Manch einer sucht die Stille. Andere finden sie, ohne sie gesucht zu haben.
Ich, zum Beispiel, habe nicht gesucht, aber doch irgendwie gefunden. Wobei so ein Hörsturz keine wirklich ruhige Sache ist. Denn meist wird er begleitet von etwas, das ich "weißes Rauschen" getauft habe.
Zunächst meinte der Ohrenarzt ja, es sei damit getan, daß er mir irgendwelche tunlichst nicht näher zu beschreibenden Dinge aus dem Ohr herausgeholt hatte. Stolz auf sich selbst verkündete er: "So, jetzt müßte es wieder gehen!"
Neben der Erleichterung, diese nicht schmerzfreie Prozedur überstanden zu haben, konnte ich seine Rede nicht bestätigen, nahm mir allerdings vor, der Sache ein paar Stunden Zeit zu geben.
Der Hörtest am nächsten Tag brachte die Gewißheit, daß eben doch nicht alles erledigt war, sondern gerade erst losgegangen. (Und für die, die sich jetzt fragen, wie man mit einem Hörsturz Reden welcher Art auch immer verfolgen kann, sei gesagt, daß es auch einseitige "Schlaganfälle" im Ohr gibt. Sprich: Links hör(t)e ich, neben dem "weißen Rauschen" durchaus auch ganz reale Dinge.)
Wie auch immer: Man infusioniert mich nun und hat mir, neben den obligatorischen Tabletten, auch noch eine Magnetfeldtherapie aufgeschwatzt, an die, wie meine Chefin sagt, man glauben muß. Nun ja, ich kann mir durchaus vorstellen, daß die feinen Härchen, die für das Hören zuständig sind, irgendwie auf irgendwelche Felder reagieren. Und wenn nicht, habe ich jedenfalls nichts unversucht gelassen. Oder doch: Den Sauerstoff, den man mir über eine formschöne Maske zuführen wollte, ebenso selbstzahlpflichtig wie das Magnetfeld, habe ich nach einem kurzen Versuch abgelehnt. Meine angeschlagenen Bronchien wehren sich ganz entschieden gegen etwas, das so rein ist.
Nun liege ich also jeden Vormittag auf einem netten Relaxstuhl zusammen mit fünf anderen Kandidaten gleichen Krankheitsbildes und bekämpfe den Streß, der als Ursache für derlei Leiden genannt wird. (Natürlich haben wir jeder einen eigenen Stuhl!) Ob alt, jung oder irgendwo mittendrin, ob Managertyp, Rentner oder Öko - irgendwie macht diese Sache anscheinend vor niemandem halt. Was schon auch beruhigend ist. Ich wüßte nicht, was ich ernsthaft verkehrt gemacht hätte.
Einen aber habe ich heute gesehen, bei d e m weiß ich, was verkehrt läuft. Man stelle sich vor: Da liegen fünf Leute, schon allein wegen ihrer Aufmachung vollkommen kommunikationsunfähig (im Arm die Nadel, an der die Infusion hängt, auf dem Kopf der Hörer mit den Magnetwellen, auf dem Gesicht die Maske mit dem Sauerstoff) und tun, auch aus naheliegenden Vernunftgründen, nichts anderes, als die Stille zu pflegen. Plötzlich kommt er ´rein, sitzt noch gar nicht richtig, als schon sein Telefon läutet (was ansich bereits eine Frechheit ist und nur dem Umstand geschuldet sein kann, daß man sich auf die mangelnde Hörfähigkeit der anderen verläßt). Mit ungebremster Stimme fragt er, leicht ungeduldig, weil er in einer "Besprechung" sei, was denn nun wäre. Und endet nach kurzem Wortwechsel damit, daß er sich wieder melden würde. Um das tun zu können, muß er ein weiteres Gespräch führen, was er tut, ebenso ungeduldig, mit dem gleichen Verweis auf eine laufende "Besprechung". Dann ruft er den ersten Anrufer zurück und erteilt ihm Instruktionen.
