Montag, 28. Januar 2008

"... und is bin suld!" ...

... pflegte mein Halbgarer als noch nicht so ganz redegewandtes, kleines Menschenkind zu sagen, wenn ihm etwas schief gegangen war. Nicht, daß ich ihn jemals so behandelt hätte, als hätte er irgend etwas je mit Absicht schief gehen lassen. Kleine Menschen, so wissen wir, probieren halt so ´rum. Dabei wachsen sie, werden groß und - so Gott will! - jeden Tag ein bißchen schlauer, geschickter und selbstbewußter.

In der Politik allerdings, so wissen wir, kann keiner mit dem Mutti-Bonus rechnen, weil es sich bei allen Beteiligten um erwachsene, selbstbestimmte Menschen handelt, von denen wir nicht nur hoffen, daß sie wissen, was sie tun, sondern auch, daß sie bereit sind, auch etwas für die anderen zu tun. Diese Hoffnung freilich macht manch einen von uns Wählern, die wir nur quasi-passiv beteiligt sind, zum Narren. Aber immerhin ... das verstehen wir unter Demokratie. Und wer den anderen nicht traut, kann sich ja selbst auf den Weg zur politischen Karriere machen, um - genauso wie die anderen Statisten - die eigenen Taschen voll zu wirtschaften und den anderen weis zu machen, er täte all das nur für sie.

Was all das mit der einstigen Äußerung meines Sohnes zu tun hat? Naja, gestern noch standen sie alle da und erklärten sich zu Siegern. Einzig der Wulff hatte damit Recht; die anderen hingegen mußten schon einige mentale Kopfstände machen, um sich und den anderen einen Sieg einzureden, der in Wahrheit keiner ist.

Denn, Pardon!, Sieger ist in so einer Wahl nur, wer hernach bestimmen kann. Und da gibt es in Hessen keinereinen. Weil sie zwar alle ganz toll waren, aber nicht so toll, daß das gemeine Wählervolk sie ganz und gar und - vor allem - ganz allein gewollt hätte. Im Gegenteil war Koch, so hören wir heute, Ypsilantis bester Wahlkämpfer , wenn auch nicht gut genug, ihr zur totalen Mehrheit zu verhelfen. Die, die Mehrheit beansprucht er für sich mit einem hauchzarten Vorsprung von 0,1%, der geradezu lächerlich anmutet. Und das wußte er selber, als er heut´ zur Merkel flog, um sich abwatschen zu lassen für seinen mehr als fragwürdigen Wahlkampf.

Aber solche Schlappen wird man sich nicht anmerken lassen. Und also war schnell der Schuldige gefunden, übrigens in allen Lagern: Die Linken warns, klar! Immer auf die Kleinen. Die sind Schuld, daß keiner mehr eine so ganz richtige Mehrheit hat. Die sind Schuld, wenn keine gescheite Regierung zusammen kommt. Die sind überhaupt an allem Schuld. Warn die ja schon immer! Klar! Die hatten Mauerschützen und all das. D a s kann ja nichts werden als etwas Verqueres! Klar!

Die Linken, denke ich mir, wären sie nicht so selbstbewußt, weil sie ja erwachsen sind, müßten sich ein bißchen so fühlen wie dunnemals mein Sohn. Aber - zum Glück! - sind sie ja schon groß und ein bißchen klüger als der Halbgare damals. Klug genug immerhin, sich nicht mehr diesen Mauerschützen-Scheiß-Schuh und alles andere anzuziehen.

Mein linker Kollege jedenfalls meinte heute, daß - was auch immer passiert - man mit seiner Partei im Landtag rechnen kann. Na, hoffentlich!

Samstag, 26. Januar 2008

Kampfjahr

Wahlkampf ist in diesem Jahr 2008 ein großes Thema. Wobei man sich fragen darf, ob Koch nicht mehr Aufmerksamkeit bekommt, als er in Wahrheit verdient. Weswegen auch ich mich zu ihm nicht weiter äußern, allenfalls die Hessen daran erinnern will, am Sonntag überhaupt wählen zu gehen. (Ohnedies bleibt dahin gestellt, ob der Bessere oder der mit den markigeren Sprüchen siegen wird.)

Reden wir also über Amerika.
Das Wahlsystem dort ist für den gemeinen Deutschen so undurchschaubar wie nur was, weswegen wir interessiert, aber einigermaßen unverständig über den Teich schauen. Und auch ich werde nicht behaupten, verstanden zu haben, wie all das läuft. Nur so viel habe ich begriffen: Es braucht eine Menge Geld, das sehr viel offensiver zur Schau getragen wird als dies beim deutschen Wahlkampf der Fall ist. Es scheint, als habe derjenige mit den meisten Spenden schon halb gewonnen.

