Sonntag, 26. April 2009

Sonntag

Stellen Sie sich vor, es ist Kirchenpredigt und Sie müssen nicht mehr hingehen ... weil Sie sie frei Haus geliefert kriegen, ganz in echt.
So geschieht es derzeit in Saudiarabien, wo man nicht nur den Gebetsruf, sondern die ganze Predigt per Lautsprecher überträgt. Für die, die nicht hingehen können.

"Sehr löbliche Sache!", sagen Sie als tiefreligiöser Mensch?
Äääh, nunja, aber was sagt Ihr Nachbar, der vielleicht nicht oder zumindest nicht an diesen Gott glaubt?
Der muss da durch!, wenigstens in Saudiarabien. Denn die Lautsprecher dort haben eine Reichweite von bis zu 5 Kilometern. Im schlimmsten Fall hört man da, wenn man wirklich hingeht, nicht den echten Muezzin, sondern nur den Lautsprecher. Und wenn man, so wie ich, 200 Meter Luftlinie von der Kirche entfernt wohnt, wird man zwangsmissioniert.

Das geht zu weit, sagen nun auch die saudiarabischen Behörden und schicken Lautsprecherkontrolleure los, die das Ganze ein wenig dämpfen sollen.

Ich meine: Einen Dämpfer sollten wir auch hierzulande diesem und jenem nicht nur und noch am wenigsten den Kirchen verpassen.

Nr.50

40600013-

Samstag, 25. April 2009

Andere Welten

Man möchte ja meinen, die Welt sei vielfältig und bunt. So sagen die das immer und haben sogar Lieder drüber gemacht. Aber in Wahrheit gibt es so viele Themen nicht, über die man sich auslassen könnte. (Nun gut, man könnte, aber irgendwie wird doch immer nur über das Gleiche geredet.)

Jedenfalls behauptete mein Zeitungshändler heute, dass irgendwann - und zwar bald - alles hier in chinesischer Hand sein würde. Was weder ihn, noch mich sonderlich zuversichtlich stimmte. Schließlich haben die armen gelben Kerlchen ja jetzt nun nicht mehr so dieses Riesenwachstum wie noch vor nicht allzu langer Zeit. Behaupten jedenfalls sie selbst. Sechs Prozent hauen die nicht vom Hocker, weil es ja letzthin noch dreißig Prozent gewesen sind. Bei sechs Prozent kriegt der gewöhnliche chinesische Unternehmer schon Existenzängste und schaut sich um, was anderswo "drin" ist.
Anderswo, das ist sowohl Amerika, als auch Europa, wo man wiederum vor nicht allzu langer Zeit meinte, dass China die Zukunft ist. Die Amerikaner, die es ja mit allem so fürchterlich übertreiben müssen, schickten ihre Kinder schon vor Jahren in englisch-chinesische Kindergärten, damit die Kleinen mal weltmarktfähig sind. Abgesehen davon, dass Zweisprachigkeit nie wirklich schaden kann, fragt sich aber doch, ob sie nicht letztlich aufs falsche Pferd gesetzt haben.

Schließlich geht es ja nicht nur um sinkenden Wachstum (das nennt man wirklich so, auch wenn es ein Widerspruch in sich scheint), sondern um Kompatibilität in manch anderem Bereich. Wir erinnern uns, nicht gerne, aber gezwungenermaßen, an allerhand Firmen, die in China produzieren ließen, weils da so schön billig ist, das Produzieren. Rausgekommen sind: vergiftete Spielsachen und verdreckte Computerchips, um nur zwei Beispiele zu nennen. Womit ich jetzt nicht behaupte, in China seien Gift und Dreck Bestandteile
der Kultur. Aber um billig zu sein, muss man halt dieses oder jenes
Zugeständnis machen. Das war den Firmen, die angesichts der günstigen Produktionskosten Dollarzeichen in die Augen kriegten, nicht wirklich klar. Soll heißen: Gier macht entweder blind oder aber man sieht vor lauter Dollarzeichen nicht mehr die einfachsten Sachen.

Und übrigens wird alles nicht so heiss gegessen, wies gekocht wird. Darauf jedenfalls kamen mein Zeitungshändler und ich im Verlaufe unseres Gespräches. Weil ... vor zwanzig Jahren dachten wir schon mal, die Japaner kommen. Das haben die dann aber hübsch bleiben gelassen und nur ihre Waren her geschickt. Die aber in rauen Mengen. Es gab dann plötzlich Mazda-Vertretungen in allen Ortschaften über 1000 Einwohner oder so ähnlich. Worüber sich bis zur Abwrackprämie kein Mensch so wirklich Gedanken gemacht
hat. Die Leute kaufen ja doch keine deutschen Autos, wenn sie heute kaufen. Übrigens so oder so nicht. Denn Opel zum Bespiel ... aber das wissen Sie ja nun selbst.

Und was die Chinesen angeht: Wunder können die auch nicht vollbringen. Kann ja sein, dass Schröder, Hartz und Co. schon nett vorgearbeitet haben für eine globalisierte Welt. Es geht ja nun nicht an, dass so ein popliger Arbeiter sich einbildet, er müsste annähernd genau so leben wie seine Bosse. Aber man wird es dem deutschen Arbeiter nach allem, was er in den letzten Jahrzehnten erfahren durfte, nur noch schwer vermitteln können, dass er zum Schlafen nach einer Doppelschicht in eine Baracke auf dem Werksgelände kriechen und eine Gemeinschaftstoilette für hundert Leute benutzen soll.
Und solange das so ist, denke ich, werden die Chinesen da bleiben, wo sie sind.