Meine Infusionszeit war derweil vorbei, was ich durchaus begrüßte, weil ich meine, man sollte im Kampf gegen den eigenen Streß sich nicht auch noch den von anderen Leuten aufladen. Ich denke auch, wär´s nicht ein ortsbekannter Unternehmer gewesen, hätte man ihn wohl der Aufruhr wegen, die er verursachte, zurecht gewiesen.
So aber bleibt nur das Fazit, daß zumindest bei d e m d a klar ist, warum er sich mit Tinnitus, Hörsturz oder was auch immer ´rumplagt. Es sei anderen überlassen, ihm klar zu machen, daß Geld nicht alles ist. Schon gar nichts, womit man sich ein langes Leben kaufen könnte ...
erphschwester - 8. Okt, 13:31
Bewegen wir uns, wie so oft, wieder einmal mental nach Amerika. Dort, selbst an den uninteressiertesten Menschen ist das nicht vorbei gegangen, herrscht (immernoch und, wie sich zunehmend herausstellt: schon viel zu lang) der Mr. Bush. Dessen einziges Talent ist es, dumm zu grinsen, dumme Sprüche zu klopfen und unpopuläre Entscheidungen zu treffen.
Die letzte seiner Entscheidungen war die, das Sozialprogramm zur Übernahme der Gesundheitsausgaben für Kinder aus einkommensschwachen Familien zu stoppen. Seine Begründung hierfür ist ausnehmend schwach. Vertritt er doch die Auffassung, daß bei Bewilligung des Programms künftig der Staat für derlei Dinge in die Pflicht genommen würde, obschon sie doch zweifelsfrei in den Bereich der privaten Versicherungen gehören.
Nicht nur, daß Mr. Bush damit - wieder einmal - als amerikanischer Vorreiter für eine Sache gelten kann, die sich im Trend auch hier in Deutschland zu entwickeln beginnt (schließlich wird uns hundert Jahre nach Bismarcks Entscheidung, dies solle anders sein, zunehmend klar gemacht, daß Väterchen Staat mit unserer Gesundheit möglichst wenig zu tun haben möchte), verkennt er mit dieser seiner Entscheidung wesentliche Tatsachen. Nämlich die z.B., daß die (auch hier sehen wir amerikanische Vorreiterschaft) zunehmende Anzahl an Niedriglöhnern sich den Luxus einer Krankheitsvorsorge nicht mehr leisten kann.
Im Kontext mit seiner neulich getroffenen Entscheidung, für den Irak-Krieg weitere 700 Milliarden Dollar geben zu wollen, den Kindern jedoch nicht einmal die auf fünf Jahre verteilten 35 Milliarden, sind damit wieder einmal die Prioritäten klar: Es geht in der heutigen Politik nicht mehr um das, was sozial ist, sondern um das, was einige wenige Reiche noch reicher macht. Mithin ist so ein Staat kein Konstrukt, das dem Gemeinwesen dienen soll, sondern - wie schon der olle Marx zu vermelden wußte - "das Machtinstrument der herrschenden Klasse".
So wird die viel gepriesene Freiheit im kapitalistischen System zunehmend zur Freiheit, arm und bar jeder Fürsorge zu sein. Natürlich ist d a s die Freiheit, die wir alle uns immer schon gewünscht haben!
Übrigens hält Mr.Bush seine Entscheidung für durchaus sinnträchtig. In einer Zeit, da der Wahlkampf für die Präsidentschaftswahlen schon angelaufen ist, möchte er demonstrieren, daß seine Gegner (die schon lange von einem Gesundheitsprogramm reden) ein verschwenderisches Pack sind, während er doch sooo gut sparen kann.
Nana, Mr.Bush: Die 700 Milliarden für den Irak sind nicht nur weitaus höher, sondern auch sehr viel umpopulärer und noch nicht vergessen.
Nicht einmal die Vertreter von Bush´s eigener Partei fühlen sich bei diesem Gedanken sonderlich wohl. Jedenfalls billigt man einer Abstimmung in beiden Häusern, die die Entscheidung des Präsidenten mit einer zwei-Drittel-Mehrheit kippen könnte, einigen Erfolg zu.