Natürlich ist es so einfach dann doch nicht. Vielmehr spielt in den USA wie anderswo die Leidensfähigkeit der Menschen eine große Rolle bei ihren Entscheidungen. Hat die amtierende Regierung den Bogen überspannt (und dies scheint bei Bush mit Krieg, Wirtschafts- und "Sozial"politik der Fall zu sein), dann ist das Land bereit für einen Wechsel.
Reden wir also über die Demokraten, die heuer interessante Kandidaten anzubieten haben, nämlich eine Frau und einen Farbigen. Beides wäre neu in der Rolle des amerikanischen Präsidenten. Beides stünde für einen Wechsel in sehr viel größerem Umfang als dem von den Republikanern zu den Demokraten. Beides jedoch läuft Gefahr, abseits von allen Inhalten seiner eigenen Symbolik zu unterliegen.

Wäre eine Frau als Präsident(in) nicht ein riesiger Fortschritt für die Frauenbewegung? Wäre ein Farbiger nicht ein riesiger Fortschritt im Sinne der Antidiskriminierung ?(Und behaupte nur keiner, es gäbe in den USA nurmehr die Gleichberechtigung zwischen Schwarzen und Weißen.)

Und dann ist da ja noch der unbedingte Siegeswille beider Kandidaten. Verständlich zwar, aber der Sache nicht so ganz dienlich, wenn zwei Demokraten sich immer wieder gegenseitigseitig mit Schmutzkampagnen überziehen. (Nicht, daß es das in Deutschland nicht auch gäbe. Wir sprachen darüber.) Obama ein heimlicher Islamist? Clinton die Anführerin der Hetzkampagne (deren Gegenstand sich bei genauerer Betrachtung als schlichtweg unwahr erwies) und obendrein "Anhängsel" ihres Ehegatten, welchselber in seiner Amtszeit ja auch nicht alles richtig machte? (Freilich wissen wir immer erst hinterher, was richtig war.)

Obama zumindest beklagte, daß er in seinem Wahlkampf in eine Ecke gerutscht sei, in die er nie habe rutschen wollen: Der farbige Kandidat als Symbol für alle Schwarzen. Es ginge ihm nicht um Äußerlichkeiten, behauptete er, sondern um den Menschen. Egal, wie der aussähe. Ein großzügiges Amerika gebe allen die gleiche Chance.

Sein Wort in aller Wähler Gehörgängen! Denn wenn es jenseits der Inhalte lediglich um Symbolik geht (was insgesamt keine sonderlich gute Voraussetzung für die Regentschaft in einem gerade eben krisengeschüttelten Land ist), muß angemerkt werden, daß es in den USA immernoch mehr Frauen als Farbige gibt. (Welcherstere, wenn sie an der Seite eines wackeren christlich-rechten Mannes leben, vielleicht nicht alle Frau Clinton wählen werden.)

Wünschenswert nicht nur für das Land Amerika, sondern für die ganze Welt wäre jedoch in dieser Zeit, daß der Kandidat siegt, der es schafft, einen Wandel nicht nur in der Landes-, sondern auch in der Weltpolitik herbei zu führen. Nicht nur, weil wir Deutschen, wie so viele andere Nationen auch, uns in unserem Tun nach wie vor viel zu sehr an den USA orientieren, sondern auch weil die Welt, so wie sie heute ist, kein schöner Ort mehr ist.

Dienstag, 22. Januar 2008

Albtraum

Wie hat sich das wohl damals angefühlt, als am "Schwarzen Freitag" 1927 an der Berliner Börse alles in die Brüche ging? Und: Ahnten die Menschen, was in der Folge auf sie zu kommen würde?

Andersherum: Wann würden wir Heutigen wach werden? Wie lange würden wir noch Konzertkarten kaufen oder uns auf die Jagd nach billigen "schicken" Schuhen begeben? Wie lange würden wir noch unsere Nachbarn und Kollegen doof, unsere Kinder unerzogen, unsere Partner unverständig finden, ehe wir merken würden, daß all diese Kleinigkeiten angesichts dessen, was auf uns zu kommt, nicht die allergeringste Rolle spielen?

Angefangen hat es 1927 mit einem Kurssturz von 6.7 Prozent.

Und jetzt lesen Sie mal nach, was gestern an der Börse los war ...

