Freitag, 20. Februar 2015

20022015

hätte, hätte, fahrradkette



kann schon sein, nein!, ziemlich sicher ist, dass ich mich wiederhole.

aber: ich steh ganz und gar nicht auf leute, die immer ganz genau wissen, wie MAN sich zu verhalten hat, was richtig und falsch ist und was sie in meiner situation gemacht HÄTTEN.



denn sie sind nicht in meiner situation, warens vielleicht nie und werdens vielleicht nie sein.

und sowieso sind sie ja nicht ich.

und, das sei am rande mal erwähnt, ICH SELBST weiss oft im vorhinein nicht, wie ich mich in manchen situationen verhalten würde. kommt auf die tagesform an. darauf, ob ich gerade stark bin oder eher nicht. ob mich was aus dem hinterhalt erwischt oder frontal. ob ich müde bin, kopfschmerzen habe oder überrascht werde von etwas, das ich für unmöglich oder überkommen hielt.



manchmal schäme ich mich, weil ich irgendwo nicht so genau wissen wollte, was da vor sich geht, statt herzhaft einzuschreiten. und manchmal erschrecke ich vor meiner eigenen impulsivität, die mich im wahrsten sinne des wortes den kopf hätte kosten können. und manchmal frage ich mich auch, warum denn AUSGERECHNET ICH etwas hätte unternehmen sollen, wo doch die anderen auch nichts taten.



all die anderen, die nichts tun, müssen ja irgendwo sein und herkommen. redet man mit den leuten, sind nicht sie die untätigen, sondern die, die HÄTTEN. da muss ein loch sein, in dem sich all die untätigen ständig verkriechen. oben in der öffentlichkeit sind immer nur die ICHHÄTTER.



wenn doch nur endlich mal einer dieses loch mit all den unsichtbaren untätigen zuschütten würde, damit da nur noch ICHHÄTTER wären. was wäre die welt doch für ein angenehmer ort.



vielleicht aber sollte man nur diesen dämlichen konjunktiv verbuddeln.

Samstag, 14. Februar 2015

14022015

Legenden (ein mädchenblog)



ich mag chanel nicht, auch nicht nr.5. ich mag nicht dieses theater um das kleine schwarze. (das kleine schwarze aber mag ich sehr.) und ich mag den karl nicht. den am allerwenigsten. seine geriertheit, seine hohen kragen (die doch nur ein meer von flatterfalten am hals verbergen sollen.), seine art, "mädchen" zu forcieren und irgendwann fallen zu lassen.



all das mag ich nicht.



aber ich mag diese damen ganz da oben unter den dächern von paris. die die stoffe streicheln, auch wenn es nur panneésamt ist statt richtiger (der liegt; richtiger steht). die noch in handarbeit sticheln, schicht um schicht. die glauben an eine bessere modewelt. (auch wenn das zeugs nur tragbar ist für größe 36) ich mag diese damen, die weitaus älter sind als karl es jemals bei seinen modells dulden würde. die tragen selbst eher größe 42 bis 44. aber sie können, was sie können, weshalb der karl auf sie nicht verzichten kann. und sie beherrschen ihr geschäft, eben weil sie älter sind als die damen später auf dem catwalk. ihr tun hat bestand. im gegensatz zu dem der dann eben nicht mehr ganz so schönen.

ich mag es, dass eben diese nicht mehr ganz jungen und ganz gewiss nicht so schönen damen so sehr glauben an das, was sie tun, dass sie aufgehen in ihrem tun, auf schlaf verzichten und so voller begeisterung sind.

denn die wahrhaftigkeit ihres tuns trägt sie über die jugend und schönheit hinweg.



da kann man von karl und chanel halten was man will.

Donnerstag, 12. Februar 2015

12022015

PH = √ (e2 + ve2)(d2) + (cg + dr)2 + π ...

nein, ich bin NICHT unter die wissenschaftler geraten.
vielmehr war ich auf der suche nach meinungen.
zu gepflogenheiten des alltags.
und der frage:
richtig oder falsch?

