen was von rückenfreien Kleidern, mit denen sie gleich, sofort, jetzt zu irgendwelchen grossen Partys ziehen, stehen aber am Neujahrsmorgen um halb zehn schon wieder auf der Matte. Eigentlich schlafen da die großen Partygänger noch.
Die anderen, mit Familie, sind gar nicht da (was sie ja irgendwie auszeichnet, weil sie doch die einzigen sind, die ein netzfernes Leben zu haben scheinen).
Wiederum andere geben sich gar nicht den Anschein, als hätten sie ein Leben draußen und sind allgegenwärtig bis weit in die Nacht.
Und dann sind da noch die, die gelegentlich einen verträumten Blick ins Netzgeschehen werfen und ansonsten feiern oder aber tun, was sie auch sonst gerne tun.
Ich, z.B., habe gemalt, was mir seit einiger Zeit die wirklich größten Glücksgefühle verschafft. Und das in der Silvesternacht, so scheint´s, war mein bislang bestes Bild.
So ging ich also glücklich ins neue Jahr.
Das. liebe Leser, wünsche ich allen für 2009:
Glück, das man nachhaltig fühlen kann, Entfernung vom täglichen Einerlei, die Gewissheit, etwas zu können, was nur man selber kann. Sei es Liebe, Kreativität oder Kindererziehung.
Jeder mag das für sich selbst entscheiden. Wichtig ist nur, das Glück tatsächlich zu finden.
erphschwester - 2. Jan, 16:53
Das ist nun das endgültig letzte Bild im alten Jahr (beendet um 23:52h):
PS an den Herrn Pathologen:
Jaja, ich weiss, auch da gibts wieder so einen "blitzartigen Einfall". Wofür ich mich entschuldigen möchte. Aber hier in Deutschland ist gerade kein so besonders gutes ... naja, da unten in Afrika oder wo kann man sich das vielleicht nicht vorstellen. Bitte um Nachsicht!
erphschwester - 1. Jan, 12:22
... Bild im alten Jahr!
Gebt Euch keinen Illusionen hin!
Ich mache weiter!
PS: Kaufgesuche sind sinnlos, denn hierbei handelt es sich um ein Geschenk (virtuell natürlich - wer wird denn in einer virtuellen Welt noch echte Geschenke machen? ) an
NoXxLynXx, die heute Geburtstag feiert.
erphschwester - 31. Dez, 08:23
Die alten Griechen waren nicht dumm, beileibe nicht!
Dinge zu regeln, und zwar ziemlich starr, wie eben bei der Tragödie, hatte seinen guten Sinn.
Eine Handlung und ihr Held nämlich werden nur dann als tragisch empfunden, wenn sie sich an die Regeln halten. Viel hilft keineswegs viel.
Wer da also meint, er könnte die Tragik erhöhen, indem er allerlei Klagegesänge bis zum Exzess aufführt, wird sehr schnell lernen müssen, dass das Gegenteil der Fall ist. Was beim ersten oder zweiten Mal noch tragisch klang, gleitet sehr schnell ins Lächerliche ab und wird folglich von der Trägodie zur Komödie, die als Unterform nicht ohne Grund die Groteske mit sich führt.
Aber davon reden wir beim nächsten Mal.
erphschwester - 30. Dez, 16:30
Was so ein literaturinteressierter Mensch ist, der macht sich natürlich mit den verschiedensten Formen von allem Möglichen vertraut. Ich, letzthin, stiess auf die griechische Tragödie, die ja nun eine wahrlich interessante Sache ist:
Die griechische Tragödie behandelt die schicksalhafte Verstrickung des Protagonisten, der in eine so ausweglose Lage geraten ist, daß er durch jedwedes Handeln nur schuldig werden kann. Der tragische Charakter wird auch mit dem Attribut „schuldlos schuldig“ beschrieben. Die behandelten Themen reichen von philosophischen bis zu religiösen und existentiellen Fragestellungen wie den folgenden:
* Die Seinsfrage
* Das Individuum und die Welt
* Menschen und Götter
* Schuld und Sühne
* Charakter und Schicksal
Das Schicksal oder die Götter bringen den Akteur in eine unauflösliche Situation, den für die griechische Tragödie typischen Konflikt, welcher den inneren und äußeren Zusammenbruch einer Person zur Folge hat. Es gibt keinen Weg nicht schuldig zu werden, ohne seine Werte aufzugeben (was einem tragischen Akteur nicht möglich ist).
Die griechische Tragödie ist mitnichten ausgestorben, sondern wird, im Gegenteil, gern auch heute noch bemüht, z.B. in Form des unverstandenen Helden, der da "nur helfen" will, alles nur im Dienste der "wahren literarischen Qualität" tut und dergleichen mehr. (Wenn und dass er sich dabei endlos in immer den gleichen Attitüden ergeht, wie z.B. dem Hinweis darauf, wann Anführungszeichen, Auslassungszeichen etc. wie interpunktiert werden und all solch wichtige Dinge mehr, ist vollkommen unmaßgeblich. Wichtig ist dieses ganz, ganz tiefe Gefühl des Unverstandenseins, das ihn der griechischen Tragödie so nahe bringt.)