Sonntag, 20. Januar 2008

Nestbeschmutzer ... oder: Wes Brot ich ess´...

Herr Clement, dachten wir alle, ist Mitglied der SPD. Als solches bestimmte er - eher schlecht als recht, aber immerhin - über das Wohl und Wehe von Wirtschaft und Arbeitslosen, als noch die SPD bestimmte.

Das waren Zeiten ... die wir nicht wiederhaben wollen, weil wir an deren Folgen noch immer böse knabbern. Ganz besonders den Herrn Clement hatten wir gefressen damals, weil er mit seinen Statements wider die faulen und dummen Arbeitslosen eine Art von Kontraproduktivität vorlebte, wie sie in die Politik nicht gehört. Deswegen auch werden sie ihn daheim ´rausgeschmissen haben, damals in NRW, weil er irgendwie immer schon die Dinge bei ihrem schlechtesten Namen zu nennen verstand, obschon er selbst nie ´was Besseres anzubieten hatte.

Herr Clement ist nie so richtig auf die Nase, sondern immer noch ein Treppchen höher gefallen. Was man auch getrost von seiner Entscheidung behaupten kann, die Politik zu verlassen und bei RWE anzuheuern. Die Energiekonzerne und die Herrschaften der letzten Bundesregierung empfanden von jeher eine starke Affinität zueinander. Clement ist nicht der Einzige. Allerdings der Einzige, der nun, da er das RWE-Brot frißt, seine Herkunft nicht nur verleugnet, sondern glatt vergessen hat.

Es zeugt nicht nur von schlechtem Stil, sondern schlicht von Charakterlosigkeit, wenn Clement heute seiner Parteifreundin (die Freundschaft dürfte allerdings inzwischen gekündigt sein) Ypsilanti vorwirft, ihre Energiepolitik ... es ist des Wiederholens nicht wert. Weil´s im Grunde ja gar nicht um die Sache geht, sondern darum, daß Clement inzwischen seine Entscheidung getroffen hat. Er will nicht länger mehr SPD-Mitglied sein (ohnedies schmückte er sich allzu lang mit den für ihn unpassenden Adjektiven "sozial" und "demokratisch"), sondern lieber Vertreter der RWE.
Was ihm letztlich unbenommen bliebe, ginge es nicht um Wahlkampf und darum, daß SPD-Mitglied Clement nun offen gegen seine eigene Parteikollegin spricht und damit einem Herrn Koch (CDU) Wahlkampf betreibt.

Klar sind die Gedanken frei. So frei, daß wir sie von manchereinem am liebsten gar nicht wüßten. Und sowieso gilt: Wenn ich nichts Gescheites zu sagen habe, dann halt ich lieber die Klappe. Aber der Clement hat sich diese Weisheit nie zu Eigen gemacht, vielmehr stets im unpassendsten Moment die Klappe aufgemacht. Sein Image war ihm wurscht, weil´s ja doch stets aufwärts ging.

Und was lernen wir aus dem Fall Clement? (nicht, daß wir´s nicht schon geahnt hätten): In die Politik geht man nicht aus Überzeugung. In die Politik geht man, wenn man keine besonderen Talente, aber dafür ein paar gute Freunde hat, die einem den Weg nach oben ebnen. In die Politik geht man, um Geld zu verdienen, ohne irgendwelche besonderen Leistungen erbringen zu müssen. Je ungeschickter man sich anstellt, umso schneller funktioniert der Aufstieg, weil jeder einen loswerden will, aber keiner vollkommen fallen gelassen wird. In die Politik geht man, um einen netten Job in der Wirtschaft zu kriegen, den man ohne dieses Politik-Gedöhns vorher nie angeboten bekäme. In die Poltik geht man, weil man so schön über Moral reden kann, ohne selbst welche zu haben.

Danke, Herr Clement! Wieder ´was gelernt.

Wirtschaftsförderung ... oder: Wie lange wollen wir noch so blöd sein?

Es ist der Blutdruck, ganz sicherlich. Anders kann ich mir nicht erklären, daß die da dort im Fernsehen ganz entspannt über die Notwendigkeit von "Wirtschaftsförderung" diskutieren, während ich mich - übrigens seit mehr als zwanzig Jahren schon! - frage, welchen Anlaß der gemeine Steuerzahler hat, irgendwelche Subventionen zu finanzieren, die keinem anderen Zweck als der Mehrung des Profits dienen.