Problem:
als mensch, der täglich mit allerhand anderen zu tun hat, frage ich mich, gerade jetzt in der erkältungszeit, hände schütteln oder nicht?
und ich lese da, dass dies in unserem kulturkreis eine vertrauensbildende geste ist. erfahre darüber hinaus, dass ein händedruck über sympathie und antipathie entscheiden kann, dass hände drücken - eingebildet oder echt - informationen über den charakter des gegenübers liefert. zudem erfahre ich, dass warme oder kalte hände zu jeweils anderen entscheidungen führen und ein händedruck geschäftliche verhandlungen fairer macht.

so weit, so gut.
und wie ist es nun mit dem infektionsrisiko?
das, klar, vergrößert sich immens. nicht nur durch erkältungen, sondern auch durch menschen, die nach dem toilettenbesuch keine hände waschen (immerhin zwei drittel der männer und immernoch ein drittel der frauen). ich selbst kenne eine, die ihr nicht-hände-waschen mit den keimen am wasserhahn begründet. die toilettentür fasst sie allerdings ohne bedenken an. :/
bei meiner recherche stoße ich auf berichte von amerikanischen politikern, die im wahlkampf massenhaft hände schütteln (wir erinnern uns an die vertrauensbildung! der rekord liegt übrigens bei 1200 hand-shakes in einer stunde.), um hernach in einem unbeobachteten moment ihr allzeit bereites desinfektionsmittel zu zücken. dass sie dabei krankheiten unter ihrem wahlvolk verteilten, spielt angesichts des gebildeten vertrauens eine untergeordnete rolle.
und ich erfahre, dass tierärzte dazu übergehen, kleinere chirurgische eingriffe im häuslichen umfeld vorzunehmen. denn die keime zu hause (die es -natürlich! - trotz aller sauerbeit gibt) seien die tiere gewöhnt. die gefahr von wundinfektionen sinke hierdurch ganz erheblich.

und jetzt habe ich den salat:
entscheide ich mich nun für vertrauensbildung oder für infektionsreduzierung?

die formel da oben ist übrigens die für den idealen hände druck. ;)

Mittwoch, 11. Februar 2015

11022015

du kannst die vergangenheit nicht ändern



... ist die erkenntnis der heutigen zeit. gedanklich spielen wir die sache mit der einstein-rosen-brücke durch und landen bei einer jungfrau: gucken (in die vergangenheit), ja, aber nicht anfassen oder gar ändern.

die vergangenheit also eine jungfrau? (und das meine ich eher mental, denn wir sind natürlich alles andere als jungfräulich.) und doch verändert sie sich ja, täglich. indem wie an ihr "arbeiten", sie stück um stück vergessen oder umschreiben.

war die kindheit nun schön oder eher nicht? (haben wir das nicht-schöne nur verdrängt?)

oder - andersrum - haben jene, die ihre schwere kindheit beklagen, nur die schönen momente in den hintergrund gerückt?



das gleiche mit der ersten liebe, dem kinderkriegen (da, zum glück!, vergessen wir sehr rasch. andernfalls bekämen nur sehr wenige frauen mehr als eines.), trennung, tod.



vergessen, verdrängt? oder tatsächlich verarbeitet? im eigenen kopf zum besseren gewendet. wie auch immer dieses kunststück zu bewerkstelligen ist.



du kannst die vergangenheit nicht ändern?

nicht die fakten.

aber die eigene sicht darauf.



gott sei dank.



(solche gedanken passieren mir, wenn ich - mit rockmusik auf den ohren - stundenlang im atelier stehe und versuche, wolken und schneehügel zu malen. und dann begegnet mir, völlig erschöpft, denzel washington im kampf gegen das, was schon passiert ist. der verstand ist ein seltsames ding.)

Donnerstag, 29. Januar 2015

IT (29012015)

Als mir neulich meine (Groß-)Tante Paula einfiel, hat sie mich auf eine Reise mit genommen.



Das ist typisch für sie. Selbst viel herum gekommen, hatte sie oft viel zu erzählen. Auf eine ganz trockene und sehr preussische Art und Weise.

Manchmal steckten in zwei Sätzen ganze Romane. Und manchmal steckte in einem einzigen Wort die Geschichte einer ganzen Emanzipation.

Tante Paula war die erste alte Dame, die ich "Scheiße" sagen hörte. In den Sechzigern war das und damals nicht nur für alte Damen nicht üblich, sondern ganz und gar unmöglich. Seltsamerweise klang das bei ihr weder obszön, noch sonst irgendwie schmutzig, sondern ganz genau so wie heute bei uns. Eher beiläufig und als ganz natürlicher Ausdruck für Missfallen an was auch immer. Dass ihre Schwester Rosl, meine Großmutter, sie stets dafür maßregelte, quittierte sie jeweils mit einem sowohl charmanten, als auch geschwisterlich kecken Klaps auf deren Arm: "Stell dich nicht so an, Rosl!"



