Freitag, 20. Februar 2015

20022015

hätte, hätte, fahrradkette



kann schon sein, nein!, ziemlich sicher ist, dass ich mich wiederhole.

aber: ich steh ganz und gar nicht auf leute, die immer ganz genau wissen, wie MAN sich zu verhalten hat, was richtig und falsch ist und was sie in meiner situation gemacht HÄTTEN.



denn sie sind nicht in meiner situation, warens vielleicht nie und werdens vielleicht nie sein.

und sowieso sind sie ja nicht ich.

und, das sei am rande mal erwähnt, ICH SELBST weiss oft im vorhinein nicht, wie ich mich in manchen situationen verhalten würde. kommt auf die tagesform an. darauf, ob ich gerade stark bin oder eher nicht. ob mich was aus dem hinterhalt erwischt oder frontal. ob ich müde bin, kopfschmerzen habe oder überrascht werde von etwas, das ich für unmöglich oder überkommen hielt.



manchmal schäme ich mich, weil ich irgendwo nicht so genau wissen wollte, was da vor sich geht, statt herzhaft einzuschreiten. und manchmal erschrecke ich vor meiner eigenen impulsivität, die mich im wahrsten sinne des wortes den kopf hätte kosten können. und manchmal frage ich mich auch, warum denn AUSGERECHNET ICH etwas hätte unternehmen sollen, wo doch die anderen auch nichts taten.



all die anderen, die nichts tun, müssen ja irgendwo sein und herkommen. redet man mit den leuten, sind nicht sie die untätigen, sondern die, die HÄTTEN. da muss ein loch sein, in dem sich all die untätigen ständig verkriechen. oben in der öffentlichkeit sind immer nur die ICHHÄTTER.



wenn doch nur endlich mal einer dieses loch mit all den unsichtbaren untätigen zuschütten würde, damit da nur noch ICHHÄTTER wären. was wäre die welt doch für ein angenehmer ort.



vielleicht aber sollte man nur diesen dämlichen konjunktiv verbuddeln.

Samstag, 14. Februar 2015

14022015

Legenden (ein mädchenblog)



ich mag chanel nicht, auch nicht nr.5. ich mag nicht dieses theater um das kleine schwarze. (das kleine schwarze aber mag ich sehr.) und ich mag den karl nicht. den am allerwenigsten. seine geriertheit, seine hohen kragen (die doch nur ein meer von flatterfalten am hals verbergen sollen.), seine art, "mädchen" zu forcieren und irgendwann fallen zu lassen.



all das mag ich nicht.



aber ich mag diese damen ganz da oben unter den dächern von paris. die die stoffe streicheln, auch wenn es nur panneésamt ist statt richtiger (der liegt; richtiger steht). die noch in handarbeit sticheln, schicht um schicht. die glauben an eine bessere modewelt. (auch wenn das zeugs nur tragbar ist für größe 36) ich mag diese damen, die weitaus älter sind als karl es jemals bei seinen modells dulden würde. die tragen selbst eher größe 42 bis 44. aber sie können, was sie können, weshalb der karl auf sie nicht verzichten kann. und sie beherrschen ihr geschäft, eben weil sie älter sind als die damen später auf dem catwalk. ihr tun hat bestand. im gegensatz zu dem der dann eben nicht mehr ganz so schönen.

ich mag es, dass eben diese nicht mehr ganz jungen und ganz gewiss nicht so schönen damen so sehr glauben an das, was sie tun, dass sie aufgehen in ihrem tun, auf schlaf verzichten und so voller begeisterung sind.

denn die wahrhaftigkeit ihres tuns trägt sie über die jugend und schönheit hinweg.



da kann man von karl und chanel halten was man will.

Donnerstag, 12. Februar 2015

12022015

PH = √ (e2 + ve2)(d2) + (cg + dr)2 + π ...

nein, ich bin NICHT unter die wissenschaftler geraten.
vielmehr war ich auf der suche nach meinungen.
zu gepflogenheiten des alltags.
und der frage:
richtig oder falsch?