Vor mehr als zwanzig Jahren subventionierten wir massiv die Forschung. Wir hätten damals schon wach werden können, als die Ergebnisse der von uns finanzierten Forschung letztlich weder zu mehr Arbeitsplätzen führten, noch zur Teilhabe an irgendwelchen Patenten, die sich aus dieser Forschung ergaben.
Die Firmen, solcherart gefördert, wanderten mit ihrem Patent und ihrer Produktion schon damals in andere, billigere Länder ab, drehten unserer Regierung und damit uns eine lange Nase und scherten sich einen Dreck um die Moral.
Von der Moral redet heute auch nur noch der Herr Storz vom Freitag; für alle anderen Pressevertreter spielt die wie selbstverständlich keine Rolle mehr.

Denn: Moral ist schließlich nur ´was für kleine Leute, denen alleweil erzählt wird, was "man" tut oder eben in der Hauptsache besser nicht tut. Und damit´s der dumme Kleine auch versteht, lauert an jeder Ecke eine Geldstrafe, sogar für Sachen, von denen er bislang gar nicht wußte, daß er´s tun oder besser lassen muß. Dem Kleinen schlagen sie alleweil auf die Finger, um ihn zu disziplinieren. Bei den Großen, so scheint´s, ist Hopfen und Malz verloren. Ihnen ist keine Moral mehr beizubringen. Und sowieso wachen Heerscharen von Anwälten, die dem Großen erklären, bevor er etwas anpackt, wie er´s am Besten tut, ohne sich die Finger zu verbrennen. Subventionen zu kassieren, gehört allemal dazu, da ja unsere Politiker weder den Verstand, noch ein Interesse daran haben, Mechanismen in ihre Subventionspolitik einzuarbeiten, die solcherart Heuschreckenmentalität verhindern.

Die Politiker küssen lieber der Wirtschaft den Arsch, statt sich die Funktionsweisen des profitorientierten Gehirns zu Eigen zu machen.
Warum, das weiß der Herr Clement zu berichten.

Mittwoch, 2. Januar 2008

Süppchen kochen ... oder: Von der Wählerblödigkeit

Als Koch hat man´s nicht leicht. (Womit ich nicht den Berufsstand meine, auf den dies zweifellos auch und vielleicht sogar mehr zutrifft.) So ein Ministerpräsident vor der Landtagswahl - dem ist jedes Mittel recht, wenn er denn nur punkten kann. und zwar möglichst so viel, daß er gewinnt.

Und damit sieht´s heuer nicht gut aus, gaaar nicht gut. Denn linkser als die SPD wollen wir nicht sein. und die sitzt, mit Frau Ypsilanti, schon auf dem netten Thema Mindestlohn. Von dem Koch folgerichtig und überzeugungsgemäß behauptet, es sei gaaar nicht gut. Wegen der Arbeitsplätze, die der, der Mindestlohn, vernichtet. Naja.
Weswegen man, wie schon bei mancher früheren Wahl, die Fremdenfeindlichkeit für sich entdeckt hat. In Gestalt der gewalttätigen und - natürlich - ausländischen Jugend, die noch mehr und härter bestraft werden muß. Am besten schmeißt man sie raus, ehe man sie teuren Pädagogik-Projekten unterzieht (die, wie ebenfalls die Erfahrung lehrte, ebenso teuer wie sinnlos sind. Denn was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.) Schade nur, daß Herr Koch nicht auch all die anderen raussschmeißen kann, die ihm womöglich sein Abstimmungsergebnis versauen und, leider, deutsch sind. Also so richtig deutsch, nicht eingedeutscht, ohne auch nur die Sprache zu können.
Und weil wir dieses, zumeist muslimische, Ausländerpack, ja irgendwie alle nicht leiden können (denkt Koch), machen wir uns auch keine Gedanken darüber, woher denn diese Grobheit und Unerzogenheit kommt. Andernfalls kämen wir auf die Idee, daß unser - achso sparsames! - Bildungssystem daran Schuld sein könnte. Und über Schuld, bitteschön, wollen wir ja nicht nachdenken. Sondern positiv voran schauen und dabei feststellen, daß es nur weitergeht mit Herrn Koch und seinen Mannen.

In dieser unser aller(?) Hoffen platzt nun auch der Westerwelle rein, Bruder im Geist und in Physiognomie des Koch (und Anführer der Wunsch-Mitregenten) und tönt da laut, er glaube der Ypsilanti nicht, was sie zu ihrer eventuellen Koalition sagt. Nämlich, daß sie nie und nimmer mit den Linken ..., die in den Landtag einzuziehen drohen diesmal, in Ermangelung vernünftiger Wähleralternativen.
Naja, da ist die Ypsilanti ja in schöner Gesellschaft, denn dem Koch, der heuer nicht allzu viel zu sagen hat, glauben wir ja auch irgendwie nicht, selbst wenn er mal die Wahrheit ... aber das tut er schon nicht.