Paula, geboren 1899, war schon immer ein wildes Ding gewesen. Das reimte ich mir aus Diesem und Jenem über die Jahre langsam zusammen.

Sie, ebenso wie die zwei Schwestern, war vom elterlichen Bauernhof in die Stadt geschickt worden, um Hauswirtschaft zu lernen. Was nicht nur gut für eine eventuelle Heirat war, sondern auch für den Fall, dass sich keiner fände. In der Zeit nach dem ersten Weltkrieg gab es durchaus einen Mangel an Männern im heiratsfähigen Alter. Da war es gut, wenn Frau sich selbst durchbringen konnte. Denn so viel warf der kleine Hof dann doch nicht ab, dass er drei Töchter hätte ernähren können.

Der Plan ging auf: Zwei der drei Töchter, Paula und Rosl, kamen nicht nach Hause zurück, sondern landeten praktisch direkt im städtischen Hafen der Ehe.

Rosl naturgemäß, denn sie war vier Jahre jünger, ein paar Jahre später.

Im Gegensatz zu Rosl bekam Paula nie Kinder, obwohl ich sie mir als Mutter, Groß- und Urgroßmutter wunderbar hätte vorstellen können. Die lieben Kleinen hätten an ihr ihre helle Freude gehabt!

"Es hat nicht sein sollen.", erklärte sie zuweilen, war aber im Laufe der Zeit so unglücklich nicht mehr.

Während also Rosl am heimischen Herd die zwei Kinder großzog und tat, was Frauen damals eben so taten, machte Paula ganz andere Sachen. Sie mag sich damals so nicht genannt haben, aber sie war es: ein Flapper, also eine von den frechen jungen Frauen mit kurzen Röcken, Bubiköpfen und ohne Korsett, die Charleston tanzten, rauchten, Alkohol tranken und sich schminkten.



Und auch, wenn eine Vielzahl der Leute dachte, dass diese Mädels ganz lose Geschöpfe waren, die keine Grenzen kannten, wusste Paula schon, was sich gehört.

Sie heiratete einmal.

Und wurde eine der frühen Kriegerwitwen.

Sie heiratete ein zweites Mal.

Und sah ihren Mann beim sonntäglichen Bade im See ertrinken.

(Die Geschichte geht noch heute durch unsere Familie: Er, vom Wasser aus, winkte ihr zu. Sie winkte fröhlich zurück. Und dann war er weg. Herzinfarkt beim Schwimmen. Wer hätte das auch ahnen können?)

Woran der Dritte gestorben ist, ist mir nicht überliefert.



Paula, nach jeweils angemessener Trauerzeit, war in ihrem Optimismus unbeirrbar.

Ein viertes Mal hat sie nicht geheiratet, nur noch hier und da einen Freund gehabt.

Vielleicht war sie es leid, die geliebten Männer unter die Erde bringen zu müssen?

Vielleicht war der Topf ihrer großen Liebe zur Neige gegangen?

Wer weiß?

Zuletzt sah ich Tante Paula bei der Beerdigung meiner Großmutter, wo sie - ganz wie immer - auf ihre charmante Art Dinge sagte und tat, die da nicht hin gehörten, aber in meinem Zweig der Familie durchaus für Erheiterung sorgten.

Da war sie schon über achtzig und sah nichts mehr, was sie für gewollte Verwirrung ausnutzte. (Sie wusste ganz genau, was sie tat!)



-------------------



Und wo ist jetzt die Reise?, wird sich mancher fragen, dem diese Lebensgeschichte nicht genug ist.

Diese meine Reise ist eine ganz profane ins Reich der Erkenntnis gewesen.

Auf der Suche nach den Flappers nämlich stieß ich auf das allererste IT-Girl, das es je gab: Clara Bow.



http://de.wikipedia.org/wiki/Flapper#mediaviewer/File:Clara_Bow_Brewster_1921.PNG



Und ich erfuhr, dass dies die Hauptdarstellerin des Filmes IT aus 1927 nach der Romanvorlage von Elinor Glyn war.

Und auch, dass IT schlechterdings für ES steht. Damit auch die etwas langsamen Deutschen (sone wie ich) verstehen, was gemeint ist, hieß der Film in Deutschland "Das gewisse Etwas".

Womit geklärt wäre, dass heutige IT-Girls nur noch so heißen. Dem Anspruch werden sie beileibe höchst selten gerecht.



Meine Tante Paula aber, dafür stehe ich!, DIE hat es gehabt!