Problem:
als mensch, der täglich mit allerhand anderen zu tun hat, frage ich mich, gerade jetzt in der erkältungszeit, hände schütteln oder nicht?
und ich lese da, dass dies in unserem kulturkreis eine vertrauensbildende geste ist. erfahre darüber hinaus, dass ein händedruck über sympathie und antipathie entscheiden kann, dass hände drücken - eingebildet oder echt - informationen über den charakter des gegenübers liefert. zudem erfahre ich, dass warme oder kalte hände zu jeweils anderen entscheidungen führen und ein händedruck geschäftliche verhandlungen fairer macht.

so weit, so gut.
und wie ist es nun mit dem infektionsrisiko?
das, klar, vergrößert sich immens. nicht nur durch erkältungen, sondern auch durch menschen, die nach dem toilettenbesuch keine hände waschen (immerhin zwei drittel der männer und immernoch ein drittel der frauen). ich selbst kenne eine, die ihr nicht-hände-waschen mit den keimen am wasserhahn begründet. die toilettentür fasst sie allerdings ohne bedenken an. :/
bei meiner recherche stoße ich auf berichte von amerikanischen politikern, die im wahlkampf massenhaft hände schütteln (wir erinnern uns an die vertrauensbildung! der rekord liegt übrigens bei 1200 hand-shakes in einer stunde.), um hernach in einem unbeobachteten moment ihr allzeit bereites desinfektionsmittel zu zücken. dass sie dabei krankheiten unter ihrem wahlvolk verteilten, spielt angesichts des gebildeten vertrauens eine untergeordnete rolle.
und ich erfahre, dass tierärzte dazu übergehen, kleinere chirurgische eingriffe im häuslichen umfeld vorzunehmen. denn die keime zu hause (die es -natürlich! - trotz aller sauerbeit gibt) seien die tiere gewöhnt. die gefahr von wundinfektionen sinke hierdurch ganz erheblich.

und jetzt habe ich den salat:
entscheide ich mich nun für vertrauensbildung oder für infektionsreduzierung?

die formel da oben ist übrigens die für den idealen hände druck. ;)

Mittwoch, 11. Februar 2015

11022015

du kannst die vergangenheit nicht ändern



... ist die erkenntnis der heutigen zeit. gedanklich spielen wir die sache mit der einstein-rosen-brücke durch und landen bei einer jungfrau: gucken (in die vergangenheit), ja, aber nicht anfassen oder gar ändern.

die vergangenheit also eine jungfrau? (und das meine ich eher mental, denn wir sind natürlich alles andere als jungfräulich.) und doch verändert sie sich ja, täglich. indem wie an ihr "arbeiten", sie stück um stück vergessen oder umschreiben.

war die kindheit nun schön oder eher nicht? (haben wir das nicht-schöne nur verdrängt?)

oder - andersrum - haben jene, die ihre schwere kindheit beklagen, nur die schönen momente in den hintergrund gerückt?



das gleiche mit der ersten liebe, dem kinderkriegen (da, zum glück!, vergessen wir sehr rasch. andernfalls bekämen nur sehr wenige frauen mehr als eines.), trennung, tod.



vergessen, verdrängt? oder tatsächlich verarbeitet? im eigenen kopf zum besseren gewendet. wie auch immer dieses kunststück zu bewerkstelligen ist.



du kannst die vergangenheit nicht ändern?

nicht die fakten.

aber die eigene sicht darauf.



gott sei dank.



(solche gedanken passieren mir, wenn ich - mit rockmusik auf den ohren - stundenlang im atelier stehe und versuche, wolken und schneehügel zu malen. und dann begegnet mir, völlig erschöpft, denzel washington im kampf gegen das, was schon passiert ist. der verstand ist ein seltsames ding.)

Samstag, 25. Oktober 2014

25102014

Herr Juncker und dem Fischer syn Fru


Ich sah diese Woche den Herrn Juncker im Fernsehen. Sie wissen schon, den künftigen EU-Kommissionspräsidenten. Also nicht, dass das was Besonderes ist, den Herrn Juncker im Fernsehen zu sehen. Der ist da öfter. Weil so viele ihn mögen. Und weil er einen sagenhaften Aufstieg in der Politik gemacht und so viel zu Europa, wie es heute ist, beigetragen hat. Juncker gilt gern als der Stille und Bedachte, so dass ihm kleine Skandale noch weniger schaden als anderen Politikern. Und er hatte auch keine Scheu, sein luxemburgisches Wahlvolk gelegentlich nachdrücklich auf ihre Wahlpflichten aufmerksam zu machen, wobei er auch schon mal, so oder so, seinen Posten als Premier zur Disposition stellte. (Aber auch das haben andere schon getan.) Ihm selbst konnte nie etwas passieren, nehme ich an, weshalb es sich leicht so argumentieren lässt. J. hatte immer schon die Füße in mehreren Türen. Der brauchte nicht drauf zu warten, dass sich eine neue öffnete; er war immer schon halb drin.