Kurz und gut: Alle, die da heut ihr nettes Geld im Landtag verdienen, auf der Vorder- oder Hinterbank, fangen an zu zittern, daß womöglich dieses Mal ganz echt und ehrlich Herr van Ooyen, adlig oder nicht, aber jedenfalls superlinks, über die Hürde springt. Und zwar mit locker mehr als 5 Prozent, weil nun auch der letzte hessische Wähler kapiert hat, daß Versprechungen im Wahlkampf ... um es vorsichtig zu sagen ... ein wenig fragwürdig sind. Da stellt sich Experimentierfreude ein und auch ein bißchen linke Gesinnung. Schlimmer geht´s nimmer? Klar doch! Geht! Immer! (Wie der Jahresbeginn mit der Großüberwachung beweist. Und das mit den Flugzeugabschüssen schaffen wir auch noch.) Sind wir nicht alle ein bißchen Terrorist? Und sei es auch nur, weil wir - vielleicht - Linkswähler sind.

Der Schlag hinter die Ohren der Frau Zypries, die gefälligst mehr auf die gewalttätige Jugend Acht geben soll, war jedenfalls kontraproduktiv. Meint Merkel, die es so zum Streit mit denen, die ja ihre Macht fundamentieren, auch nicht kommen lassen will. Oder so ähnlich. (In Wahrheit sagte sie, man müsse - klar! - etwas tun. Aber von heut´ auf morgen ginge das nicht.)
Was ganz genehm kam. Also nicht die Sache mit der Zypries, sondern die Zurechtweisung vom Koch, der der Merkel zuweilen ganz schön unangenehm auf die Pelle rückt. Politisch, versteht sich. Sonst hat er ´nen anderen Geschmack. Der übrigens wiederum nichts mit dem vom Westerwelle gemein hat, weil der wiederum ... und das ist auch gut so.

So laut wie derzeit jedenfalls waren die Hessen vor Jahren das letzte Mal. Da ging´s irgendwie auch um die Ausländer, glaube ich, und man konnte tatsächlich punkten.

Aber ehrlich, ihr Hessen, seid ihr noch immer so blöd wie dazumal?

Montag, 24. Dezember 2007

Heiligabend am Morgen

Munter geworden durch den langhaarigen Nachbarn, der sich wacker ins Einkaufsgetümmel geschmissen hat, wie auch ich es tun sollte, um noch eine Restzutat für die Füllung der Weihnachtsgans zu erstehen. Tagelang hat man den Halbgaren Einkaufen geschickt, um hernach vielleicht doch noch dies oder jenes haben zu wollen. Die Nation verhungert wieder einmal, wahrscheinlich, und das Chaos in der Stadt verspricht perfekt zu werden.

Ja, wir starten groß, mit der Gans, obwohl es doch heißt, daß beinahe ganz Deutschland am Heiligen Abend sich mit Kartoffelsalat und Würstchen begnügt. Es sei so traditionell, sagen sie, daß sie sogar für "unsere Jungs in Afghanistan" Tausende von Würsten (genau: Bockwürsten) geordert haben und wahrscheinlich Tonnen von Kartoffelsalat. Damit sie sich ein bißchen wie zu Hause, ein bißchen wie Weihnachten fühlen können.

Ich kann mich nicht erinnern, zu Hause am Heiligabend je Kartoffelsalat gegessen zu haben. Salat gab´s zu Silvester, so viel steht fest, da aber mit Heringen. Und überhaupt gab´s zu Weihnachten Geschenke, in der Hauptsache Bücher, mit denen man sich nach der Bescherung verkroch. In dieser anderen Welt, in der man als Kind allsogleich verschwand, brauchte es nicht Würstchen und nicht Salat oder was auch immer. Man war schon glücklich, und den Hunger stillte man irgendwann, wenn er zu dringlich sich meldete. Am liebsten mit etwas, das man beim Weiterlesen in der Hand halten konnte.

Da steht sie also,die Gans, draußen in der Küche, und taut seit gestern Abend still vor sich hin. Erinnert einen an jene andere, damals, die noch in trauter Großfamilien-Idylle bereitet worden war und so viel Beifuß enthielt, daß keiner so recht an das Viech ran wollte. Schade ums Fleisch, daß irgendwie bitter durchzogen war von dem, wonach eine Gans angeblich schmecken soll. Wir hatten danach nie wieder eine. Erst wegen dieser dummen Geschmacks-Erinnerung, dann weil es sich nicht lohnte, für nur zwei Leute eine Gans zu machen.