Da können die Unternehmer so neidisch nach China gucken, wie sie wollen.

Nr.49

40600014-

Nr.48

Donnerstag, 9. April 2009

Nr.47

4060000214

Mittwoch, 8. April 2009

Nr.46

4060000113

Nr.45

bronzegarten

(mit Gruß an AiHua und ihr Schätzelchen)

Dienstag, 7. April 2009

Weltenretter

Ich weiss ja nicht, wie das anderen Leuten so geht. Aber ich, wenn ich denn einen Vertreter der USA so ganz hochoffiziell vor irgendwen treten sehe (meist hat man dabei das Gefühl, er träte so quasi vor die ganze Welt), noch dazu in der Pose des Weltenretters ... dann merke ich, wie sich unversehens mein Kopf einzieht.

Von den USA gerettet zu werden, bedeutet nicht nur oft das Gegenteil, sondern verheisst auch hinterher jede Menge Kosten. (Noch heute werde ich nicht fertig darüber, dass das einstmals anders gewesen sein soll. Aber, das verspreche ich Ihnen, wenn man genauer hinguckt, wird man feststellen, dass wir auch damals für lange, lange Zeit unseren Preis bezahlt haben.)
Im Klartext heisst das: Die USA retten die Welt, stellen beim Retten fest, dass es dann doch nicht so einfach ist, wie sie sich das vom häuslichen Küchentisch aus vorstellten, und dann rufen sie nach der "anderen Welt", sprich: nach denen, die die USA-Vorstellung vom Weltenretten schon von Anfang an nicht gut fanden. Die sollen dann, weil Weltretten ja nicht Sache nur eines Landes ist (und sei es auch das größte, schönste, freieste, erfolgreichste und sonst superlativste der Welt) , den Dreck wegräumen, den die USA beim Weltretten so gemacht haben. Aus Versehen oder weil es schwieriger und der Feind böser war als gedacht.

Kurzum: Wenn Sie mal die Welt gerettet haben wollen, machen Sie´s am Besten gleich selbst und bitten Sie nicht die USA.

Nun haben die ja in den USA einen neuen Präsidenten, der die Welt ganz anders retten will. Nämlich nicht dadurch, dass er irgenwann irgendwohin geht und anderen erklärt, was und wie sie ... Nein, nein, DER trägt den Optimismus in die Welt, was ja auch so eine Art Rettung sein kann, weil allüberall die Leute nichts Gutes mehr sehen und an nichts mehr glauben (die Gründe dafür lassen wir jetzt mal aussen vor).
Vielleicht liegt es an dem, dass die neuen Rettungsvorschläge so gänzlich anderer Natur sind. Nämlich derart, dass ich nicht nur nicht mehr den Kopf einziehen, sondern herzlich lachen durfte. Jawoll: Rettung durch Fröhlichkeit, was ja nun wirklich mal etwas sehr, sehr anderes ist und auf jeden Fall zu begrüßen. Weil ... so ein Lachen (es darf bei den Wiederholungen gern auch ein zweites und drittes sein) stimmt einen ja insgesamt positiv und optimistisch. Und Optimismus können wir gut brauchen in Zeiten, die - auch positiv betrachtet - keine wirklich guten sind.

Jedenfalls stellte sich gestern Frau Clinton vor so eine Konferenz und und den Südpol. Ja, den Südpol!
Der durch die Touristen massiv geschädigt würde. Weshalb man die Grösse der Schiffe begrenzen müsste und auch die Anzahl derer, die dort an Land gingen (na, gut, da gibts keins, sondern nur Eis, aber sein wir jetzt mal nicht kleinlich).

Fragen Sie jetzt nicht, was Frau Clinton mit dem Südpol zu tun hat. Fragen Sie auch nicht, was der Südpol mit der Welt zu tun hat. (Er ist drauf, klar, und mindestens genauso wichtig für´s Ökosystem wie alles andere auch.) Fragen Sie jetzt auch nicht, warum sich - wenn schon - Frau Clinton nicht besser um den Nordpol kümmert, der ja viel näher dran ist an den USA. (Man könnte sonst darauf kommen, dass ein Abschmelzen des Pols durchweg nur Vorteile für die USA brächte, weil es da Erdöl und Erdgas die Menge gibt, an das man derzeit, des Eises wegen, bloß nicht ran kommt.) Und fragen Sie ja nicht, warum Frau Clinton nicht ganz vor der eigenen Haustür kehrt, denn es gibt nur wenige Länder auf der Welt, die weniger auf die Umwelt achten als die USA. Da kann auch Al Gore nichts dran ändern.

Behalten Sie all diese Fragen für sich und lehnen sich entspannt zurück: Dieser Versuch der Weltenrettung sorgt für Heiterkeit und kostet uns rein gar nichts.
Denn, Hand auf´s Herz: Wer von Ihnen hatte schon demnächst vor, den Südpol zu bereisen?



Und beim nächsten Mal sprechen wir darüber, wie geteilt doch die Meinungen in Sachen Klima sind. Dass der Nordpol abschmilzt, wissen wir von überall her. Aber wussten Sie, dass die Eisschicht des Südpols wächst?

Samstag, 4. April 2009

Nr.44

4060000213

Mittwoch, 1. April 2009

Nr.43

4060000211

Dienstag, 31. März 2009

Nr.42

Motto:

Meine Bilder kann man kaufen. Meine Texte und meine Meinung nicht. D-J

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