Samstag, 25. Oktober 2014

25102014

Herr Juncker und dem Fischer syn Fru


Ich sah diese Woche den Herrn Juncker im Fernsehen. Sie wissen schon, den künftigen EU-Kommissionspräsidenten. Also nicht, dass das was Besonderes ist, den Herrn Juncker im Fernsehen zu sehen. Der ist da öfter. Weil so viele ihn mögen. Und weil er einen sagenhaften Aufstieg in der Politik gemacht und so viel zu Europa, wie es heute ist, beigetragen hat. Juncker gilt gern als der Stille und Bedachte, so dass ihm kleine Skandale noch weniger schaden als anderen Politikern. Und er hatte auch keine Scheu, sein luxemburgisches Wahlvolk gelegentlich nachdrücklich auf ihre Wahlpflichten aufmerksam zu machen, wobei er auch schon mal, so oder so, seinen Posten als Premier zur Disposition stellte. (Aber auch das haben andere schon getan.) Ihm selbst konnte nie etwas passieren, nehme ich an, weshalb es sich leicht so argumentieren lässt. J. hatte immer schon die Füße in mehreren Türen. Der brauchte nicht drauf zu warten, dass sich eine neue öffnete; er war immer schon halb drin.

Aber was wollte ich eigentlich sagen? Ahso: Juncker hat mich nie sonderlich interessiert, aber neulich, als ich ihn sah, hätte er mir nicht direkt gegenüber stehen dürfen. da sagte er:
"Volkswirtschaften, in denen nicht investiert wird, können nicht wachsen. Volkswirtschaften, die nicht wachsen, können keine Beschäftigung sicherstellen"

Erst einmal sagte ich "NEIN!". Ganz einfach in meine leere Stube hinein. Was ich gar nicht so selten tue, einfach mal sagen, was gesagt werden muss.
Und dann sortierte ich.
Herr Juncker, der also gern EU-Kommissionspräsident werden möchte, weiss ziemlich genau, warum bei den Europäern die Akzeptanz für Europa so gering ist. Denn Europa regelt so viel Klein-Klein-Kram, kümmert sich aber viel zu wenig um die großen Dinge. Juncker will weg von den Gurken-gerade-Biegern hin zum Mindestlohn für alle Europäer. Wobei Juncker vielleicht noch am Wenigsten das Wohl der derzeitigen Unter-Mindestlöhner, sondern den Absatz im Auge hat. (Wir erinnern uns: Erst Absatz bringt Profit.)

Und so werden wir auch im 21.Jahrhundert fröhlich weiter eine Politik praktizieren, die nichts anderes zur Folge hat, als unseren Planeten (der eben nicht mit wächst!) noch mehr zu verdrecken, noch mehr zu betonieren, noch mehr irgendwelchen Interessen unterzuordnen, die nicht die der Allgemeinheit sein können.
Übrigens hat Juncker in seiner gesamten Laufbahn noch ziemlich wenig zur Globalisierung gesagt. Woraus man herleiten könnte, dass es ihm noch am Wenigsten um die Menschen, sondern um Profite (auch persönliches Profitieren) geht. Was auch scheren ihn die Menschen in aller Welt, wo er doch schon seit jeher Politik in Europa macht?

Genau genommen scheren ihn vielleicht einmal die Menschen in Europa. Schließlich stammt von ihm das Zitat:

„Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, ob was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“

Zu dumm, dass immer mehr nun doch wegen TTIP aufschreien.

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Was das mit dem Fischer seiner Frau zu tun hat?
Naja, die wollte am Ende auch Gott sein.

Donnerstag, 12. Juni 2014

12062014

Siesta





Ich habe geträumt von Zuckerschnecken.

Zwei Daumen dick, mit Streuseln drauf und einem Zuckerguss, der die Schneckenwindung und Streuseln nurmehr ahnen ließ. So dick war der.