Es lohnt sich immer, denken wir heute. Sind also ein Stück weiter gekommen. Wir werden fressen bis uns die Gans aus den Ohren quillt. Wer weiß, was morgen, nächste Woche oder nächstes Weihnachten ist? Was ich mir heute einverleibe, kann mir morgen keiner mehr weg nehmen. Und sie nehmen einem dieser Tage allerhand weg. Immer ein bißchen mehr. Beinahe unmerklich, aber doch so, daß man sich hin und wieder schmerzlich erinnert, was früher alles ging und heute nicht mehr. Stattdessen überschütten sie uns heute bereits vor dem Aufstehen mit all den unsäglichen Weihnachtsfilmen, die unabdingbar sind. Gar nicht zu reden von dem Bericht aus der Lebkuchenfabrik, die inzwischen längst ihre Maschine auf Österliches umgestellt hat. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Und wer zu spät Lebkuchen kaufen will, kriegt nur noch die ollen Dinger aus dem September.
Sowieso ist ja blöd, wer sich nicht bereits jetzt an den Dingern überfressen hat. Man kauft die Sachen, wenn man sie kriegt und nicht, wenn sie üblicherweise zu kaufen wären. Badeanzüge im Winter und Pelzjacken im Sommer. Und es ist wie mit der Gans: Wir wollen alles, und zwar gleich und aus gutem Grund. Morgen oder nächste Woche gibt´s das vielleicht nicht mehr, nicht so toll und günstig, nicht für unsereinen. Warum also warten?

Warten auf´s Christkind (an das wir Atheisten ja sowieso nicht glaubten; wir wußten immer, daß die Geschenke von den Eltern kamen und nicht von irgendwelchen weiß oder rot bewandeten Zauberwesen) begann früher am 24. um vier Uhr nachmittags. Da begann die heiße Phase. Inzwischen hat sich das Vorwarten schon auf eine Woche verlängert, wie man am Weihnachtsprogramm erkennen kann.
Wenn wir an Weihnachten denken und all die guten Gefühle, die wir dabei haben sollten, denken wir nicht nach über die anderen Sachen, die klammheimlich noch kurz vor Jahresende mit uns gemacht werden. Allenfalls den Lokführern gilt unser Dank: Sie lassen uns bis zu den Heiligen Drei Königen in Ruhe, immerhin. Cindy aus Marzahn stellen wir ab; schlimmstenfalls erinnert sie uns an uns selber. Dafür brauchen wir keinen Fernsehen. Und im andern Fall wollen wir gar nicht drüber nachdenken, daß nicht jeder sich pinkfarbene Klamotten anziehen kann, um der Drohung von HartzIV im Nacken zu entkommen.

Die Gans also. Traditionell sollen Äpfel rein und Beifuß, den - man erinnert sich - wir seit damals für ein Leben lang nicht mögen. Also kein Beifuß, was der Gans keinen Abbruch tut. Aus allzu vielen Kochsendungen (Essen geht immer, wenn auch sonst nichts mehr geht) wissen wir, wie eine Gans auch ohne Beifuß schmecken kann. Den Rotkohl hat man und auch die Kloßmasse. (Kam doch der Halbgare nicht auf die Idee, die Klöße aus den sündteuren Kartoffeln selbst machen zu wollen, weil es irgendwie "echter" ist! Aber wer macht das heute noch? Der große Bruder, seinerzeit, verbrachte ganze Sonntag-Vormittage mit dem Reiben von Kartoffeln und nahm daraus manche Finger-Blessur mit. Die Reibe hatte der Werkzeugmacher-Vater selbst gemacht. Schön scharf! Naja, damals kaufte man die Kartoffeln auch noch zentnerweise und kellerte sie ein. Vermutlich kostete damals ein Zentner so viel wie heute das Kilo. Aus diesem und ähnlichen Gründen ist die DDR ja eingegangen, sagen sie heute gern.)