Der Aufbau folgt dem Grundschema:
* Prolog
* Parodos, das Eingangslied des Chores,
* Stasimon, 4 bis 6 Lieder des Chors zwischen den einzelnen Episoden
* Epeisodion, Hauptszene
* Exodos, das Schlusslied des Chores
Diese Grundstruktur konnte nicht verändert werden. Eine feste Konvention war der Wechsel zwischen Chören (Liedvers) und den Mono- und Dialogen der Schauspieler (Spielvers). Durch den linearen Handlungsablauf mussten Parallelhandlungen oder andere wichtige Ereignisse, die dem Publikum nicht direkt vorgeführt wurden, anderweitig dargebracht werden. Dies konnte auf verschiedene Weise geschehen, etwa durch die Teichoskopie (Mauerschau), den Botenbericht, den Deus ex machina oder durch das Ekkyklema.
Wobei man sich die Dinge so vorzustellen hat:
Prolog: "An die Moderatoren! Alles ist so furchtbar! Tut doch was!"
Parodos: "Ja, furchtbar! Ja, furchtbar!"
Stasimon:
1: "Ruf nur, du wirst - wie immer - keine Antwort erhalten!"
2: "Ja, es ist wirklich Schreckliches passiert!"
3: "Auch ich finde es schimm, dass ..."
4: " Man könnte natürlich ... und ohne viel Aufwand."
5: " Aber dazu müsste man wollen, und die sind ja alle ..."
6: " Bei genauerer Betrachtung bin ich dafür, aber eigentlich auch ..."
Epeisodion:
" Ich, der ich schon so lange im Forumsgeschäft ..."
Exodos:
" Wenn das hier nicht funktioniert, liegt es nicht an uns, sondern ..."
Die griechische Tragödie, man ahnt es, ist nicht tot. Nein, SIE LEBT!
(alle kursiv geschriebenen Teile des Textes wurden Wikipedia entnommen)
erphschwester - 29. Dez, 20:27
Wer macht die Menschen so bös und schlecht,
wer macht die Menschen so ungerecht,
das ist ein Zauberer weit bekannt,
ein böser Zauberer, Neid genannt,
er bringt den Menschen nur Haß und Streit,
ein böser Zauberer ist der Neid,
ein böser Zauberer ist der Neid.
(aus: "Der Traumzauberbaum"; Geschichtenlieder von Lakomy/Ehrhardt; käuflich zu erwerben überall, wo es CD´s und Bücher gibt)
erphschwester - 28. Dez, 21:48
Ein inzwischen sehr beliebter Spruch lautet: "Wenn man keine Ahnung hat - einfach mal Fresse halten." Herr Nuhr, von dem der Spruch stammt, konnte nicht ahnen, welch Lawine er damit in Gang setzen würde. Denn seit seinem Vortrag u.a. diesen Satzes führt ihn so ziemlich jeder im Munde; die meisten wissen wohl gar nicht, dass er von ihm ist. Und wahrscheinlich wurde er ihm selbst schon unter die Nase gerieben, weil irgendwie alle glauben, sie selbst hätten sehr wohl, die anderen aber eben keine Ahnung. Es hatte ihnen bis zu diesem Zeitpunkt halt bloss noch keiner das Werkzeug in die Hand gegeben, das so klar zum Ausdruck zu bringen.
Das Problem, man ahnt es, ist also nicht, den Schöpfer dieses Satzes zu kennen, auf den sich mittlerweile so viele nur allzu gern berufen, sondern zu erkennen, wann man selbst eigentlich keine Ahnung hat resp. dies dann auch umzusetzen. Weil ... irgendwie glaubt ja heute jeder irgendwie von allem eine Ahnung zu haben, was allerhand Wortschwall nicht immer der gescheitesten Art nach sich zieht.
Heraus gekommen ist eine Gesellschaft von Rednern. Über alles und jedes, zu jeder Zeit an jedem Ort. Was nicht nur häufig eine Menge Krach macht, sondern auch höchst unerfreuliche Folgen derart mit sich bringt, dass der Redeschwall, der uns nun alle umgibt, sortiert werden muss. In solchen, den zu hören man gewillt ist und eben den anderen.
Klar hören die meisten sich selber am liebsten reden, eben aus jenem oben genannten Grund. Es mangelt ihnen an Einsicht in die eigene Inkompetenz oder mindestens Unwichtigkeit. Wer wollte, um es mal hart zu sagen, schon zugeben, dass er Unfug redet. Wäre er sich dessen bewusst, würde er´s - vielleicht - nicht tun. So aber, im Brustton der Überzeugung von der Wichtigkeit der eigenen Meinungsäusserung, mag mancher sich schon geknebelt fühlen, wenn er mal nicht so recht zu Wort kommt, sei es aus welchen Gründen auch immer.
Und dann hockt so einer, verfolgt das Gespräch gespannt (das Lämpchen blinkt beinahe unentwegt) und wartet auf seine Gelegenheit.
Die kommen wird, vermutlich, wahrscheinlich, vielleicht heute noch.
Bis dahin hat der zur Schweigsamkeit Verdonnerte Reden jede Menge vorbereitet, wohl ausformuliert. Er hatte ja Zeit genug, während all dieser Schweigsamkeit alles hin und her zu schieben, in seinem Kopf und anderswo. Er weiss, wenn sein Auftritt kommt, wird seine Rede stehen wie eine Eins. Alle werden beeindruckt sein, ihn endlich, endlich wichtig, klug und richtig finden. Alle werden bedauern, ihn so lange nicht gehört zu haben. Alle, alle werden sie ihn fürchterlich vermisst haben, ihn und seine so wertvollen Redebeiträge.
Ja, so ein Auftritt will vorbereitet sein.
Ach, wenn es doch nur endlich so weit wäre!
Wohl dem, dem man dann nicht nachsagt: "Ach, was war es doch schön, als von dem da mal eine Zeit lang nichts zu hören war!"
erphschwester - 22. Dez, 01:55