Man muß schon seeehr dumm sein, es auf solch eine Abstimmungsniederlage ankommen zu lassen.
erphschwester - 4. Okt, 14:45
Seit Tagen geistert eine Meldung durch die Medien, deren Sinn sich mir nur emotional erschließt. Ich kann gegen die sich selbst knüpfenden Gedankenverbindungen praktisch nichts machen, obwohl ich mir darüber im Klaren bin, daß genau diese Verbindungen geknüpft werden sollen, ohne daß auch nur ein Wort geschrieben stünde, welches mir diese Verknüpfungen anempfiehlt.
Kurzum: Wir erfahren, daß der Erpresser von Tom Cruise in seiner Wohnung tot aufgefunden wurde. Es sei, auch das erfahren wir, nach den Ermittlungen zur Todesursache von Selbstmord auszugehen.
Für die, die von einer Erpressung bis dahin nichts wußten, wird ausgeführt, daß Tom Cruise erpreßt wurde mit heimlich gefertigten Bildern seiner Hochzeit, für die der Erpresser eine Million Dollar hatte haben wollen.
Was in der Meldung schon nicht mehr drin steht, weil jeder es sowieso weiß, ist Folgendes: Tom Cruise, der in den vergangenen Jahren weniger durch seine Tätigkeit als Schauspieler, mehr aber durch seine Mitgliedschaft bei Scientology in die Schlagzeilen geriet, hatte höchstes Interesse daran, die Zeremonie seiner Hochzeit nicht nur privat, sondern wirklich geheim zu halten, weil sie nach Art und Weise seiner Sekte durchgeführt worden sein soll.
Zwar gibt sich Scientology gern als normale Glaubensgemeinschaft, aber gleichzeitig zehrt man dort von dem geheimnisvollen Image, das Scientology umweht. Immer wieder ist die Rede von Methoden der Gehirnwäsche einerseits, aber auch von einer riesigen Geldmaschine, vermittels derer man in die großen Schaltzentralen der Welt Zutritt gefunden und dort Einfluß gewonnen hat. Öffentlich werden zuweilen mental-aggressive Auftritte von Scientology-Vertretern und deren juristischem Geschwader.
Man kommt weder an die Sekte ´ran, noch an deren bekennende (und großzügig geldgebende) Mitglieder.
Vor dem Hintergrund dieser allgemein bekannten Informationen und der Ahnung, daß man in dieser Sekte auch vor wenig legalen Methoden nicht halt macht, fragt sich Otto Normalverbraucher, wie denn nun genau dieser Erpresser den Tod gefunden hat.
Und nur mit dem Hintergrund dieser als bekannt vorausgesetzten Informationen macht die obige Meldung erst einen Sinn. Eben weil so ein Erpresser, von dem man vorher nichts wußte, ja eigentlich vollkommen uninteressant wäre, würde man sich nicht fragen müssen, wie und warum er den Tod gefunden hat. So ein gescheiterter Erpressungsversuch ansich ist ja erst einmal kein Grund zum Selbstmord.
Unterschwellig wird für den, der mag, auch noch folgende Botschaft transportiert: Tom Cruise, umstrittener Darsteller von Stauffenberg, durfte erst nicht, dann aber doch an Originalschauplätzen drehen. Ein gutes Wort hatte für ihn der Herr v.D. eingelegt. (Welch Letzterer inzwischen durch seinen großen Filmerfolg über die Stasi mit mehr als nur einem Bein in Hollywood steht.) Über Herr v.D.´s Senkrechtstart mag man sich wundern oder auch nicht; erstaunlich jedenfalls ist sein plötzlicher Einfluß, der vielleicht nicht allein auf die goldene Statue zurück zu führen ist, die seit ein paar Monaten seine Vitrine ziert.
Ganz böse Verschwörungstheoretiker könnten sogar annehmen, daß erst der Einfluß war und dann das goldene Männlein.