Also kein Weihnachtsgetümmel. Genervt käme man wieder und würde Tage brauchen, sich davon zu erholen. So tun, als wären die Geschäfte geschlossen. (Was übrigens vernünftiger wäre, ginge es nicht um den "besten Umsatz des Jahres".) Rien ne va plus! Wer jetzt nicht alles hat, wird´s niemals haben. Und sowieso sieht man nur mit dem Herzen gut.
Auch wenn der Schwiegervater (er ist es noch, auch wenn der Mann nun der "Ex" ist.) gestern Abend erstaunt sich gab, weil wir hier und seit Jahren schon die geschenkfreie Zone erklärt haben. Wir sind schon groß und selbst der Sohn glaubt nach der Aufklärung durch die große Schwester schon etliche Zeit nicht mehr an das Christkind, das gerade eben um die Ecke verschwinden gesehen zu haben wir Eltern über Jahre hin behaupteten. Natürlich, gibt der Schwiegervater zu, sei die Sache mit dem Konsum der reine Terror, aber eine Kleinigkeit. Mit welcher Art Kleinigkeiten jedoch sind wir zufrieden heute? Sterne basteln wie früher? Aber wofür? Da sind weder Baum, noch Zweig, an die man sie hängen könnten. Irgendwann, und zwar sehr bald, zerknüllt man diese mit Herzschmerz und Wutausbrüchen gefalteten Gold- und Silberdinger und läßt sie heimlich im Müll versinken. Ballast, den man (käme man auf die Idee, ihn "für den Fall des Falles" aufzuheben) im Bedarfsfall eh nicht wieder findet unter all dem anderen Tand, den man dummerweise schon hortet. Es gibt keinen Platz mehr für Weihnachts- und Ostersachen. Weil da inzwischen etliche neue "Jahreszeiten" dazu gekommen sind, die wir mit ebensolchem Konsum befeuern sollen. Frühlings- und Herbstgarnitur für´s Zimmer. Fasching und Halloween. Wir stürzen uns von einem Höhepunkt des Jahres in den nächsten und haben doch keine Hochgefühle mehr. (Naja, vielleicht noch die Männer, wenn sie beim Kinderkriegen zuschauen dürfen. Kinder, mit denen man dann nicht fertig wird, weil man´s sich irgendwie "netter" vorgestellt hatte. Dann vielleicht doch besser Bungee-Jumping? Wenn das keinen Spaß macht, schmeißt man die voll geschissene Hose weg und versucht zu vergessen.)

Und jetzt, sieh da!, hat sich das Ostkind selbst entlarvt. Weihnachten fängt an, und beinahe hätte ich´s verpaßt, mit "Spuk unterm Riesenrad". Alle Jahre wieder. In jeder Oma schlummert ein Kind. Zum Glück!

Sonntag, 9. Dezember 2007

Kopfstände

Sie haben sich ja in dieser Woche überschlagen, unsere Herren Politiker:
Der Schäuble will die Managergehälter offen gelegt haben.
Der Beck will gleich gar die Millionenentschädigungen für selbige unterbinden.
Das Auswärtige Amt entläßt Mitarbeiter wegen Visa-Schiebereien.
Und die NPD soll "finanziell ausgetrocknet" werden, nachdem man in den letzten Jahren alles tat, um ihr Verbot zu sabotieren.
Da wir einmal dabei sind, will man die Scientologen auch gleich "einer kritischen Betrachtung" unterziehen und bei ihnen das versuchen, was bei der NPD so schief ging. (Was schwierig werden dürfte, denn die haben allerhand Geld, um allerhand Anwälte für manch juristischen Kopfstand zu bezahlen.)
Die CDU hatte für den Stammzellen-Import gestimmt und kriegt nun dafür Druck von der Kirche.
Die Bundesfamilienministerin will "Kinder von der Geburt an begleiten", obwohl wir das doch an der DDR so sch... äh, wenig gut fanden.

Und all der Dinge mehr. Fast möchte man glauben, die Herrschaften hätten das Maß der Wählerdummheit unterschätzt und würfen sich nun in Pose, um diesen kleinen Irrtum wieder wett zu machen.