Aber was wollte ich eigentlich sagen? Ahso: Juncker hat mich nie sonderlich interessiert, aber neulich, als ich ihn sah, hätte er mir nicht direkt gegenüber stehen dürfen. da sagte er:
"Volkswirtschaften, in denen nicht investiert wird, können nicht wachsen. Volkswirtschaften, die nicht wachsen, können keine Beschäftigung sicherstellen"

Erst einmal sagte ich "NEIN!". Ganz einfach in meine leere Stube hinein. Was ich gar nicht so selten tue, einfach mal sagen, was gesagt werden muss.
Und dann sortierte ich.
Herr Juncker, der also gern EU-Kommissionspräsident werden möchte, weiss ziemlich genau, warum bei den Europäern die Akzeptanz für Europa so gering ist. Denn Europa regelt so viel Klein-Klein-Kram, kümmert sich aber viel zu wenig um die großen Dinge. Juncker will weg von den Gurken-gerade-Biegern hin zum Mindestlohn für alle Europäer. Wobei Juncker vielleicht noch am Wenigsten das Wohl der derzeitigen Unter-Mindestlöhner, sondern den Absatz im Auge hat. (Wir erinnern uns: Erst Absatz bringt Profit.)

Und so werden wir auch im 21.Jahrhundert fröhlich weiter eine Politik praktizieren, die nichts anderes zur Folge hat, als unseren Planeten (der eben nicht mit wächst!) noch mehr zu verdrecken, noch mehr zu betonieren, noch mehr irgendwelchen Interessen unterzuordnen, die nicht die der Allgemeinheit sein können.
Übrigens hat Juncker in seiner gesamten Laufbahn noch ziemlich wenig zur Globalisierung gesagt. Woraus man herleiten könnte, dass es ihm noch am Wenigsten um die Menschen, sondern um Profite (auch persönliches Profitieren) geht. Was auch scheren ihn die Menschen in aller Welt, wo er doch schon seit jeher Politik in Europa macht?

Genau genommen scheren ihn vielleicht einmal die Menschen in Europa. Schließlich stammt von ihm das Zitat:

„Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, ob was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“

Zu dumm, dass immer mehr nun doch wegen TTIP aufschreien.

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Was das mit dem Fischer seiner Frau zu tun hat?
Naja, die wollte am Ende auch Gott sein.

Samstag, 24. Mai 2014

24052014

„Was ist schon demokratisch?“



So beginnt ein Brief, den ich heute von Lobbycontrol ( https://www.lobbycontrol.de/ ) erhielt.



Zitiert wird da Peter J.Esser, Vertreter der deutschen Industrie bei den TTIP-Verhandlungen. Er lacht zu diesem State und findet es offenbar ganz prima, dass das Wahlvolk zu Inhalt und Stand der Verhandlungen so im Unklaren gelassen wird. Und nicht nur das Wahlvolk. Angesichts mancher konkreter Fragestellung der letzten Tage an Politiker, die es besser wissen müssten, weil ihre Parteien für das TTIP sind, wenigstens ein bisschen, wurde klar, dass die Politik ebenso wenig involviert und informiert ist. Gleichwohl hört man aus den Reihen der Befürworter, dass das Abkommen Wohlstand und Arbeitsplätze schaffen soll und deswegen eine gute Sache ist.

Den Wohlstand glaube ich schon, aber gewiss nicht für jeden. Für solch eine wohlmeinende Meinung reicht die Art und Weise der quasi-geheimen Verhandlungen nicht aus. Denn bislang war ich es gewöhnt, selbst zu prüfen, was für mich selbst am Besten ist. Wenn da über meinen Kopf hinweg und jenseits auch nur meiner Kenntnis Dinge beschlossen werden sollen, dann sind diese Beschlüsse ja wohl keine, die auf mich zugeschnitten werden. Nicht, dass ich von Politik allzu viel in dieser Hinsicht erwarten würde.



Gleichwohl ist die strikte Geheimhaltung nicht allein einzigartig, wenn man bedenkt, dass die bislang nur wenig involvierte Politik sie dann in aller Konsequenz mittragen und durchsetzen müssen wird. Sie lässt bei mir auch alle Alarmglocken schrillen in Betrachtung dessen, wie heute Politik gemacht wird. Denn was wir bislang nur zögerlich zugeben mussten: dass nämlich Politik nie, aber auch nie von den Politikern gemacht wird, sondern von der sie umgebenden Lobby, tritt nun mit solcher unverblümten Klarzeit zutage, dass wir alle fürchterliche Angst kriegen sollten. Hier wird nicht einmal mehr der Schein gewahrt, sondern ganz offen das wirtschaftliche Interesse in den Vordergrund geschoben.



Und: Wenn – ich wage angesichts der konsequenten Geheimhaltung zu behaupten: absichtlich durchgesickerte – Informationen über Chlorhähnchen, Genmais etc. uns schon empören, reicht mein Vorstellungsvermögen nicht aus für das, was sonst noch im „Paket“ drin steckt. Was ist mit der Überwachung von Pharmaerzeugnissen, der Kulturförderung, gar nicht zu reden von „falschen Gesetzen“, die ganze Nationen in den Ruin treiben können?



Mehr denn je bin ich der Meinung, dass ich diese Kröte nicht schlucken will.

Und mehr denn je bin ich davon überzeugt, dass wir vor dem morgigen Tage – möglicherweise auch unabhängig von sonstigen politischen Präferenzen – prüfen müssen, wie UNSERE PARTEI zum TTIP steht. Denn Politiker, die sich blind den Entscheidungen der Wirtschaft hingeben, sind unseres Vertrauens nicht würdig.

Mittwoch, 30. April 2014

30042014

tag x vor einem langen wochenende und die frage: ist die woche immer so anstrengend wie sie lang ist? also auch, wenn sie kurz ist?
so oder so: ich, die ihren job durchaus mag, weil menschen eine tolle sache sind, vielfältig, meistens nett und nie langweilig, ich liege am boden und finde sie an diesem einen tag einfach nur anstrengend. und der tag ist noch lange nicht zu ende. noch einmal so lange muss ich (und will es ja auch) jedem begegnen, als wäre er der erste.

sonne ist nicht da, aber luft. und wenigstens regnet es nicht. fünf minuten nur tief durchatmen. dann ist wieder alles gut und frisch und neu.

ich schaue in das grau da oben, das nicht einmal für betrachtungen über tolle wolkenformationen gut ist. und in einer rotphase der ampel, als ruhe einkehrt, höre ich ihn: meinen mittwochsfreund. diesen gesichtslosen, gleichwohl ausdrucksstarken tönemaler aus der musikschule. saxophonist jenseits der anfängerriege, der in all diesem grau bilder in meinen kopf malt. nächtliche szenen in rauchigen jazzkneipen, irgendwann vor ein paar jahrzehnten. das bunte publikum sitzt, raucht, trinkt, lauscht intensiv, swingt so ein bisschen mit (aber nicht zu sehr).
EASY GOING.

und dann sehe ich tom hanks, wie er sich jeden tag ein bisschen mehr im TERMINAL einrichtet, wo man ihn nicht heraus lässt, weil bei ihm zu hause gerade chaos und er ein niemand ist. geduldig wartet er. weil er dieses eine autogramm noch braucht. und er kriegt es . ohne mehr von dieser wahnsinns-stadt gesehen zu haben als man eben vom taxi aus sehen kann. auch die frau kriegt er nicht. (aber irgendwie war das klar!)

---
fünf minuten draussen unter grauem himmel, allein mit dem saxophonisten.

ich wüsste schon gern, wie er aussieht.

Mittwoch, 9. April 2014

09042014

Ich erinnere mich selbst als ein ziemlich ängstliches Kind. Während meine allesamt älteren Geschwister besonders im sportlichen Bereich (eine von ihnen ging sogar in die Sportschule!) stets sehr gewagte Dinge unternahmen, bewegte ich mich sehr vorsichtig durch die Welt.

So glaubte ich bis heute.

Aber dann las ich Reginas Blog über diesen Orgelspieler und erinnerte mich, wie ich zum ersten Mal ein Orgelkonzert hörte.



Ich war zwölf und hatte begonnen, meine Kreise zu vergrößern. Anders als die Kinder aus der Nachbarschaft, die sich im Hof trafen und dann bestenfalls zur nahe liegenden Gartenanlage, dem Sportplatz oder zum ebenfalls nicht weit entfernten Baggersee gingen, zog es mich in die Stadtmitte. Ich durchstreifte die Altstadt, las alte Hausinschriften, stieg die vielen Stufen bis zum Dom hoch, machte meine erste Domführung mit und fand es alles in allem aufregend, in einer solch geschichtsträchtigen Stadt zu wohnen. Dabei interessierte mich der Geschichtsunterricht in der Schule ganz und gar nicht. Denn all das, was ich dort erfuhr, hatte nichts mit mir zu tun. Diese Stadt aber, in der ich lebte, hatte sehr wohl mit mir zu tun. Ich war ein Teil von ihr und sie irgendwann sehr bald auch einer von mir. Sehr schnell wusste ich, dass sie 42 Kirchen hatte, von denen noch 36 „in Betrieb“ waren. Und sehr bald hatte ich die wichtigsten dieser vielen Kirchen von innen gesehen.

Was insofern an Bedeutung gewann, als wir von Haus aus nicht religiös waren.

(Mit gutem Grund: Mein Vater, als geborener Oberschlesier strenger Katholik, meldete sich nach seiner Ankunft aus der Kriegsgefangenschaft bei dem für ihn zuständigen Pfarrer. Vielleicht erhoffte er sich Hilfe in seiner Heimatlosigkeit? Vielleicht wollte er Anschluss in dieser für ihn fremden Stadt? Als der Pfarrer ihn jedoch auf die Kirchensteuer ansprach, die für die Jahre der Kriegsteilnahme und Kriegsgefangenschaft nachzuentrichten sei, vermisste mein Vater den „christlichen Geist“. Es hatte den Pfarrer nur wenig interessiert, was alles mein Vater in dieser Zeit erlebt hatte; er drang auf die Nachzahlung und mein Vater daraufhin auf den Kirchenaustritt.)



Irgendwann kam ich in eine Kirche, in der der Organist gerade übte. Und ich fragte mich, wie herrlich diese Musik erst klingen müsse, wenn er in allem Ernst spielte. Denn üben heisst ja doch, noch nicht richtig beherrschen, noch mangelhaft sein. Und ich sah, dass am selben Abend ein Konzert stattfinden würde. Sogar kostenlos, was insofern wichtig war, als ich nur fünf Mark Taschengeld im Monat bekam. Den Eintritt für eine solch großartige Musik würde ich keinesfalls bezahlen können. Und nun sollte ich sie umsonst bekommen!

Denn natürlich war klar, dass ich hingehen müsste, koste es (an familiärem Ärger), was es wolle. Denn die einzige Hürde, nachdem es keine finanzielle gab, war die Zeit, zu der das stattfand: Abends um sieben. Ohje! Da hätte eine Zwölfjährige längst zu Hause sein müssen und durfte auch nicht wieder weg gehen. Nicht um diese Zeit.



Also blieb ich in der Stadt, reihte mich zu gegebener Zeit in die wartenden Zuhörer ein, suchte mir einen Platz und staunte darüber, wie viele Menschen sich hier versammelten.

Und dann stürzte diese große Musik über mich herein. Das Programm bewahrte ich noch lange Zeit auf. Bach natürlich, Messiaen, ach, und noch so viele Namen, die ich vorher nie gehört hatte. Die Musik trug meine Gedanken und Gefühle in solche Höhen wie sie anders wohl nicht zu erreichen waren.



Nach einer Stunde war das Konzert zu Ende und die Gefühle von Seligkeit schwanden sehr schnell bei dem Gedanken, was mir wohl zu Hause passieren würde.

DA erwartete mich die Mutter, die wohl zwischen der erlittenen Besorgnis und dem Glück, dass dem Kind nichts passiert war, hin und her schwankte. Als sie den Rest des seligen Glanzes in meinen Augen sah, ich ihr das Programm zum Beweis in die Hand gedrückt und sehr bestimmt gesagt hatte, dass DAS nichts Schlimmes war, im Gegenteil, und dass ich wieder hin gehen würde an jedem Mittwoch, den dieser Orgelsommer zu bieten hatte, war sie überzeugt, dass nichts Schlimmes und Gefährliches gewesen war.



Tatsächlich durfte ich hin gehen, den ganzen Sommer lang

Motto:

Meine Bilder kann man kaufen. Meine Texte und meine Meinung nicht. D-J

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