Samstag, 25. Oktober 2014

25102014

Herr Juncker und dem Fischer syn Fru


Ich sah diese Woche den Herrn Juncker im Fernsehen. Sie wissen schon, den künftigen EU-Kommissionspräsidenten. Also nicht, dass das was Besonderes ist, den Herrn Juncker im Fernsehen zu sehen. Der ist da öfter. Weil so viele ihn mögen. Und weil er einen sagenhaften Aufstieg in der Politik gemacht und so viel zu Europa, wie es heute ist, beigetragen hat. Juncker gilt gern als der Stille und Bedachte, so dass ihm kleine Skandale noch weniger schaden als anderen Politikern. Und er hatte auch keine Scheu, sein luxemburgisches Wahlvolk gelegentlich nachdrücklich auf ihre Wahlpflichten aufmerksam zu machen, wobei er auch schon mal, so oder so, seinen Posten als Premier zur Disposition stellte. (Aber auch das haben andere schon getan.) Ihm selbst konnte nie etwas passieren, nehme ich an, weshalb es sich leicht so argumentieren lässt. J. hatte immer schon die Füße in mehreren Türen. Der brauchte nicht drauf zu warten, dass sich eine neue öffnete; er war immer schon halb drin.

Aber was wollte ich eigentlich sagen? Ahso: Juncker hat mich nie sonderlich interessiert, aber neulich, als ich ihn sah, hätte er mir nicht direkt gegenüber stehen dürfen. da sagte er:
"Volkswirtschaften, in denen nicht investiert wird, können nicht wachsen. Volkswirtschaften, die nicht wachsen, können keine Beschäftigung sicherstellen"

Erst einmal sagte ich "NEIN!". Ganz einfach in meine leere Stube hinein. Was ich gar nicht so selten tue, einfach mal sagen, was gesagt werden muss.
Und dann sortierte ich.
Herr Juncker, der also gern EU-Kommissionspräsident werden möchte, weiss ziemlich genau, warum bei den Europäern die Akzeptanz für Europa so gering ist. Denn Europa regelt so viel Klein-Klein-Kram, kümmert sich aber viel zu wenig um die großen Dinge. Juncker will weg von den Gurken-gerade-Biegern hin zum Mindestlohn für alle Europäer. Wobei Juncker vielleicht noch am Wenigsten das Wohl der derzeitigen Unter-Mindestlöhner, sondern den Absatz im Auge hat. (Wir erinnern uns: Erst Absatz bringt Profit.)

Und so werden wir auch im 21.Jahrhundert fröhlich weiter eine Politik praktizieren, die nichts anderes zur Folge hat, als unseren Planeten (der eben nicht mit wächst!) noch mehr zu verdrecken, noch mehr zu betonieren, noch mehr irgendwelchen Interessen unterzuordnen, die nicht die der Allgemeinheit sein können.
Übrigens hat Juncker in seiner gesamten Laufbahn noch ziemlich wenig zur Globalisierung gesagt. Woraus man herleiten könnte, dass es ihm noch am Wenigsten um die Menschen, sondern um Profite (auch persönliches Profitieren) geht. Was auch scheren ihn die Menschen in aller Welt, wo er doch schon seit jeher Politik in Europa macht?

Genau genommen scheren ihn vielleicht einmal die Menschen in Europa. Schließlich stammt von ihm das Zitat:

„Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, ob was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“

Zu dumm, dass immer mehr nun doch wegen TTIP aufschreien.

-------------------------------------------------------------------------------------------

Was das mit dem Fischer seiner Frau zu tun hat?
Naja, die wollte am Ende auch Gott sein.

Donnerstag, 12. Juni 2014

12062014

Siesta





Ich habe geträumt von Zuckerschnecken.

Zwei Daumen dick, mit Streuseln drauf und einem Zuckerguss, der die Schneckenwindung und Streuseln nurmehr ahnen ließ. So dick war der.



Es war Sonntag und die Famile rüstete sich zum Ausflug. Weisse Söckchen, Sandalen, ein rosa Kleid und der Bahnhof. Nicht so ein Mitropa-Zeugs, sondern fein. Man geht hin, um die Sonntagsgarderobe auszuführen und sich an der Kühle unter der hohen Bahnhofskuppel zu laben. Irgendwo im Hintergrund schnaufen Dampfloks.



Und während ich förmlich die Knusprigkeit der ofenfrischen Zuckerschnecke zwischen den Zähnen knacken höre, denke ich an meine Kindheit.