Gleichwohl:
Dem "Lauschangriff" soll nun der "Spähangriff" als natürliche Ergänzungsmaßnahme hinzugefügt werden. (Wenn sie also nächsten in ihrer Wohnung irgendwo eine Minikamera finden, ist das nicht ihr schweinischer Nachbar, der Ihnen ins Intimleben gucken möchte, sondern der BND oder so etwas.)
Die Beitragsbemessungsgrenzen sind zum 1.1. ein weiteres Mal erhöht worden. Was heißt, daß zwar immer Menschen immer mehr Beiträge in öffentliche Kassen zahlen, aber aus ebendiesen Kassen immer weniger zu erwarten haben.(Man erinnere sich an meinen Hörsturz, dessen Behandlung ich - als wär´s eine Schönheitsoperation - komplett selbst bezahlen durfte.)
Chronisch Kranke kriegen ihre hälftige Befreiung von der Zuzahlung nur noch, wenn sie brav alle Vorsorgeuntersuchungen absolviert haben. (Mich erinnert das an die seinerzeitige Diskussion: Darf man als Nichtspender ein Spenderorgan kriegen?)
Kinder in der Nähe von Kernkraftwerken kriegen zwar objektiv unverhältnismäßig viel öfter Krebs, aber ein Zusammenhang zwischen dem einen und dem anderen Fakt ist "nicht belegt". (Man darf sich fragen, welcher Art Beweise sich die Herrschaften denn wünschen.)
Ach, und ja: Wo die Energiekonzerne künftig zum Zustandekommen ihrer Preissteigerungen Nachweise erbringen sollen (Weiß jemand da ´was Genaueres oder ist das nur eine von vielen hohlen Drohungen?), befragt niemand die Bahn zum Zustandekommen ihrer neuerlichen Preiserhöhungen. Gestiegene Energiepreise? Ahja. Wars nicht vielleicht ein bißchen Streik oder ein bißchen Pfusch am Berliner Hauptbahnhof? Und wo kommen die Einkommenssteigerungen der Vorstände her?

Im Grunde ist also alles beim Alten: Vorne ´rum erklären sie sich für großartig ob ihres bürgernahen Denkens und hinten herum unsereinen für ebenso blöd wie all die Zeit vorher. Und irgendwie funktioniert´s ja auch immer wieder. Viel zu lange schon sind sie an der Macht. Viel zu lange schon trotten wir mit und preisen vermeintliche Fortschritte, während wir all die vielen Rückschritte viel zu klaglos hinnehmen. Viel zu oft lassen wir uns belügen und sind nicht einmal angemessen enttäuscht, wenn sich Lügen als solche erweisen.

Tröstlich nur, daß es auch jenseits des großen Teiches nicht anders ist. Auch Herr Bush mußte letzthin bekennen, daß alles anders ist als er es uns noch vor kurzem einreden wollte. Fast können wir uns glücklich preisen, daß wir diesseits des Teiches sind. Bush´s Lügen immerhin zogen die großen Kriege der Neuzeit nach sich. Da sind diese schleichenden Freiheitsverluste, die wir zu beklagen haben, ja fast noch "Peanuts".

Mittwoch, 5. Dezember 2007

Beinahe ...

... hätte ich am Montag 30. Hochzeitstag gehabt, wenn nicht diese Ehe schon vor 28 Jahren in die Brüche gegangen wäre. (Auch die silberne im nächsten Jahr wird aus ähnlichen Gründen nicht stattfinden.)

... hätte es da auch einen Ehemann Nr.3 gegeben, wenn er ein bißchen weniger langweilig gewesen wäre (denn im Grunde war er sehr nett):

... wäre Herr Schröder vor zwei Jahren wieder Kanzler geworden, wenn nicht die Wähler ein bißchen anders entschieden hätten.

... wäre Al Gore Präsident geworden, wäre nicht damals die Sache mit der Auszählung ... aber so ein Oscar ist ja auch nicht übel.

... wäre Deutschland ein Sozialstaat gewesen, wenn da nicht die großen Unternehmen ganz andere Interessen gehabt hätten.

... hätte ich Größe 38 gehabt, wenn nur das Essen nicht immer so gut schmecken würde.

... wäre ich Nichtraucher gewesen, wäre da nur damals nach der Lungenentzündung nicht dieser verhängnisvolle Appetit auf eine Verdauungszigarette gewesen.

... wäre auch C. Nichtraucher gewesen, wenn sie nur nicht diesen Streß mit dem Ex gehabt hätte.

Aber: Ganz, ganz sicher werde ich das Haushaltsgeld bei der Aktion Mensch gewinnen, wenn nicht diese Woche, dann nächste. Den Jackpot von 43 Millionen mögen die kriegen, die ihn nötig haben. Mir geht´s doch gut!

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Meine Bilder kann man kaufen. Meine Texte und meine Meinung nicht. D-J

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erphschwester - 20. Feb, 00:32
puhh!
nochma glück gehabt.
erphschwester - 15. Feb, 11:19
Das
war nicht auf Ihre Kartoffeln bezogen. Das war eine...
pathologe - 15. Feb, 11:11
womit sie jetzt ...
... hoffentlich nicht sagen wollen, dass ich nicht...
erphschwester - 15. Feb, 09:55
Ich
fürchte: ja. (Gilt ja allgemein auch für die Dummheit....
pathologe - 15. Feb, 09:27
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