Ich persönlich fände dann (wäre ich eine von diesen Verschwörungstheoretikern, was ich nicht bin) auch noch die Idee prickelnd, daß M.G. nicht mit zur Verleihung durfte, weil sie nicht nur als Frau in diesen Truppen nicht viel zu sagen, sondern weil sie womöglich erkannt hat, in welchen unerfreulichen Kreisen sie sich da bewegt.
Womit, wieder einmal, bewiesen wäre, daß das Interessante an mancherlei Meldungen nicht das ist, was drin steht, sondern das, was wir bei ihnen assoziieren (sollen).
ICH GLAUBE VON DIESEM GANZEN QUATSCH NATÜRLICH NICHT DAS KLEINSTE BISSCHEN.
erphschwester - 2. Okt, 09:45
Eine Gelegenheit, immer wieder gern genutzt, von den eigenen Problemen abzulenken, ist die, auf andere zu zeigen. Getreu dem biblischen Motto: "Was kümmert mich der Balken in meinem eigenen Auge, solange ich noch den Splitter im Auge des anderen sehen kann?"
Menschenfreund Dabbeljuh erinnerte sich dieser Tage wieder dieser Erkenntnis und wies, nachdem er sich kurz zuvor demonstrativ aus Klimasachen herausgehalten hatte, mit starkem Arm und mächtiger Stimme nach Birma. Wie es amerikanische Präsidenten so oft taten, kündigte auch der Schorsch an, er werde da ganz mächtig ... was auch immer tun, um die Freiheit und ... blahblahblah.
So schlecht es den Birmesen auch gehen mag, und das seit Jahrzehnten schon, so wenig haben wir alle uns in der Vergangenheit dafür interessiert. Bush und Vorgänger sind in dieser Zeit in allerhand andere Länder eingedrungen, haben Macht, Präsenz und am Ende jeweils auch Hilflosigkeit demonstriert und jederman klar gemacht, daß es in Wahrheit nicht um Freiheit, sondern um die Ölquellen und den Einfluß in dieser Welt geht. So daß man getrost davon ausgehen kann, daß er auch künftig Birma Birma sein läßt und das Säbelrasseln schnell wieder verhallen wird.
Asien, so viel haben die amerikanischen Regierungen lernen müssen, ist einfach zu schwierig und letztlich nicht interessant genug, irgend welche Kriege als lohnenswert erscheinen zu lassen. Und sowieso hat Amerika mit dem Irak noch genug Probleme an der Backe, dort und auch im eigenen Land, als daß man sich ein neues "Tätigkeitsfeld" aufbürden würde, solange das alte noch genug Belastung hergibt.
Und was uns andere, Nicht-Amerikaner angeht, zeigt sich nun, nach welchen Gesetzen Politik und auch Berichterstattung funktioniert. Letztere erst einmal gar nicht, wenn die Informationskanäle gesperrt sind, weil ein Land, das sowieso unterentwickelt ist, die paar Drähte auch noch kappt.
Selbst Reporter im Land berichten inzwischen differenziert, weil sie in manchen Orten so gar keine Proteste wahrnehmen können oder aber sogar Gegendemonstrationen aufkommen, die man natürlich für staatlich organisiert hält.
Man mag derlei hier nicht hören. Nicht nur, weil die demonstrierenden buddhistischen Mönche so hübsch aussahen, sondern auch, weil wir die Gerechtigkeit wieder einmal für uns entdeckt haben. Es muß doch ´was passieren, wo es so ungerecht zugeht. Und da muß man doch ´was tun. Und am lautesten schreien die Birmesen, die bereits seit Jahren außer Landes sind und die eigene Haut ins Trockene gebracht haben, während es im Lande nach wie vor an einer organisierten Opposition gebricht. Denn es reicht nicht, auf die Demo zu gehen; man muß es selbst auch besser machen können.