Solche Bahnhofsrestaurants kenne ich ja nur aus Ungarn. Überall anders haben sie den Charme tatsächlich von Mitropa. Alles ein bisschen billig, ein bisschen schmuddelig (einschließlich der Kellner, die nicht so ganz weiße Kochjacken trugen und vermutlich auch in der Küche mittaten.)



Nicht so dieses eine in Budapest am Westbahnhof (Nyugati pályaudvar ), das eine Pracht hatte, wie sich Hänschen Ostdeutscher die Wiener Caféhäuser vorstellt. Nur größer, höher, lichter.

Kellner wie Könige, die Frauen noch den Stuhl zurechtschoben, und an eigens dafür gemachten Ständern hingen Tageszeitungen auf eine Holzleiste gezogen, so dass man sie wie ein Buch blättern konnte.

„Kérem Szépen!“ (Da wusste man nicht, ob ihnen die gefühlten zwanzig „e“ oder der natürliche ungarische Charme das breite Lächeln auf die Gesichter trieb.)

Und während man auf die Karte, das Getränk etc. wartete, lag in der Luft ein Duft von Fekete und Gurkensalat. (Unter Fekete lese ich im Wörterbuch nurmehr alles, was schwarz ist bis hin zum Schwarztee. Nicht jedoch diesen Kaffee in winzigkleinen Tassen, der in diesen kleinen Maschinen von unten her bedampft und nicht von oben betropft wurde. Gibt es den heute nicht mehr???)



Ich erinnere mich: Ich war zwölf, mit den Eltern in Budapest unterwegs, die mich behüteten wie ihr Augäpfelchen, denn da schauten schon junge Männer von Anfang zwanzig nach mir. Heute frage ich mich, ob das an den Hotpants lag oder an den (echten) Korkenzieherlöckchen, die ich vor kurzem erst bekommen hatte, als wollte mich die Natur der Männerwelt erst richtig schmackhaft machen. („Wie eine Madonna!“, sagten die Bekannten meiner Eltern mit wohlwollendem Blick.) Wir standen an der Straßenbahnhaltestelle, warteten. Die Bahn kam, ich stieg ein und sah erst angesichts der sich schließenden Tür, dass die Eltern draußen noch am Diskutieren waren. Durchaus ein braves Kind, zögerte ich einen Moment lang, was ich tun sollte, denn ich hatte kein Geld zum Bezahlen der Fahrt. Sehr schnell entschied ich: Wenn schon, dann richtig schwarz fahren. Und ich wusste ja, wohin wir wollten: Eben zum Westbahnhof. Also fuhr ich die vier oder fünf Stationen und wartete, wartete, wartete …

Schließlich verlor ich die Lust, an der Haltestelle zu warten. Drüben, über die Straße, war dieser wunderschöne Bahnhof und … Schatten. Sehr viel später, ich war am internationalen Zeitungsstand hängen geblieben – riß mich jemand rum (jetzt gibt’s eine Backpfeife, dachte ich, und auch Mutter schien in dieser Sache gespalten), hielt mich einen Moment lang an den Oberarmen, um mich sogleich zu umarmen. (Gottseidank! Kind war nichts passiert.)



Das war der Tag, ab dem ich immer einen Hundert-Forint-Schein bei mir hatte. Was eine Menge Geld war zu dieser Zeit.

Und ich erfuhr auch, warum es so lange gedauert hatte, dass meine Eltern mich fanden: An jeder Haltestelle waren sie ausgestiegen und hatten nach mir Ausschau gehalten, mussten jedes Mal auf eine neue Bahn warten und wurden jedes Mal verzweifelter.

Ich, hoch erstaunt, fragte nur, warum ich „irgendwo“ hätte aussteigen sollen, wo ich doch wusste, wohin es geht.

Ich fühlte mich unterschätzt, was ich als Jüngste wohl immer auch war. Das Nesthäkchen halt, das man angesichts der quasi-erwachsenen anderen Kinder immer für ein bisschen fürsorgebedürftiger hält als es tatsächlich ist.



Aber all diese Gedanken kamen mir erst, nachdem ich aufwachte.

Im Halbschlaf murmele ich: „Zuckerschnecken“.



Ja, ich hab geträumt von Zuckerschnecken.

Und weil ich keine habe, tuts auch ein Gurkensalat.

Und dazu einen Klecks von dem Gulasch, das ich heute mittag kochte und das schon sehr etwas Ungarisches hat.




ps. mein vater, der hier nur eine stumme nebenrolle spielt, was mitnichten seiner echten entsprach, wäre heute 92 geworden.)