Es war Sonntag und die Famile rüstete sich zum Ausflug. Weisse Söckchen, Sandalen, ein rosa Kleid und der Bahnhof. Nicht so ein Mitropa-Zeugs, sondern fein. Man geht hin, um die Sonntagsgarderobe auszuführen und sich an der Kühle unter der hohen Bahnhofskuppel zu laben. Irgendwo im Hintergrund schnaufen Dampfloks.



Und während ich förmlich die Knusprigkeit der ofenfrischen Zuckerschnecke zwischen den Zähnen knacken höre, denke ich an meine Kindheit.

Solche Bahnhofsrestaurants kenne ich ja nur aus Ungarn. Überall anders haben sie den Charme tatsächlich von Mitropa. Alles ein bisschen billig, ein bisschen schmuddelig (einschließlich der Kellner, die nicht so ganz weiße Kochjacken trugen und vermutlich auch in der Küche mittaten.)



Nicht so dieses eine in Budapest am Westbahnhof (Nyugati pályaudvar ), das eine Pracht hatte, wie sich Hänschen Ostdeutscher die Wiener Caféhäuser vorstellt. Nur größer, höher, lichter.

Kellner wie Könige, die Frauen noch den Stuhl zurechtschoben, und an eigens dafür gemachten Ständern hingen Tageszeitungen auf eine Holzleiste gezogen, so dass man sie wie ein Buch blättern konnte.

„Kérem Szépen!“ (Da wusste man nicht, ob ihnen die gefühlten zwanzig „e“ oder der natürliche ungarische Charme das breite Lächeln auf die Gesichter trieb.)

Und während man auf die Karte, das Getränk etc. wartete, lag in der Luft ein Duft von Fekete und Gurkensalat. (Unter Fekete lese ich im Wörterbuch nurmehr alles, was schwarz ist bis hin zum Schwarztee. Nicht jedoch diesen Kaffee in winzigkleinen Tassen, der in diesen kleinen Maschinen von unten her bedampft und nicht von oben betropft wurde. Gibt es den heute nicht mehr???)



Ich erinnere mich: Ich war zwölf, mit den Eltern in Budapest unterwegs, die mich behüteten wie ihr Augäpfelchen, denn da schauten schon junge Männer von Anfang zwanzig nach mir. Heute frage ich mich, ob das an den Hotpants lag oder an den (echten) Korkenzieherlöckchen, die ich vor kurzem erst bekommen hatte, als wollte mich die Natur der Männerwelt erst richtig schmackhaft machen. („Wie eine Madonna!“, sagten die Bekannten meiner Eltern mit wohlwollendem Blick.) Wir standen an der Straßenbahnhaltestelle, warteten. Die Bahn kam, ich stieg ein und sah erst angesichts der sich schließenden Tür, dass die Eltern draußen noch am Diskutieren waren. Durchaus ein braves Kind, zögerte ich einen Moment lang, was ich tun sollte, denn ich hatte kein Geld zum Bezahlen der Fahrt. Sehr schnell entschied ich: Wenn schon, dann richtig schwarz fahren. Und ich wusste ja, wohin wir wollten: Eben zum Westbahnhof. Also fuhr ich die vier oder fünf Stationen und wartete, wartete, wartete …

Schließlich verlor ich die Lust, an der Haltestelle zu warten. Drüben, über die Straße, war dieser wunderschöne Bahnhof und … Schatten. Sehr viel später, ich war am internationalen Zeitungsstand hängen geblieben – riß mich jemand rum (jetzt gibt’s eine Backpfeife, dachte ich, und auch Mutter schien in dieser Sache gespalten), hielt mich einen Moment lang an den Oberarmen, um mich sogleich zu umarmen. (Gottseidank! Kind war nichts passiert.)



Das war der Tag, ab dem ich immer einen Hundert-Forint-Schein bei mir hatte. Was eine Menge Geld war zu dieser Zeit.

Und ich erfuhr auch, warum es so lange gedauert hatte, dass meine Eltern mich fanden: An jeder Haltestelle waren sie ausgestiegen und hatten nach mir Ausschau gehalten, mussten jedes Mal auf eine neue Bahn warten und wurden jedes Mal verzweifelter.

Ich, hoch erstaunt, fragte nur, warum ich „irgendwo“ hätte aussteigen sollen, wo ich doch wusste, wohin es geht.

Ich fühlte mich unterschätzt, was ich als Jüngste wohl immer auch war. Das Nesthäkchen halt, das man angesichts der quasi-erwachsenen anderen Kinder immer für ein bisschen fürsorgebedürftiger hält als es tatsächlich ist.



Aber all diese Gedanken kamen mir erst, nachdem ich aufwachte.

Im Halbschlaf murmele ich: „Zuckerschnecken“.



Ja, ich hab geträumt von Zuckerschnecken.

Und weil ich keine habe, tuts auch ein Gurkensalat.

Und dazu einen Klecks von dem Gulasch, das ich heute mittag kochte und das schon sehr etwas Ungarisches hat.




ps. mein vater, der hier nur eine stumme nebenrolle spielt, was mitnichten seiner echten entsprach, wäre heute 92 geworden.)

Samstag, 24. Mai 2014

24052014

„Was ist schon demokratisch?“



So beginnt ein Brief, den ich heute von Lobbycontrol ( https://www.lobbycontrol.de/ ) erhielt.



Zitiert wird da Peter J.Esser, Vertreter der deutschen Industrie bei den TTIP-Verhandlungen. Er lacht zu diesem State und findet es offenbar ganz prima, dass das Wahlvolk zu Inhalt und Stand der Verhandlungen so im Unklaren gelassen wird. Und nicht nur das Wahlvolk. Angesichts mancher konkreter Fragestellung der letzten Tage an Politiker, die es besser wissen müssten, weil ihre Parteien für das TTIP sind, wenigstens ein bisschen, wurde klar, dass die Politik ebenso wenig involviert und informiert ist. Gleichwohl hört man aus den Reihen der Befürworter, dass das Abkommen Wohlstand und Arbeitsplätze schaffen soll und deswegen eine gute Sache ist.

Den Wohlstand glaube ich schon, aber gewiss nicht für jeden. Für solch eine wohlmeinende Meinung reicht die Art und Weise der quasi-geheimen Verhandlungen nicht aus. Denn bislang war ich es gewöhnt, selbst zu prüfen, was für mich selbst am Besten ist. Wenn da über meinen Kopf hinweg und jenseits auch nur meiner Kenntnis Dinge beschlossen werden sollen, dann sind diese Beschlüsse ja wohl keine, die auf mich zugeschnitten werden. Nicht, dass ich von Politik allzu viel in dieser Hinsicht erwarten würde.



Gleichwohl ist die strikte Geheimhaltung nicht allein einzigartig, wenn man bedenkt, dass die bislang nur wenig involvierte Politik sie dann in aller Konsequenz mittragen und durchsetzen müssen wird. Sie lässt bei mir auch alle Alarmglocken schrillen in Betrachtung dessen, wie heute Politik gemacht wird. Denn was wir bislang nur zögerlich zugeben mussten: dass nämlich Politik nie, aber auch nie von den Politikern gemacht wird, sondern von der sie umgebenden Lobby, tritt nun mit solcher unverblümten Klarzeit zutage, dass wir alle fürchterliche Angst kriegen sollten. Hier wird nicht einmal mehr der Schein gewahrt, sondern ganz offen das wirtschaftliche Interesse in den Vordergrund geschoben.



Und: Wenn – ich wage angesichts der konsequenten Geheimhaltung zu behaupten: absichtlich durchgesickerte – Informationen über Chlorhähnchen, Genmais etc. uns schon empören, reicht mein Vorstellungsvermögen nicht aus für das, was sonst noch im „Paket“ drin steckt. Was ist mit der Überwachung von Pharmaerzeugnissen, der Kulturförderung, gar nicht zu reden von „falschen Gesetzen“, die ganze Nationen in den Ruin treiben können?



Mehr denn je bin ich der Meinung, dass ich diese Kröte nicht schlucken will.

Und mehr denn je bin ich davon überzeugt, dass wir vor dem morgigen Tage – möglicherweise auch unabhängig von sonstigen politischen Präferenzen – prüfen müssen, wie UNSERE PARTEI zum TTIP steht. Denn Politiker, die sich blind den Entscheidungen der Wirtschaft hingeben, sind unseres Vertrauens nicht würdig.

Mittwoch, 30. April 2014

30042014

tag x vor einem langen wochenende und die frage: ist die woche immer so anstrengend wie sie lang ist? also auch, wenn sie kurz ist?
so oder so: ich, die ihren job durchaus mag, weil menschen eine tolle sache sind, vielfältig, meistens nett und nie langweilig, ich liege am boden und finde sie an diesem einen tag einfach nur anstrengend. und der tag ist noch lange nicht zu ende. noch einmal so lange muss ich (und will es ja auch) jedem begegnen, als wäre er der erste.

sonne ist nicht da, aber luft. und wenigstens regnet es nicht. fünf minuten nur tief durchatmen. dann ist wieder alles gut und frisch und neu.

ich schaue in das grau da oben, das nicht einmal für betrachtungen über tolle wolkenformationen gut ist. und in einer rotphase der ampel, als ruhe einkehrt, höre ich ihn: meinen mittwochsfreund. diesen gesichtslosen, gleichwohl ausdrucksstarken tönemaler aus der musikschule. saxophonist jenseits der anfängerriege, der in all diesem grau bilder in meinen kopf malt. nächtliche szenen in rauchigen jazzkneipen, irgendwann vor ein paar jahrzehnten. das bunte publikum sitzt, raucht, trinkt, lauscht intensiv, swingt so ein bisschen mit (aber nicht zu sehr).
EASY GOING.

und dann sehe ich tom hanks, wie er sich jeden tag ein bisschen mehr im TERMINAL einrichtet, wo man ihn nicht heraus lässt, weil bei ihm zu hause gerade chaos und er ein niemand ist. geduldig wartet er. weil er dieses eine autogramm noch braucht. und er kriegt es . ohne mehr von dieser wahnsinns-stadt gesehen zu haben als man eben vom taxi aus sehen kann. auch die frau kriegt er nicht. (aber irgendwie war das klar!)

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fünf minuten draussen unter grauem himmel, allein mit dem saxophonisten.

ich wüsste schon gern, wie er aussieht.

Mittwoch, 9. April 2014

09042014

Ich erinnere mich selbst als ein ziemlich ängstliches Kind. Während meine allesamt älteren Geschwister besonders im sportlichen Bereich (eine von ihnen ging sogar in die Sportschule!) stets sehr gewagte Dinge unternahmen, bewegte ich mich sehr vorsichtig durch die Welt.

So glaubte ich bis heute.

Aber dann las ich Reginas Blog über diesen Orgelspieler und erinnerte mich, wie ich zum ersten Mal ein Orgelkonzert hörte.



Ich war zwölf und hatte begonnen, meine Kreise zu vergrößern. Anders als die Kinder aus der Nachbarschaft, die sich im Hof trafen und dann bestenfalls zur nahe liegenden Gartenanlage, dem Sportplatz oder zum ebenfalls nicht weit entfernten Baggersee gingen, zog es mich in die Stadtmitte. Ich durchstreifte die Altstadt, las alte Hausinschriften, stieg die vielen Stufen bis zum Dom hoch, machte meine erste Domführung mit und fand es alles in allem aufregend, in einer solch geschichtsträchtigen Stadt zu wohnen. Dabei interessierte mich der Geschichtsunterricht in der Schule ganz und gar nicht. Denn all das, was ich dort erfuhr, hatte nichts mit mir zu tun. Diese Stadt aber, in der ich lebte, hatte sehr wohl mit mir zu tun. Ich war ein Teil von ihr und sie irgendwann sehr bald auch einer von mir. Sehr schnell wusste ich, dass sie 42 Kirchen hatte, von denen noch 36 „in Betrieb“ waren. Und sehr bald hatte ich die wichtigsten dieser vielen Kirchen von innen gesehen.

Was insofern an Bedeutung gewann, als wir von Haus aus nicht religiös waren.

(Mit gutem Grund: Mein Vater, als geborener Oberschlesier strenger Katholik, meldete sich nach seiner Ankunft aus der Kriegsgefangenschaft bei dem für ihn zuständigen Pfarrer. Vielleicht erhoffte er sich Hilfe in seiner Heimatlosigkeit? Vielleicht wollte er Anschluss in dieser für ihn fremden Stadt? Als der Pfarrer ihn jedoch auf die Kirchensteuer ansprach, die für die Jahre der Kriegsteilnahme und Kriegsgefangenschaft nachzuentrichten sei, vermisste mein Vater den „christlichen Geist“. Es hatte den Pfarrer nur wenig interessiert, was alles mein Vater in dieser Zeit erlebt hatte; er drang auf die Nachzahlung und mein Vater daraufhin auf den Kirchenaustritt.)



Irgendwann kam ich in eine Kirche, in der der Organist gerade übte. Und ich fragte mich, wie herrlich diese Musik erst klingen müsse, wenn er in allem Ernst spielte. Denn üben heisst ja doch, noch nicht richtig beherrschen, noch mangelhaft sein. Und ich sah, dass am selben Abend ein Konzert stattfinden würde. Sogar kostenlos, was insofern wichtig war, als ich nur fünf Mark Taschengeld im Monat bekam. Den Eintritt für eine solch großartige Musik würde ich keinesfalls bezahlen können. Und nun sollte ich sie umsonst bekommen!

Denn natürlich war klar, dass ich hingehen müsste, koste es (an familiärem Ärger), was es wolle. Denn die einzige Hürde, nachdem es keine finanzielle gab, war die Zeit, zu der das stattfand: Abends um sieben. Ohje! Da hätte eine Zwölfjährige längst zu Hause sein müssen und durfte auch nicht wieder weg gehen. Nicht um diese Zeit.



Also blieb ich in der Stadt, reihte mich zu gegebener Zeit in die wartenden Zuhörer ein, suchte mir einen Platz und staunte darüber, wie viele Menschen sich hier versammelten.

Und dann stürzte diese große Musik über mich herein. Das Programm bewahrte ich noch lange Zeit auf. Bach natürlich, Messiaen, ach, und noch so viele Namen, die ich vorher nie gehört hatte. Die Musik trug meine Gedanken und Gefühle in solche Höhen wie sie anders wohl nicht zu erreichen waren.



Nach einer Stunde war das Konzert zu Ende und die Gefühle von Seligkeit schwanden sehr schnell bei dem Gedanken, was mir wohl zu Hause passieren würde.

DA erwartete mich die Mutter, die wohl zwischen der erlittenen Besorgnis und dem Glück, dass dem Kind nichts passiert war, hin und her schwankte. Als sie den Rest des seligen Glanzes in meinen Augen sah, ich ihr das Programm zum Beweis in die Hand gedrückt und sehr bestimmt gesagt hatte, dass DAS nichts Schlimmes war, im Gegenteil, und dass ich wieder hin gehen würde an jedem Mittwoch, den dieser Orgelsommer zu bieten hatte, war sie überzeugt, dass nichts Schlimmes und Gefährliches gewesen war.



Tatsächlich durfte ich hin gehen, den ganzen Sommer lang

Mittwoch, 26. März 2014

...

"aber er ist doch mein bester freund ...", hast du, das gesicht verschwollen, die augen noch rot von den tränen der letzten tage, vor dich hin gesagt. und schon begann es wieder zu tröpfeln, weil du wusstest, diese lücke würdest du vielleicht nie, wenigstens aber sehr, sehr lange zeit nicht schließen können.


--------------
schon zwei monate später raspeltest du dem anderen süßholzartig ins ohr:
"du wirst mich doch an meinem geburtstag nicht allein lassen?".
woraufhin er beteuerte, dass er dies natürlich keinesfalls und nie täte, und dich dann fragte, was du für ein geschenk wolltest.
"reizwäsche?"
du hast sogar durchs telefon hörbar mit den augen gerollt, geschnaubt und mitgeteilt, dass du "son zeug" genügend hättest.
nein, nein, du wolltest so ein technisches dingens, so ein verrücktes, das nicht jeder habe.

das wetter am abend deines geburtstages war großartig, verdeck-offen-wetter, halterlose-strümpfe-wetter, orange-roter-himmel-mit- ballons-dran-wetter.
während ihr in den sonnenuntergang gefahren seid, erzählte er, dass er einen streit vom zaune gebrochen habe (sich mit seiner frau zu streiten, sei so einfach) und dann türenknallend davon gegangen sei.

das kind im manne war wohl so stolz auf diese list, dass er vergaß, die form zu wahren, die da lautete: ich (er) bin ein getrennt lebender mann, der sich schon lange nicht mehr mit seiner frau versteht, aber des kindes wegen ("der kleine würde zerbrechen!") nach aussen die fassade hält. meine frau und ich sind uns in dieser sache einig.

er fuhr ein bisschen sehr lang und du fragtest, wie lange er das noch tun wolle. dort sei ein nettes hotel gewesen und da auch. und hier das sähe doch auch sehr hübsch aus.
nein, nein, meinte er. das wäre noch zu nahe. da könnte man noch bekannte treffen.

gelandet seid ihr schließlich in einem motel an einer autobahn-raststätte. was nun nicht unbedingt deine erste wahl gewesen wäre. dass er das zimmer vorab bezahlen musste, amüsierte dich. und natürlich hattest du "nach dieser langen fahrt" schrecklichen hunger, warst sogar letztlich erstaunt über das doch ganz ordentliche speisenangebot.
schließlich im zimmer angekommen, beklagtest du dich erst über den verschlampten motel-charme und verkündetest, dass deine kopfschmerzen inzwischen unerträglich seien. und sowieso hättest du dir deinen geburtstag anders vorgestellt, großartig und nicht so billig. verzweifelt hast du in der winzigen handtasche nach tabletten gekramt und schließlich verlangt, umgehend nach hause zu wollen.

verbissen und wortlos fuhr er dich heim. nur einmal fragte er, ob die tankstelle da - da wart ihr schon wieder bei dir im ort - auch geldkarten nähme. du hast bejaht, aber gleichzeitig nicht ohne häme darauf hingewiesen, dass man aber dann auf dem kontoauszug sähe, wo er getankt habe. da knallte er die schon offene tür wieder zu und meinte, er käme schon bis zu seinem kumpel (bei dem "gewesen" zu sein er sich schon stunden vorher vorgenommen hatte).


nach dem doch reichlich kühlen abschied vor deiner tür hast du, gemütlich auf deiner couch sitzend, sinniert, dass er sich die illusion eines freien, wohlhabenden mannes ein paar hunderter hat kosten lassen. wäre er ehrlich gewesen, hättest du es ihm ja gesagt, von anfang an, dass du dich nie mit einem verheirateten mann abgeben würdest.

Samstag, 22. März 2014

22032014

ich werde von wildem vogelgezwitscher und klopfen gegen meine fensterscheibe geweckt, schaue nach draussen und sehe es bindfäden regnen.

manchmal, denke ich, spielt das wetter der politik in die hand.
denn natürlich demonstriert es sich bei schönem wetter besser und der gute wille ist einfach gegenwärtiger, wenn die sonne scheint. bei gutem wetter entwickelt sich so eine friedliche demo zu so einer art volksfest, während diese bindfäden da einen - trotz regenkleidung - binnen kurzem vollkommen durchnässen und die plakate sowie anderes zubehör zerstören.

dabei ist und bleibt der gegenstand der sache es wohl wert: während allerhand alternativstrom-nutzer so stolz darauf sind, dass sie für ihren windstrom bewusst so viel zahlen, ist ihnen der trick gar nicht bewusst: natürlich kann ich leicht die eine sache teurer und die andere billiger machen, wenn die staatlichen subventionen so unterschiedlich gestreut sind. hier: es wird das vierfache der subventionen in herkömmliche energien (kohle-/atomstrom) gestopft und obendrauf noch eine lüge gepackt: herkömmlicher strom sei zur bedarfsdeckung nötig. was einfach nicht stimmt. die deutschen stromhersteller exportieren massenweise.
gar nicht zu reden von den folgekosten für die gesundheit, die sich aus der herstellung eben des stroms ergeben, von dem wir uns erklärtermaßen eigentlich abwenden wollten.

während mir diese dinge durch den kopf gehen, will mir scheinen, der regen wird ein bissel weniger und am horizont klart es auf.

https://www.campact.de/energiewende/demo/protestieren-sie-mit/

Donnerstag, 20. März 2014

20032014

erinnerst du dich?
wir hatten nie geld, aber trotzdem so viel spaß.

an jenem tag, der so einer war wie heute, früher sommer, meintest du, wir müssten uns ganz unbedingt eine deiner seligen kindheitsstätten anschauen.
gegen den geldmangel stellten wir uns nahe beim bahnhof in eine geschäftsstraße und verkauften die von mir entworfenen taschen, die grade in mode und in keinem laden zu kaufen waren. während ich, ein kind an der hand und eines im wagen, nach polizisten ausschau hielt, scharten sich die frauen um dich und rissen dir die taschen fast aus der hand. die letzte, so eine kleine, durchsichtige mit einem herzchen drauf hast du einem kleinen mädchen geschenkt, dass ganz sehnsüchtig schaute und sich gar nicht losreißen konnte.

hernach im zug packten wir den vorbereiteten proviant aus und zählten die nach kauf der fahrkarte verbliebene hand voll münzen.

du führtest uns zu dem kleintierzoo, der dich damals, an der hand deines großvaters, so begeistert hatte. und auch die kinder waren ganz bei der sache.
beim ruderbootverleih schauten sie ein wenig skeptisch, als wir den zusammen geklappten kinderwagen hinein wuchteten. doch es ging gut.

erst flussauf und dann, zu fuß, durch den wald bergauf, später auf einer wiese sitzend mit blick auf das tal, schien die zeit still zu stehen. die große immer den weg voran hüpfend, der kleine im wechsel zwischen sich erstaunt umschauend und gelegentlich einnicken, war alles friede und harmonie.

das letzte stück weg nach oben zur burg war dann doch etwas mühseliger als gedacht. der tag, noch immer heiss, machte uns durstig. aber von der hand voll geld waren nach zoo, bockwurst und ruderboot nurmehr zehn pfennig übrig; ein glas brause aber kostete 16 pfennig.
du hattest keine scheu, der kellnerin das problem vorzutragen. und sie brachte ein glas brause, ohne ein großes drama drum zu machen, das wir vier, von hand zu hand reichend, in kleinen schlucken leerten.

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hernach war ich nie wieder dort (so einen tag kann man ja doch nicht wiederholen.) bis mir vor drei jahren eine kur da angeboten wurde.

ich erkannte den ort kaum wieder und tastete mich in den vom wetter ebenso gesegneten tagen nur langsam an das damalige gefühl heran. zur burg fuhren wir diesmal mit dem auto und die kellner dort hatten das alter unserer kinder. die hätten wahrscheinlich ohne ausreichend geld gar nichts gebracht.
ich habe dir eine ansichtskarte geschickt, obwohl ich nicht sicher war, ob die adresse noch stimmt.

Motto:

Meine Bilder kann man kaufen. Meine Texte und meine Meinung nicht. D-J

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