Am Ende wird Birma, wie so viele vermeintliche Großereignisse in der Politik, im Orkus des globalen Vergessens verschwinden. Und das vermutlich schon bald.
erphschwester - 1. Okt, 10:57
Herr Dreßler (SPD) war bei Frau Maischberger. Was insofern eine Besonderheit ist, als nur ältere Leser noch den Dreßler kennen. Der nämlich war im (politischen) Asyl, nachdem er sich seinerzeit nicht so gut mit dem Schröder verstanden hatte. Aus gutem Grund, denn Dreßler fand HartzIV wirklich Sch... äääh, nicht so gut. Er selber nennt das heute noch "bedenklich", weil - man ahnt es - er mit seinen 66 Jahren eine andere Vorstellung von Sozialdemokratie hat als die Folgegenereation(en). (Die finden, daß sozialdemokratisch weder sozial, noch demokratisch sein müsse; warum auch immer sie sich dann noch so nennen.)
Nunja, Dreßler mußte, trotz aller sozial-demokratischen Statements, auch heute noch kontra HartzIV, zugeben, daß die Privatisierung der Post richtig war. Was immerhin redlich ist, weil ... er hätte die Sache leicht dem Kohl unterschieben können, unter dessen Regierung das "passierte". Und eigentlich ist das heute, wo alles beinahe ausgestanden ist, ein alter Hut. Wäre da nicht der Tiefensee. Der sich nicht schnell genug damit tun kann, die gleiche Geschichte mit der Bahn durchzuziehen. Tiefensee äußerte sehr bedauernd, daß die Teilprivatisierung nicht vor Ende 2008 stattfinden könne.
Und daß er die Privatisierungsgegner nicht verstehen könne, hat er auch gesagt, denn private Aktionäre sollten an der Sanierung des Schienennetzes beteiligt werden.
Nun wissen wir allerdings, daß die Privaten eher nicht so gern investieren, sondern lieber profitieren. Was ihnen keiner wirklich übel nimmt, weil sie ja dazu da sind, Profit zu machen; das liegt sozusagen in ihrer Natur. Investiert wird nur dort, wo der Profit "maximiert" werden kann. Und irgendwo muß das Geld für die Investitionen ja schließlich herkommen. So ein Privataktionär ist ja kein Wohlfahrtsunternehmen. Sprich: Wer die Ware oder Leistung dann unbedingt haben will, der soll den ganzen Quatsch bezahlen, über die Preise, die bei der Bahn jetzt schon kein Geschenk sind. Gar nicht zu reden von den Strecken, die schon heute nicht gewinnträchtig sind, aber eben betrieben werden, um nicht jede Menge Leute von ihrem Arbeitsplatz abzuschneiden. Ob da in Zukunft noch Rücksicht drauf genommen werden kann?
Herr Dreßler jedenfalls war ein bißchen hin- und her gerissen, weil man sich einerseits den Zeichen der neuen Zeit nicht verschließen kann, aber andererseits viele Sachen, die heute passieren, alles andere als sozial sind (von der Demokratie mal ganz angesehen). Und am Ende hat ihm Frau Maischberger ein Beitrittsformular für die LINKEn angeboten, das er vorsichtshalber auch schon mal genommen hat.
Neee, ja, is klar! Kann ich gut verstehen.
Weil ... diese Woche hat mich so ein Jüngelchen von der Forsa angerufen und wollte meine Meinung wissen. Na, bei mir sind die da goldrichtig! Denn immerhin habe ich eine. Auch, wenn sie der Bursche so recht nicht hat begreifen können. Weil ich ihm nämlich anvertraute, daß die einzige nach meiner Ansicht wählbare Partei eben die LINKE ist.
Natürlich wollte der wissen, ob ich glaube, daß die das alles besser machen könnten. Er selbst hätte neulich die Frau Wagenkecht gehört. So wirklich klug finde er die nicht.
Aber da hab ich ihm erklärt, daß Frau Wagenknecht schließlich ein hübsches Ding ist und deswegen nicht auch noch klug sein müsse. Übrigens w o l l e ich gar nicht, daß die LINKEn eine Chance kriegen, irgendwas besser oder schlechter zu machen. Weil die doch in die Opposition gehören. Und jede Regierung ist ja nur so gut wie das schlechte Gewissen, das ihr die Opposition einredet. (Wer mag, kann jetzt ein bißchen singen:"Oh, wie schön, oh, wie schön, ist´s in der Opposition!")
Aber eigentlich hatte sich das Forsa-Jüngelchen für meine Einstellung zur hessischen Politik interessiert und wollte wissen, wen ich mir in die Regierung wünsche. Den Einwand, daß wünschen eine Sache ist, aber gewählt werden, eine andere, den mochte er nicht gelten lassen. Und also bot er mir an, ich dürfe ein bißchen vor mich hin träumen. (Er ahnte nicht, daß Träumer sozusagen mein zweiter Beruf ist.) Meine Entscheidung für eine Koalition (anders können die alle ja nicht mehr) aus SPD und FDP fand er immerhin erstaunlich. (Er hatte mein taktisches Prinzip noch immer nicht verstanden.)
Ich erläuterte ihm, daß eine gute Opposition die eine Sache ist; eine andere, meiner Ansicht nach bessere noch, sei die, eine oppositionelle Kraft gleich mit im Boot zu haben. Da kriegt Politik gleich wieder einen größeren Unterhaltungswert und irgendwie eine menschliche Komponente ("Zwei Herzen schlagen, ach, in meiner Brust.")
Oder wie erklären Sie sich das Zustandekommen der derzeitigen Bundesregierung?
PS: Ich fürchte nur, daß meine Telefonnummer jetzt bei den Meinungsforschungsinstituten als Horrormeldung ´rumgereicht wird. ("Brauchse nich anrufen. Die Alte hatn Knall, versaut alle Umfragewerte. Was soll man denn damit anfangen?") Und das, wo ich doch so gern meine Meinung sage. Immerhin hab ich eine ...
erphschwester - 23. Sep, 10:44
Dirk Schubert ist ein Schlaumeier, dessen Namen ich ganz echt hier bekannt geben möchte. Was kein Problem sein dürfte, denn er selbst hat´s im Handelsblatt getan, wo er sehr, sehr schlaue Gedanken zur Emanzipation von sich gab.
So ließ er uns wissen, daß die Sache mit dem schlechteren Verdienst von Frauen ein echter Schmarrn sei. Weil nämlich derlei Feststellungen in der Vergangenheit in jedem Fall aus den falschen Zusammenhängen heraus gemacht worden seien.
Natürlich könne man nur vergleichen, ob ein männlicher und ein weiblicher Ingenieur gleich viel verdienen und nicht, ob dies bei einem Ingenieur und einer Friseurin der Fall sei. Die Wahl, welchen Beruf ein jeder erlerne, treffe er schließlich selbst und könne sich darüber später nicht beklagen. Zudem bliebe häufig unbeachtet, daß Männer sehr viel mehr Überstunden machen würden als Frauen. Gar nicht zu reden von den Frauen, die zwar anständige Berufe gelernt haben, später dann jedoch schlecht bezahlte Tätigkeiten annehmen würden. Usw.usw.usf.
Lieber Dirk Schubert,
die Leute sind gar nicht so blöd, daß sie all das nicht wüßten. Aber ... denk doch mal über die Sache mit den Kindern nach. Väterchen Staat klagt ja gerade in den letzten Jahren gar kräftig, daß die Frauen (und noch immer sind sie es, die die Kinder kriegen und stillen) sich diesbezüglich verweigern.
Warum wohl?
- Weil sie dann hinterher nicht mehr in ihren schönen Berufen arbeiten können? (Oder, andersherum, weil sie keinen Arbeitgeber finden, der einer Managerin mit Kind richtig gutes Managen zutraut?)
- Weil sie dann keine Kindergartenplätze für Kinder unter drei Jahren finden? Zumindest keine Ganztagsplätze.
- Weil es genau solche Schlaumeier wie Du sind, die den Frauen dann erzählen, daß so eine Ganztagsunterbringung den Kindern ja ganz und gar nicht gut tut? Da könnte frau ebenso gut auf Kinder verzichten.
- Weil Kinder-haben ja doch irgendwie Privatsache ist? Denn in Kindergärten und Schulen werden keine Schlüsselqualifikationen mehr vermittelt (das erwartet man von den Eltern), sondern nur noch intellektuelle Fähigkeiten - bestenfalls - und im übrigen wird "verwahrt". Verwahrt übrigens zu Zeiten, in denen frau noch nicht im Bereich der Überstunden ist; da nämlich muß frau sie abholen...
Lieber Dirk Schubert, und bitte erzähl mir nichts davon, daß ja alle Menschen gleich sind und die Männer sich ja auch um die Kinder kümmern könnten. Da widerspreche ich einfach. Nicht nur, weil ich noch keinen Mann im Mutterschutz gesehen habe, sondern auch weil sogar nach Einführung des Elterngeldes, das ja zunächst erst einmal gleiche Chancen schafft, nur drei Prozent aller neuen Väter sich für die Kindererziehung entschieden haben. Warum wohl?
Gar nicht zu reden davon, daß noch nach der Geburt meiner Tochter die Berufsberatung getrennt nach Männer- und Frauenberufen erfolgte. Jaja, man(n) mag´s kaum glauben; so kurze Zeit ist das her. Die Chancengleichheit gibt´s demnach noch gar nicht so lang und eigentlich inzwischen schon nicht mehr. (Aber über die Feststellungen der OECD reden wir ein anderes Mal.)
Und jetzt, lieber Dirk Schubert, behaupte noch mal, daß ja jede(r) ihr (sein) Schicksal selbst in der Hand hat. Ich gebe Dir Recht, wenn´s um die Frage des Kinderkriegens geht. Aber, bittschön, da müssen wir uns nicht wundern, wenn der Nachwuchs fehlt.
Eine Frage hätte ich noch,Dirk, nämlich die, was Deine Mutter von Beruf ist und was sie gearbeitet hat, während Du Kind warst und danach. Und auch, was sie zu Deinen Thesen sagt.
Und sollte sie tatsächlich Ingenieurin und als solche auch tätig gewesen sein, mit Überstunden, dann ging das ja nur im Osten ...
erphschwester - 20. Sep, 06:03
Die Barmer Ersatzkasse hat 130 Millionen Euro gespart, indem sie gezielt Abrechnungen überprüft und tatsächlich auch jede Menge Abrechnungsfehler festgestellt hat.
Nun kann man sich fragen, ob Deutschland ein Land von lauter betrügerischen Ärzten ist. Nein, sagt die Barmer, die häufigste Ursache der Fehler seien Unsicherheiten hinsichtlich Diagnose und Abrechnungsmodus.
Wodurch sich - wieder einmal - zeigt, daß uns der Drang, so viel Geld wie möglich zu sparen, indem wir allerhand "wenn" und "aber" einbauen, letztlich teuer zu stehen kommt. Weil kein Mensch mehr durchblickt, wählt man im Zweifelsfall (und das ist ja nichts Verwerfliches, denn irgendwie tun das ja alle) die teurere Abrechnungsvariante.
Ich stelle mir vor: Nicht nur die Barmer (die´s im übrigen bei ihrem beinahe höchsten Beitragssatz nötig hat), sondern auch alle anderen Krankenkassen würden mehr überprüfen. Und alle würden sie feststellen, was die Barmer schon weiß. Man könnte glatt da hin kommen, die Beiträge ausnahmsweise mal zu senken, statt - wie in den letzten Jahren immer wieder passiert - permanent zu erhöhen.
Und ich denke mir, daß man solche Sachen ja eigentlich längst hätte versuchen können, um das Gesundheitswesen wieder finanzierbar zu machen, statt immer nur den Beitragszahler zu schröpfen und ihm weismachen zu wollen, das alles sei eben so ...
Ja, und nebenher frage ich mich noch, wozu all die Truppen wie die Kassenärztliche Vereinigung, Ombudsräte etc. denn da sind, wenn es eine einzige Krankenkasse ist, die feststellt, was wir eigentlich alle schon ahnten. Eigentlich nämlich sind die dafür da, die Abrechnungen zu prüfen. Stattdessen, so stellt sich nun heraus, rechnen die einfach mit falschen Zahlen.
Ich denke mir, unser pfiffiger Finanzminister, wenn´s denn ihn betreffen würde, hätte längst Mittel und Wege gefunden, diese falsche Abrechnerei zu unterbinden. Wo der doch sogar Mittel und Wege gefunden hat, richtige Abrechnungen für nicht richtig hinzustellen. Alles im Namen eines "soliden Haushaltes"
Ach, ich wünsche mir so sehr einen soliden Haushalt in der Gesundheitspolitik. Nicht erst für die nächste Generation; am liebsten schon ab nächsten Monat.
erphschwester - 19. Sep, 06:16
"Freunde von mir waren neulich in ..."
...
""Jaja, das Land ist schön. Aber alles ist so teuer."
...
"Die haben ja jetzt den Mindestlohn."
...
"Ich bin ja für den Mindestlohn."
...
"Aber dann wird irgendwie alles teurer."
...
"Ich bin wirklich für den Mindestlohn."
...
...
...
" ... aber dann wird alles so teuer ..."
erphschwester - 15. Sep, 10:51
Herr Glos, von dem man im übrigen so viel nicht hört, hat diese Woche gesprochen. Machtvoll, kraftvoll und sehr von seinem Argument überzeugt, tat er kund, daß der Mindestlohn für Postdienstleistungen (warum eigentlich nur dort?) nicht eingeführt werden solle, wenigstens nicht in der geplanten Höhe, weil man sonst in das Wettbewerbsgeschehen eingreifen würde und diverse Postdienstler aufgeben müßten.
Nun ist die Debatte über politische Eingriffe in die Tarifautonomie ja keine ganz neue. Man solle sie sich versagen, die Eingriffe, weil ja doch einzig Angebot und Nachfrage den Markt bestimmen sollten.
Wodurch gesagt wird, was zu sagen man sich in der Politik im Alltag schön verkneifen wird: Wir haben, und zwar in zunehmendem Maße, eben k e i n e soziale Marktwirtschaft mehr, sondern nur noch Marktwirtschaft. Soll heißen, daß alles Tun und Unterlassen einzig den Gesetzen des Marktes folgt, mithin am Geldbeutel des Unternehmers orientiert ist.
Der Arbeitnehmer, der ja auch eine Ware, nämlich seine Arbeit, anzubieten hat, kann sich in einer reinen Marktwirtschaft aussuchen, ob er die angebotene Arbeit annimmt.
Theoretisch.
Denn da ist ja auch der Zwang, von irgendetwas leben zu müssen. Der leicht dazu führt, daß man lieber schlecht, als gar nicht lebt.
Was nun die sich sozial gebende Marktwirtschaft angeht, haben wir aber auch die Pikanterie, daß die Folgen der Unterbezahlung bei Verzicht auf einen lebenserhaltenden Mindestlohn von allen getragen werden, die ein bißchen mehr als das Notwendige verdienen. Vermittels ihrer Steuer- und Sozialabgaben wird nämlich das zufinanziert, was dem Unter-Mindestlohn-Arbeiter zum Leben fehlt.
Oder, andersherum, unsere Gesellschaft ist gerade so sozial, daß die Billigheimer-Unternehmen ihre Leistungen vermittels nicht wirklich wettbewerbsfähiger Löhne nur deswegen anbieten können, weil Väterchen Staat - am Ende sind das wir selber - draufzahlt.
Ich finde, wir sollten - wenn schon - dann richtig konsequent sein und HartzIV und den ganzen Schmonsens abschaffen. Damit den Leuten, die´s noch nicht kapiert haben, endlich klar wird, wie man sie bescheißt. Und sie sich endlich anfangen zu wehren, wenn sie nichts mehr zu Fressen haben. Da können Herr Glos und seine Freunde dann mal sehen, was so ganz richtige Marktwirtschaft auf dem Arbeitsmarkt bedeutet.
Und beim nächsten Mal reden wir darüber, warum HartzIV möglichst noch v o r der Einführung von Internetspionage und allerhand anderen staatlichen Kontrollmaßnahmen abgeschafft werden sollte. Denn für die Definition des Begriffes "Terrorist" wird es dermaleinst keine Volksbefragung geben ...
erphschwester - 15. Sep, 10:25