Samstag, 24. Mai 2014

24052014

„Was ist schon demokratisch?“



So beginnt ein Brief, den ich heute von Lobbycontrol ( https://www.lobbycontrol.de/ ) erhielt.



Zitiert wird da Peter J.Esser, Vertreter der deutschen Industrie bei den TTIP-Verhandlungen. Er lacht zu diesem State und findet es offenbar ganz prima, dass das Wahlvolk zu Inhalt und Stand der Verhandlungen so im Unklaren gelassen wird. Und nicht nur das Wahlvolk. Angesichts mancher konkreter Fragestellung der letzten Tage an Politiker, die es besser wissen müssten, weil ihre Parteien für das TTIP sind, wenigstens ein bisschen, wurde klar, dass die Politik ebenso wenig involviert und informiert ist. Gleichwohl hört man aus den Reihen der Befürworter, dass das Abkommen Wohlstand und Arbeitsplätze schaffen soll und deswegen eine gute Sache ist.

Den Wohlstand glaube ich schon, aber gewiss nicht für jeden. Für solch eine wohlmeinende Meinung reicht die Art und Weise der quasi-geheimen Verhandlungen nicht aus. Denn bislang war ich es gewöhnt, selbst zu prüfen, was für mich selbst am Besten ist. Wenn da über meinen Kopf hinweg und jenseits auch nur meiner Kenntnis Dinge beschlossen werden sollen, dann sind diese Beschlüsse ja wohl keine, die auf mich zugeschnitten werden. Nicht, dass ich von Politik allzu viel in dieser Hinsicht erwarten würde.



Gleichwohl ist die strikte Geheimhaltung nicht allein einzigartig, wenn man bedenkt, dass die bislang nur wenig involvierte Politik sie dann in aller Konsequenz mittragen und durchsetzen müssen wird. Sie lässt bei mir auch alle Alarmglocken schrillen in Betrachtung dessen, wie heute Politik gemacht wird. Denn was wir bislang nur zögerlich zugeben mussten: dass nämlich Politik nie, aber auch nie von den Politikern gemacht wird, sondern von der sie umgebenden Lobby, tritt nun mit solcher unverblümten Klarzeit zutage, dass wir alle fürchterliche Angst kriegen sollten. Hier wird nicht einmal mehr der Schein gewahrt, sondern ganz offen das wirtschaftliche Interesse in den Vordergrund geschoben.



Und: Wenn – ich wage angesichts der konsequenten Geheimhaltung zu behaupten: absichtlich durchgesickerte – Informationen über Chlorhähnchen, Genmais etc. uns schon empören, reicht mein Vorstellungsvermögen nicht aus für das, was sonst noch im „Paket“ drin steckt. Was ist mit der Überwachung von Pharmaerzeugnissen, der Kulturförderung, gar nicht zu reden von „falschen Gesetzen“, die ganze Nationen in den Ruin treiben können?



Mehr denn je bin ich der Meinung, dass ich diese Kröte nicht schlucken will.

Und mehr denn je bin ich davon überzeugt, dass wir vor dem morgigen Tage – möglicherweise auch unabhängig von sonstigen politischen Präferenzen – prüfen müssen, wie UNSERE PARTEI zum TTIP steht. Denn Politiker, die sich blind den Entscheidungen der Wirtschaft hingeben, sind unseres Vertrauens nicht würdig.

Motto:

Meine Bilder kann man kaufen. Meine Texte und meine Meinung nicht. D-J

Zufallsbild

40600092

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

20022015
hätte, hätte, fahrradkette kann schon...
erphschwester - 20. Feb, 00:32
puhh!
nochma glück gehabt.
erphschwester - 15. Feb, 11:19
Das
war nicht auf Ihre Kartoffeln bezogen. Das war eine...
pathologe - 15. Feb, 11:11
womit sie jetzt ...
... hoffentlich nicht sagen wollen, dass ich nicht...
erphschwester - 15. Feb, 09:55
Ich
fürchte: ja. (Gilt ja allgemein auch für...
pathologe - 15. Feb, 09:27
Meine Bilder kann man kaufen. Die Texte und meine Meinung nicht. D-J

Suche

 

Status

Online seit 3153 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 20. Feb, 00:32

Credits

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page

twoday.net AGB

kostenloser Counter


Geschichten aus dem Drinnen
Geschichten aus dem Lande und der Welt
vollkommen sinnfrei
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren